1665764

Mac-Trends 2013: Mac Pro und mehr Retina

11.01.2013 | 15:22 Uhr |

Im vergangenen Jahr hat Apple jede Menge Mac-Pulver verschossen. 2013 wird dennoch nicht langweilig, es stehen weitere spannende Macs an

Welche neuen Macs kommen 2013? Was kann nach dem Mac-Feuerwerk Ende 2012 überhaupt noch kommen? Eines ist klar: neue Macs werden in diesem Jahr nicht so schnell erscheinen, denn Apple hat sämtliche Mac-Produktreihen erst im letzten Quartal 2012 erneuert. Mit einer Ausnahme: den Mac Pro.

Mac Pro

Bereits vor einem Jahr weissagten wir an dieser Stelle einen neuen Mac Pro. Er kam nicht, was viele Profi-Anwender zum Anlass nahmen, kräftiger über Apples Pro-Politik zu wettern. Die Facebook-Seite „ We want a new Mac Pro “ gewann sehr schnell Tausende von Fans und erlangte im Web eine gewisse Berühmtheit. Immerhin erregte die Seite soviel Aufsehen, dass sich Apple CEO Tim Cook höchstselbst zu einer Aussage per E-Mail hinreißen ließ: „We’re working on something really great for later next year“. Auf Deutsch; „Wir arbeiten an etwas wirklich Tollem für nächstes Jahr“. Damit ist einer neuer Mac Pro für 2013 gemeint. Vermutlich wird er in der zweiten Jahreshälfte erscheinen.

Ob Apple beim Mac Pro dem bisherigen „Server-Ansatz“ treu bleibt, ist dabei unklar. Wenn ja, dürfte Apple den neuen Mac Pro auf dem Server-Chip Xeon E5 von Intel und dem dazu passenden Chipsatz mit dem Codenamen „Patsburg“ aufbauen. Der Xeon E5 kommt mit der Sandy-Bridge-Architektur und wird im 32-Nanometer-Prozess hergestellt. Er arbeitet mit bis zu acht Rechenkernen und ist mit den Intel-Technologien Turbo Boost und Hyperthreading ausgerüstet. Des weiteren ist der Chip Dual-CPU-fähig, ein Mac Pro mit insgesamt 16 Rechenkernen dürfte damit erstmals Realität werden. Apple wird jedoch auch Konfigurationen mit nur einem Chip, also acht oder sechs Rechenkernen anbieten.

Nach wie vor ungelöst ist das Problem des Thunderbolt-Anschlusses beim Mac Pro. Thunderbolt liefert die Signale für bis zu zwei 30-Zoll-Displays. Damit ist klar, dass der Anschluss auf der Grafikkarte vorhanden sein muss. Apple wird wie bei den aktuellen iMacs mindestens zwei Thunderbolt-Ports für bis zu vier Displays am Mac Pro bereitstellen. Daneben dient der Anschluss aber auch als High-Speed-Verbindung für externe Peripheriegeräte, wie zum Beispiel Festplatten oder Raid-Systeme. Wenn Apple die Thunderbolt-Anschlüsse ausschließlich über die Grafikkarte nach außen führt, muss der Mac-Hersteller spezielle Grafikkarten entwickeln, auf denen der Thunderbolt-Chip Platz findet. Das ist teuer und bedeutet, dass man die Grafikkarte weiterhin nicht gegen Standard-Modelle aus dem PC-Markt austauschen kann. Zumindest nicht, ohne die Thunderbolt-Funktionalität komplett zu verlieren.

Eine Lösung wäre es, den bisherigen Mac-Pro-Pfad zu verlassen und einen Mac Pro mit fest integriertem Grafikchip zu verwenden. Zusatzkarten per PCI-Express-Steckplätze wären dann entweder gar nicht mehr möglich, oder nur extern über eine Expansion-Box. Damit wäre der Mac Pro allerdings nichtviel mehr als ein aufgebohrter Mac Mini im größeren Gehäuse und mit schnelleren CPUs.

