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Mac-Speed: Apples Antwort auf den 1000-MHz-PC

05.09.2000 | 00:00 Uhr |

Laut Steve Jobs sind zwei Gehirne besser als eines. Macwelt beleuchtet den technischen Hintergrund der Multiprozessoren-Macs und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Power-PC-Prozessoren.

Mit Multiprozessor-Macs will Apple der Konkurrenz durch immer schnellere PC-Prozessoren begegnen. Das einzige Problem dabei: Herkömmliche Mac-Software und das Mac-Betriebssystem profitieren nicht von einem zweiten Prozessor. Ändern wird sich das erst, wenn Mac-OS X herauskommt. Dann wird der Mac einen kräftigen Leistungsschub erhalten

Über ein Gigahertz beträgt die Taktrate bei modernen Prozessoren - im PC-Lager. Der Mac-Prozessor hinkt hier mächtig hinterher, und Apple versucht, dem Problem mit Multiprozessorrechnern beizukommen. Während dies unter dem derzeitigen Mac-OS nur bei wenigen Anwendungen einen echten Leistungszuwachs bringt, wird Mac-OS X voll von den zwei Prozessoren profitieren. Denn das neue Mac-OS ist dank seines Unix-Kerns ganz auf die Kraft der zwei Herzen ausgelegt

Apples Prozessorprobleme

Als Apple den Power-PC-Prozessor von Motorola und IBM einführte, war vor allem eines Trumpf: die mit der RISC-Technologie möglichen Taktraten eines Prozessors. Dadurch, dass der Prozessor mit weniger Instruktionen arbeitet, verbraucht er weniger Strom und erzeugt weniger Hitze. Daher sei er, so die Power-PC-Allianz, bestehend aus Apple, IBM und Motorola, für hohe Taktraten, die bei herkömmlichen CISC-Prozessoren an den Hitzeproblemen scheitern, geradezu prädestiniert. Apple wurde bei der Einführung des Power-PC-Prozessors nicht müde, diesen Aspekt zu betonen und eine gegenüber Prozessoren der "Wintel"-Konkurrenz um ein Vielfaches höhere Leistung zu prophezeien.

Nun ist eben diese Konkurrenz dem Power-PC-Lager mit mehr als den doppelten Taktraten davongezogen, und für den G4-Prozessor ist noch immer kein Land in Sicht. Man kann eifrig darüber spekulieren, warum Motorola unfähig ist, den G4-Prozessor mit höheren Taktraten zu produzieren. Design- und Produktionsprobleme haben den G4 von Anfang an begleitet, und es wird wohl in die Apple-Annalen eingehen, dass die Firma erstmals eine komplette Produktreihe "heruntertakten" musste, um überhaupt lieferfähig zu sein.

Der Anfang des Übels liegt wohl in erster Linie in den unterschiedlichen Ansichten, die die beiden Prozessorhersteller IBM und Motorola vom G4-Prozessor haben, dem Nachfolger des gemeinsam entwickelten G3. Motorola setzte von Beginn an auf die Altivec-Einheit, IBM hingegen klinkte sich, nicht an der Altivec-Entwicklung beteiligt, aus der gemeinsamen Linie aus und brachte einen eigenen G4-Prozessor ohne Altivec heraus. Apple wiederum war an der Altivec-Entwicklung beteiligt und stand so mit nur noch einem Prozessorlieferanten da.

Diesen Schritt werden so einige Apple-Verantwortliche inzwischen bereut haben. IBM wird nicht müde, die Lieferbarkeit von G4-Prozessoren (ohne Altivec) mit bis zu 700 MHz Taktrate zu betonen, während weder Motorola noch Apple vorankommen. Zwar werkelt man an einem G4-Plus-Prozessor, der dank überarbeitetem Design höhere Taktraten erlaubt, einen Lieferzeitpunkt möchte aber niemand nennen. Und auch der Nachfolger, der Power-PC G5, wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen. Er verspricht Taktraten von weit über 1 GHz - Fertigstellungszeitraum ungewiss.

MP-Mac mit Mac-OS X - Ein erster Versuch

Natürlich haben wir es versucht: Der erste Test eines Multiprozessor-Mac mit Mac-OS X hat auch uns gereizt. Zur Verfügung stand uns ein nagelneuer Power Mac Dual Processor G4 und die Developer Preview 4 (DP4) von Mac-OS X. Die Beta ist auch bei uns noch nicht eingetroffen. Dass sich die DP 4 einfach so installieren lassen würde, hatten wir nicht erwartet, schließlich war sie wesentlich früher fertig als die MP-Macs. Beim Aufruf des Mac-OS-X-Installers war deshalb sofort Schluss. Der nächste Versuch war schon etwas vielversprechender. Wir bauten die interne Festplatte unseres Mac-OS-X-iMac kurzerhand in den G4 ein. Doch auch hier Fehlanzeige - der G4-Mac weigerte sich, überhaupt von der Platte zu starten. Erst unser letzter Versuch, die Installation auf einem alten G4-Mac und der anschließende Einbau der Doppelprozessorplatine in den Rechner, brachte das gewünschte Ergebnis, und der Mac lief mit zwei Prozessoren unter Mac-OS X. Dass sich die DP 4 allerdings unter unserer Testkonfiguration nicht besonders wohl fühlte, bewies sie mit häufigen Abstürzen und keiner merklichen Beschleunigung. Allerdings hatten die Apple-Entwickler inzwischen Zeit, die fehlende MP-Unterstützung in die Beta einzubauen, und sobald sie uns zur Verfügung steht, werden wir die MP-Fähigkeit von Apples neuem Betriebssystem mit ausführlichen Tests nachprüfen.

Mehr lesen Sie in Macwelt 10/2000, die am 6. September am Kiosk ist.

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