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Mac-OS X Server kommt mit passender Hardware

22.05.2001 | 00:00 Uhr |

Mit den erwarteten Premiere von Mac-OS X Server und Web Objects 5 sowie der Ankündigung, in Zukunft auf CRT-Monitore zu verzichten, hat Steve Jobs gestern die weltweite Entwicklerkonferenz WWDC in San Jose eröffnet. Ein wenig überraschend kommt jedoch die Entscheidung, dass Apple ab sofort Mac-OS X auf alle neuen Rechner vorinstalliert.

Mac-OS X Server 2.0 löst nach rund zwei Jahren die Vorgängerversion, die Apple noch im Next-Stil gehalten hatte, ab. Das Server-Betriebssystems ist wie die Client-Version aufgebaut, auf dem Open-Source-Kernel Darwin setzen die Grafiklayer Quartz, Open GL und Quicktime auf, die Benutzeroberfläche Aqua ist jedoch in der Standardeinstellung etwas nüchterner gehalten. Zum Lieferumfang gehören neben dem Web-Server Apache die version 3.0 des Quicktime Streaming Servers, der JSP Server Tomcat und ein mailserver, der SMTP, POP und IMAP unterstützt. Als Datenbank ist My SQL installiert, für das Content Management von Websites unterstützt Mac-OS X Server die HTTP-Erweitereung WebDAV. Dank Samba lassen sich über den Server Daten mit Clients tauschen, die unter Mac-OS, Windows, diversen Unix-Varianten und Linux laufen. Die 10-Client-Edition kostet 499 US-Dollar, eine unlimitierte Fassung bietet der Mac-Hersteller für 999 US-Dollar an.

Internet-Software für Firmen

Zeitgleich mit Mac-OS X Server hat Apple die neue version der ursprünglich von Next geschaffenen Entwicklungsumgebung für dynamische Websites Web Objects 5 fertig gestellt.
Große Unternehmen wie Adobe oder hierzulande das Reiseunternehemen TUI verwenden Web Objects, um Software oder Reisen im Internet zu verkaufen. Bei der ab sofort im Handel erhältlichen neuen Version hat Apple vor allem die Abstimmung mit Mac-OS X verbessert. Denn künftig kann man mit Web Objects nicht nur Programme unter Mac-OS X entwickeln, sondern auf diesem Betriebssystem auch laufen lassen, was bisher nur unter Windows NT/2000 und Solaris möglich war. Allerdings genügt die Standardvariante von Mac-OS X nicht, wer alle Funktionen des 700 Dollar teuren Web-Objects-Paketes nutzen will, muss zusätzlich die Server-Variante von Mac-OS X kaufen, die mit weiteren 1000 Dollar zu Buche schlägt. Damit der sichtbare Teil von Web Objects künftig besser zur Geltung kommt, nutzt Apple Java 2 Standard Edition, was zusätzlich den Vorteil hat, dass die damit geschriebenen Programme eigentlich auch auf x-beliebigen Unix-Internet-Server laufen müssten. Auf Nachfragen zu diesem Thema war aber bis Redaktionsschluss keine Antwort zu erhalten.

Hardware für hohe Ansprüche

An die Anfordernisse eines Server-Betriebssystems angepasste Hardware ist nun ebenfalls zu haben. Mit einem 533-Mhz-G4-Prozessor ausgestattet kommt die kleinste der drei im deutschen Apple Store erhätlichen Maschinen mit 256 MB RAM, 60 GB Ultra-ATA-Festplatte, ATI Rage 128 Pro, Gigabit-Ethernet und CD-ROM-Laufwerk zum Preis von 8.000 Mark zur Auslieferung, für das Dual-Prozessor-Modell mit den gleichen Ausstattungsmerkmalen bei RAM, Festplatte und Grafikkarte aber einer 4-Port-ethernetkarte verlangt Apple 10.700 Mark. Das 14.700 Mark teuere Luxusmodell hat anstatt des Ultra-ATA-Laufwerks eine 72 GB fassende Ultra160 SCSI-Festplatte an Bord und darüberhinaus eine Zweikanal-SCSI-Karte. Auf allen Maschinen ist die unlimitierte Version von Mac-OS X Server vorinstalliert.