Intel liefert Einblicke

Derzeit aktuell ist Intels Ivy-Bridge-Technologie, die Apple in allen Macs, mit Ausnahme des Mac Pro einsetzt. Der Nachfolger von von Ivy-Bridge fungiert unter dem Codenamen „Haswell“ (siehe Kasten: „Das bringt Haswell“). Nach dem derzeit gehandelten Zeitplan dürfte Haswell in der zweiten Jahreshälfte 2013 marktreif sein. Apple könnte somit die wichtigsten Macs gegen Ende 2013, vermutlich im September oder Oktober mit neuen, schnelleren Prozessoren ausstatten.

Mobile Macs

Nach wie vor kursieren Gerüchte, dass Apple mobile Macs mit ARM-CPUs bringen könnten. Weitere Nahrung bekamen die Gerüchte durch die Cortex-A50-Architektur, die der CPU-Designer ARM 2012 vorstellte. Erstmals wird damit eine ARM-CPU 64-Bit-fähig, eine essentielle Voraussetzung, um mehr als vier Gigabyte Arbeitsspeicher zu ermöglichen. Aber Cortex A50 ist auf Server-Systeme ausgelegt, stromsparend zwar aber dennoch nicht für mobile Anwendungen geeignet. Apple könnte allerdings basieren auf der Cortex A50-Architekur einen eigenen Chip entwickeln, nennen wir ihn mal A7. Dieser wäre dann für ein High-End-iPad genauso denkbar wie beispielsweise für ein preisgünstiges Macbook Air. Doch es gibt einige Fußangeln. Einerseits dürfte selbst Rechenleistung eines 64-Bit-ARM-basierten Prozessors noch nicht an einen Intel-Chip der aktuellen Ivy-Bridge-Architektur heranreichen. Man müsste Einbußen in der Geschwindigkeit beim Starten vom System und Programmen sowie bei rechenintensiven Aufgaben, wie MP3-Kodieren oder Videoschnitt hinnehmen. Alles Dinge, die man heute gut und gerne mit einem Macbook Air erledigt.

Das bringt Haswell

Haswell ist eine Weiterentwicklung von „Ivy Bridge“. Das Fertigungsverfahren bleibt bei 22 Nanometern mit 3D-Tri-Gate-Transistoren, aber die Mikroarchitektur soll deutlich verändert werden. Es sollen unter anderem neue Vektor-Befehle (AVX2) hinzukommen, die 256-Bit-Ganzzahlberechnungen beherrschen.

Der Fokus in Haswell liegt jedoch auf bessere Stromsparfunktionen, die den 22-Nanometer-Fertigungsgprozess ausreizen sollen. In der Praxis dürfte dies für längere Akkulaufzeiten oder höhere Taktfrequenzen sorgen.

Insgesamt sollen Haswell-Chips etwa 10 Prozent schneller sein, als die Ivy-Bridge-Vorgänger. Die integrierte Chipsatzgrafik soll gar doppelt so schnell werden als die bisherige Intel-HD-4000-GPU.

Für Apple besonders interessant: Laut Gerüchten soll der Thunderbolt-Controller fester Bestandteil der Haswell-Architektur werden. Damit fällt in den Macs ein weiterer separater Chip weg und Thunderbolt könnte sich mittelfristig im Billig-PC-Segment fest etablieren. Die Folge wären preiswertere Thunderbolt-Peripheriegeräte, vor allem schnelle externe Festplatten.

Der zweite Punkt wiegt noch schwerer: Sämtliche Programme für OS X wären inkompatibel zur ARM-Architektur. Zwar könnte Apple OS X selbst und seine eigenen Programme, wie iLife, iWork und Final Cut Pro X anpassen, alle anderen Programme würden aber nur laufen, wenn die Entwickler sie auf die neue CPU hin anpassen – und das braucht unter Umständen Jahre Zeit. In der Vergangenheit hat Apple eine solche Übergangsphase stets mit fest im System integrierten CPU-Emulatoren ( Rosetta ) begleitet, Auch bei einem Umstieg von Intel auf ARM wäre so etwas denkbar. Aber Intel Code auf CPU-Ebene zu emulieren frisst jede Menge Rechenleistung, die Programme würden noch langsamer.

