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Macweek stellt ihren Dienst ein

08.03.2001 | 00:00 Uhr |

Vier Jahre, nachdem die letzte gedruckte Ausgabe der Wochenzeitschrift Macweek erschienen war, ist nun auch die Website macweek.com aus dem Netz verschwunden. Das Sterben der einst renommiertesten Nachrichtenquelle für Macianer hat jedoch schon früher begonnen. Ein Nachruf.

Seit Montag, den 5. März, wird jeder Surfer, der sich unter www.macweek.com seine tägliche Portion Mac-News abholen möchte, mit folgender Meldung begrüßt - und gleich wieder verabschiedet:
"Effective March 5, 2001 MacWEEK has been consolidated into MacCentral. We are pleased to welcome MacWEEK readers to a new, integrated home page -- please modify your bookmark and visit MacCentral for all of your Mac news."

Mit dieser Mitteilung machte der Verleger der Website, die Mac Publishing L.L.C, die Entscheidung, ihre redaktionellen Ressourcen künftig auf die beiden Web-Seiten www.maccentral.com und www.macworld.com zu konzentrieren, öffentlich. Ein Teil der Mannschaft hatte die Macweek schon vor Monaten verlassen und war zu anderen Websites etwa zdnet.news übergewechselt, acht Redakteure verlieren mit der Schließung ihren Job. "Wir glauben, dass wir den Ansprüche der Mac-Gemeinde besser mit den Headline-News auf maccentral.com und den Hintergrundberichten auf macworld.com gerecht werden," begründete Colin Crawford, President und CEO der Mac Publishing das Aus.

Kommentar von Marlene Buschbeck-Idlachemi, Macwelt

Abschied in Etappen

1987 gegründet, war Mac Week in den 80er und frühen 90er DIE Informationsquelle für alle, die mit dem Mac ihr Geld verdienten. Auch für uns als Macwelt-Redakteure war die Macweek wichtig. Damals war gerade hier in Deutschland die Versorgung mit Informationen über neue Mac-Produkte schwierig. Vor der Verfügbarkeit von Internet- und E-Mail-News war man auf die Pressemitteilungen deutscher Distributoren und Händler angewiesen, die oft erst mit monatelanger Verzögerung auf den Schreibtisch flatterten.
Erst das Aufkommen des Internets ermöglichte uns, auch ohne mühsame Telefonschaltungen in die USA Informationen schnell und direkt vom Hersteller zu recherchieren. Diese Unabhängigkeit der Journalisten verbesserte auch die Informationspolitik hiesiger Firmen, die von Lesern der Macwelt auf Produkte angesprochen wurden, die sie noch gar nicht zur Distribution erhalten hatten.
Doch genau die Zugänglichkeit von Informationen schadete dem Standing der Macweek als einer exklusiven Nachrichtenquelle. Langsam gingen die Anzeigenumfänge zurück und nachdem sich 1997 die beiden großen Konkurrenten im Markt der US-amerikanischen Mac-Zeitschriften, Ziff Davis und IDG zu einem gemeinsamen Joint Venture unter dem Namen Mac Publishing LCC zusammengeschlossen hatten, kam 1998 das Aus für die gedruckte Wochenzeitschrift Macweek.
Eine reduzierte Redaktion blieb jedoch an Bord und veröffentlichte weiter eine Online-Version der Macweek. www.macweek.com war jedoch aus mehreren Gründen nur ein Abklatsch der Print-Version. Erstens hatte sie ihr Alleinstellungsmerkmal als einzige Wochenzeitung für den Mac verloren. Zweitens fehlten der Online-Ausgabe die Produktbesprechungen über neue Produkte, die hier zum Teil noch überhaupt nicht erhältlich waren und deshalb für uns deutsche Journalisten immer eine interessante Vorschau waren. Und drittens änderte sich die Firmenpolitik der Herausgeber:
Herzstück der gedruckten Macweek war die Kolumne "Mac the Knife", in der die Zeitschrift stets den neuesten Gerüchten nachjagte und die von Lesern und frustrierten Mitarbeitern aus dem Silicon Valley fleißig mit Insider-Informationen gefüttert wurde. Diese Kolumne überlebte den Wechsel von der gedruckten zur Online-Ausgabe nicht lange, da die Redaktion keine Zeit mehr verlieren wollte " Gerüchten hinterherzujagen, in den Papierkörben von Unternehmen herumzustochern und über noch nicht veröffentlichte Produkte Berichte zu verfassen, die vielleicht gar nicht wahr sind." Wie es der damalige Macweek-Redakteur Stephen Beale in einem Editorial ausdrückte, wollte die Mannschaft lieber "korrekte Insider-News und Analysen über wichtige Mac-Produkte und Trends bringen, die schon das Tageslicht erblickt haben."
Doch genau das konnten die Leser auch auf zahlreichen anderen Web-Seiten finden und der Entschluss der Redaktion, künftig so genannte NDAs (Knebelverträge, die Journalisten verpflichten, Informationen bis zu einem bestimmten Datum zurückzuhalten) zu unterzeichnen, was sie früher meist verweigert hatte, bedeutete endgültig den Abschied von unautorisierten Informationen.
Für uns waren die Online-News der Macweek nur noch eine Informationsquelle unter vielen, trotzdem ist es schade, dass eine so renommierte Zeitschrift nun ganz der Vergangenheit angehört.

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