Guter Start für Ladenkette

Zahlen gibt man in Cupertino ungern der Öffentlichkeit preis, es sei denn, man muss - wie im Falle von Quartalsergebnissen - oder die Bilanzen sind erfreulich. Stolz verkündete also Steve Jobs, dass die beiden am Wochenende in McLean und Glendale eröffneten Shops am ersten Tag insgesamt einen Umsatz von 600.000 US-Dollar erzielen konnten. Insgesamt 7.700 Neugierige konnte Apple im Tysons Corner Center und der Glendale Gallery begrüßen, laut Steve Jobs sei man von der positiven Resonanz der Besucher überwältigt. Vom gut ausgebildeten Personal über die "Genius Bar" zum Design des Ladens hätten die Kunden die Präsentation des "digital lifestyle" als "einzigartig" empfunden.

Nicht mehr auf die Röhre gucken

Auf dem Schreibtisch hat die Röhre ausgedient, so Steve Jobs, dort sollen nach seinem Willen ab sofort nur noch Flachbildschirme im Apple-Design Dienst tun. Deshalb streicht Apple den Röhrenmonitor mit 17 Zoll Bildschirmdiagonale aus dem Programm und stellt stattdessen ein gleich großes LCD-Display vor. Für 2600 Mark erhält man 1280 x 1024 Bildpunkte in Echtfarben auf diesem Monitor, der wie die beiden anderen Flachbildschirme im Apple-Angebot, über einen Spezialstecker mit dem Rechner verbunden und deshalb die passende Grafikkarte voraussetzt. Inzwischen sind zwar Zwischenstecker auf dem Markt ( www.drbott.de ), doch sollte man sich vor dem Kauf unbedingt beim Hersteller versichern, dass der neue Monitor an der vorhandenen Grafikkarte mit diesem Konverter auch funktioiert. Ebenfalls identisch mit den beiden anderen Modellen ist die weitere Ausstattung: Auf der Rückseite findet man zwei USB-Anschlüsse. Der auf den ersten Blick hohe Preis scheint im Vergleich mit Konkurrenzprodukten jedoch gerechtfertigt: Die im letzten Macwelt-Test (Ausgabe 4/2001) mit "gut" oder "sehr gut" bewerteten 17-Zoll-TFTs waren im Preisbereich von 3300 Mark bis 5500 Mark angesiedelt. Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass ein generelles Problem von Flachbildschirmen auch mit diesem Gerät nicht gelöst ist. Die Darstellung der Farben ist noch immer vom Betrachtungswinkel abhängig. Wer sich in seinem Stuhl anders setzt oder sich gar etwas zur Seite beugt, sieht die rote Rose plötzlich mit etwas mehr Schwarz im Farbton. Solange diese Phänomen nicht gelöst ist, ist man zumindest bei der professionellen Bildbearbeitung auf Röhrenmonitore angewiesen. Das neue TFT-Display schließt die Lücke zwischen dem 15-Zoll-LCD für 1.600 Mark und dem Cinema-Display, dessen Preis Apple um 500 Mark auf 6.500 Mark gesenkt hat

Mac-OS X vorinstalliert

Überrraschend hat Apple angekündigt, Mac-OS X weltweit auf allen aktuellen Rechnern zu installieren. Bei den Geräten im Handel wird Mac-OS X als Package beiliegen, geplant ist aber eine Vorinstallation. Zukünftig sollen neue Rechner zwar mit Mac-OS 9.1 starten, eine Änderung des Startvolumes in den Kontrollfeldern reicht aus, um Mac-OS X zu starten. Ursprünglich hatte Apple erst den Juli als Zeitpunkt geplant, ab dem alle neuen Macs zusammen mit dem neuen Betriebssystem das Werk verlassen sollten. Steve Jobs begründete den zwei Monate früher genommenen Schritt als "eine totale Verpflichtung" für Apples eingeschlagenen Weg. er habe die große Hoffnung, dass die MAc-Anwender sich mit auf diesen Weg begeben, denn: "Der Zug hat den Bahnhof verlassen".
Ein Problem ist die Ausstattung der Einsteigermodelle des iMac und iBook mit 64 MB RAM. Apple selbst nennt als Mindestanforderung für die sinnvolle Nutzung von Mac-OS X 128 MB installierten Speicher. Wie Apple das Dilemma lösen will, konnten wir bis Redaktionsschluss dieser meldung nicht in Erfahrung bringen.

Weitere Software, die auf der WWDC angekündigt wurde:
Drive 10 (alias Erste Hilfe) von AppleTony Hawks Pro Skater von MicrosoftDreamweaver und Fireworks (angekündigt von Eric Wittman, Macromedia Director of Flash and Freehand Products) Meeting Maker von ON Technologies (angekündigt von Marc Parmet, Vice President Marketing & Business Development von ON)

Weitere Bilder von der Keynote folgen in Kürze.

Peter Müller/Walter Mehl/Stephan Wiesend

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