Mehr Macs mit Retina Displays

Apples Retina Display ist ein großer Erfolg. Als Premiere tauchte es im Sommer 2010 im iPhone 4 auf, Anfang 2012 dann im iPad 3 und kurz danach setzte Apple erstmals ein Retina Display in Macs ein. Sowohl das 15- als auch das 13-Zoll-Macbook Pro bekommt man in einer Retina-Version. Der Vorteil: Die Auflösung ist doppelt so hoch wie bei herkömmlichen Bildschirmen. Das sind also viermal soviel Pixel. Das Bild ist dadurch gestochen scharf, besonders Texte lassen sich viel besser erkennen. Man bemerkt quasi keinen Unterschied mehr zu einem gedruckten Schriftbild.

Es ist anzunehmen, dass Apple 2013 mehr Produkte mit Retina-Displays ausstatten wird. Zunächst dürfte ein iPad Mini in den Genuss des hoch auflösenden Bildschirms kommen aber auch Macs stehen aus. Denkbar wäre, dass Apple zunächst die Macbook-Air-Serie mit Retina-Displays ausstattet. Diese extrem kleinen und leichten mobilen Macs gibt es mit 11- und 13-Zoll-Display. Ein 13-Zoll-Retina-Bildschirm hat Apple bereits mit dem Macbook Pro Retina im Programm. Es gibt eigentlich keine großen technischen Hindernisse, dieses Display auch im Macbook Air einzusetzen. Dass der Intel Grafikchip „HD Graphics 4000“ aus der Ivy-Bridge-Baureihe – der auch im Macbook Air arbeitet – den Pixelmassen gewachsen ist, hat Apple mit dem 13-Zoll-Retina-Macbook Pro bereits bewiesen. Auch das 11-Zoll-Macbook Air könnte mit Retina-Display kommen. Bleibt Apple beim einfachen Umrechnungsfaktor „Pixelanzahl mal vier“ müsste das 11-Zoll-Macbook-Air ein Retina-Display mit 2732 mal 1536 Pixel bekommen.

Eine wirkliche Herausforderung für Apple dürfe allerdings ein iMac mit Retina-Display sein. Derzeit gibt es Apples erfolgreichsten Desktop-Computer mit 21,5 und 27-Zoll-Bildschirm. Retina-Displays in diesen Größen herzustellen dürfte ein enormes technisches Fertigungsproblem sein. Das wird klar, wenn man sich die Pixelmengen vor Augen führt. Der 21,5-Zoll iMac müsste 3840 mal 2160 Pixel darstellen. Das wäre schon ein neuer Rekord in dieser Panel-Größe und erstmals Quad-HD (vier mal Full HD). Noch eindrucksvoller wäre jedoch der 27-Zoll-iMacs. Hier müssten satte 5120 mal 3200 Pixel auf dem Bildschirmerscheinen. Ein solcher iMac wäre für professionelle Filmschaffende der Himmel auf Erden, denn er könnte Kino-Videos bis zur 5k-Auflösung (5120 mal 2700) ohne Qualitätsverluste darstellen. Mit einer solchen Maschine und einer neuen Version von Final Cut Pro X, die in der Lage ist, mit solchen Pixelmengen umzugehen, könnte sich Apple verlorenen Boden im professionellen Video-Bereich zurückerobern.

Fazit

Auch das Jahr 2013 wird wieder ein spannendes und interessantes Mac-Jahr werden. Die Highlights werden ein neuer Mac Pro und neue Macs mit Retina-Display werden. Auch der iMac könnte 2013 erstmals mit einem Retina-Display auf den Markt kommen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1665764