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Mac-User sollen im Web häufig teurere Angebote erhalten

11.12.2014 | 10:00 Uhr |

Online-Shops werten offenbar regelmäßig diverse personalisierte Informationen aus, um gezielt Angebote an Besucher ihrer Website zu richten. Dabei werden etwa Faktoren wie Betriebssystem oder sogar die vermutete finanzielle Situation des Nutzers eingerechnet.

Über derartige Praktiken berichtet die Studie ”Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag”   von Wolfie Christl und Cracked Labs, dem ”Institut für kritische digitale Kultur”. Dieses hat umfangreich analysiert, dass und inwieweit digitale Geschäfte mit persönlichen Daten vermengt und (aus)genutzt werden. Hier spielen insbesondere Stichworte wie Online Tracking, Big Data und kommerzielle digitale Überwachung eine Rolle. Dabei seien es keineswegs nur die üblichen Verdächtigen wie Google oder Facebook, die Daten ihrer Nutzer erheben. Viele Unternehmen würden anfallende Daten nutzen, um ihre Kunden individuell einzuschätzen und deren (Kauf-)Verhalten vorherzusagen. So könne man allein aus Facebook-Likes mit hoher Zuverlässigkeit auf Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit bis hinein in den Konsum von Alkohol und andere Rauschmittel schließen. Selbst aus dem Telefonie-Verhalten wie etwa der Häufigkeit von Anrufen lasse sich demnach mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit für Neues und andere Charaktereigenschaften schließen. Mittels der Kenntnis vergangener GPS-Standorte werden zukünftige Aufenthaltsorte prognostiziert und anderes mehr.

Interessant sind diese digitalen Spuren laut dieser Studie nicht nur für Wissenschaft und Geheimdienste, sondern auch für die Unternehmen. Werbetreibende können damit viel gezielter an ihre Zielgruppen herantreten, und kundenspezifische Vorhersagen von Risiken, Ertragschancen und andere Faktoren spielen etwa bei der Bonitätsbewertung eine Rolle, oder auch bei Personalentscheidungen mit Big Data.

Für Anwender mit Apple-Rechnern ist zudem besonders das Stichwort Preisdiskriminierung relevant. Demnach zeigen große internationale Online-Shops ihren Besuchern unterschiedlich teure Produkte an, je nach deren Online-Verhalten, Standort-Informationen, der benutzten Geräte oder Browser. Manchmal würden gar die gleichen Produkte zu verschiedenen Preisen offeriert, die Unterschiede können dabei ist zu 166 Prozent betragen. Bekannt wurde schon vor zwei Jahren nach einem Bericht des Wall Street Journals   das als ”Experiment” bezeichnete Verhalten beim Online-Reisebuchungsportal Orbitz : Hier wurde bei Nutzung eines Mac-Computers eine Auswahl von um bis zu 13 Prozent teurere Hotels angeboten als mit einem PC. Wir haben dies aktuell mit mehreren Reisezielen ausprobiert, aber auf Anhieb keine Unterschiede bei der Verwendung eines Macs oder Windows-PCs feststellen können. Das bedeutet natürlich nicht viel, zumal wir mit der gleichen IP-Adresse das Angebot aufgerufen hatten. Nur eine größere und längere Testreihe mit ganz unterschiedlichen Online-Angeboten und -Shops könnte hier Aufschluss bringen. Eine gewisse Sensibilität sollte man aber als  Mac-Nutzer für das Thema mitbringen, um nicht allzu sehr manipuliert zu werden. Allerdings heißt es in der Studie auch: ”Konsumenten haben bei derartigen Praktiken keine Chance mehr, zu verstehen, wie ihr individueller Preis oder die Auswahl der ihnen angebotenen Produkte zustande kommen.”

Die Studie gibt es als PDF-Version auf der Website kostenlos in einer kürzeren und längeren Version, zumindest die erste sollte man sich auch im Hinblick auf Themen wie Smartphones, Fitness-Tracker, Smartwatches, Überwachungsboxen im Auto und das immer aktueller werdende ”Internet der Dinge” und die entsprechende Überwachung ansehen. Denn all diese Daten werden natürlich online gesichert und oft genug von den Betreibern verwendet – wie gezeigt, keineswegs primär zu deren Vorteil.

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