Von Dirk Steiger - 20.01.2004, 12:44

Mac fürs Rack

Normalerweise haben gestandene Server-Administratoren für Apple-Produkte nur ein müdes Lächeln übrig. Dabei erfüllt Apple mit den neuen Xserve gleich drei Wünsche auf einmal: erstklassige Kompatibilität, hohe Performance und einfaches Management.
April 1996: Nach 14 Jahren ist in Deutschland der Anbau von Hanf wieder erlaubt, Otto Rehhagel bekommt vom FC Bayern nach einer Schlappe gegen Rostock die rote Karte, und Apple bemüht sich um die Serverkundschaft. Leider sind die stabil gebauten Network Server 500 und 700 mit bis zu 200 MHz Power-PC-604-Prozessor nicht gerade der erhoffte Verkaufsrenner - nur zehn Monate später gibt Apple die Serverprodukte wieder auf. Nicht nur das Design der Server war ungewöhnlich, auch das verwendete Betriebssystem von IBM - eine speziell für Apple angepasste Version von AIX - fand in Administrator-Kreisen keine Freunde. Allerdings war sich Apple schon damals bewusst, dass das gewöhnliche Mac-OS nur bedingt für Serveraufgaben geeignet ist und setzte auf den Bekanntheitsgrad von Unix in den elitären Kreisen der Admins. Aber auch dieser sinnvolle Ansatz konnte das finanzielle Desaster mit den Network Servern nicht abwenden.
In der aktuellen Xserve-Generation setzt Apple erneut auf eine Entwicklung aus dem Hause IBM, diesmal auf der Hardwareseite. War der Sprung von 32 auf 64 Bit im Desktop-Bereich dank Verspätung von AMDs Athlon 64 noch ein Novum, trifft der G5 im Reich der Server auf bewährte Haudegen wie Intels Itanium oder AMDs Opteron. In dieser feinen Gesellschaft trumpft Apple mit Produkten auf, die ideal aufeinander abgestimmt sind. So ist beispielsweise die Server-Ausgabe von Mac-OS X 10.3 auf die Architektur des G5 ausgelegt: logische Volumes dürfen bis zu 16 Terabyte groß sein, und alle leistungshungrigen Applikationen hat Apple mit Xcode, respektive Gcc 3.3, optimiert und neu kompiliert. Selbst der G5-Prozessor in den neuen Xserves ist nicht baugleich mit dem der Alu-Power-Macs. Derzeit wandern in die Desktop-Macs noch die G5-Chips mit einer Strukturbreite von 130 Nanometern, im Xserve G5 steckt die aktuellere Variante in 90-Nanometer-Technik. In der Praxis macht sich das durch geringere Leistungsaufnahme (55 Watt gegenüber 110 Watt bei AMDs Opteron mit 2 GHz) und weniger Wärmeentwicklung bemerkbar. Somit können auch die Kühlkörper für die Prozessoren kleiner ausfallen - eine wichtige Voraussetzung, um den Xserve G5 wie seine Vorgänger im 1U-Formfaktor für 19-Zoll-Rackgehäuse zu halten.
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