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Apple-Heads: Steve Wozniak - das Urgestein

03.12.2012 | 00:05 Uhr |

Schon vor der Gründung Apples hatte ihn Steve Jobs ausgenommen. Steve Wozniak hatte ihm nicht nur das verziehen – über das Apple von heute und seine Produkte urteilt er jedoch harsch.

Die Legende geht bekanntlich so: In den Siebzigern trafen sich zwei Technik-Freaks namens Steve im Silicon Valley und vereinten ihre Talente, um die Welt zu verändern. Während der eine ein begnadeter Tüftler war, war der andere mit einem herausragenden Verkaufstalent gesegnet. Steve Wozniak hatte gerade die Platine des Apple I erfunden und dabei sein Geschick in der Reduzierung der benötigten Bauteile bewiesen, während Steve Jobs bereits die ersten Dutzend Geräte an den Computerladen um die Ecke verkaufte. Woz lötete mit eilig geheuerten Helfern die versprochenen Platinen in der Garage von Jobs’ Elternhaus zusammen, der Mythos Apple war geboren.

Die Geschichte ist nicht falsch, aber bei Weitem nicht vollständig. Auch Steve Jobs hatte ein großes technisches Interesse an Elektronik und war nicht nur Verkäufer schicker Produkte. Die meisten technischen Innovationen der Apple-Frühzeit stammten jedoch von Wozniak, dessen Fähigkeiten Jobs schon bei einem früheren Auftrag schätzte – und gnadenlos ausnutzte. So half ihm Wozniak bei einer Auftragsarbeit für Atari, den Ableger des Arcade-Spiels Pong programmierte Wozniak innerhalb von vier Tagen und bekam die vermeintliche Hälfte der Prämie – 350 US-Dollar. Steve Jobs hatte jedoch 5000 US-Dollar für die Lieferung des Programmcodes eingestrichen.

Apple-Heads, 3.12.: Steve Wozniak - das Urgestein
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Wozniak erlitt nur wenige Jahre später einen Unfall infolgedessen er seine Arbeit als Chefentwickler bei Apple einstellte und sogar seinen Uni-Abschluss nachholte, den er bis dato seiner Arbeit bei Hewlett-Packard und seiner Neugründung Apple geopfert hatte. Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Macintosh hatte Wozniak nicht mehr, im Frühjahr 1985 zog er sich komplett zurück – er ist aber nach wie vor offiziell Apple-Angestellter und bezieht ein festes Gehalt.

Öffentliche Auftritte im Zusammenhang mit Apple hatte er aber seit über 15 Jahren nicht mehr, zur Macworld Expo im Januar 1997 hatte ihn Gil Amelio zusammen mit dem via Next zu Apple zurück gekehrten Steve Jobs auf die Bühne geholt, auf der er reichlich verloren in seinem Hawaiihemd herumstand.

Das Produkt, das ihn in den letzten Jahren anscheinend am meisten begeistert hatte, war der Segeway, jenes elektrisch betriebene einachsige „Stehfahrrad“, das die Verkehrsprobleme der Metropolen hätte lösen wollen. Woz wurde gewissermaßen zu einem Evangelisten der Technik und verbrachte seine Freizeit mit Segway-Polo.

Wozniak ist noch immer von Apple-Produkten begeistert, aber bei Weitem nicht von allen. Zwar sieht man ihn immer noch für neue Hardware in der Schlange vor einem Apple Store stehen, harsche Kritik übte er jedoch an Apples iCloud . Und dabei nahm er nicht etwaige technische Probleme ins Visier, die Apple schon seit Mobile Me verfolgen, sondern das Gesamtkonzept. „Ich sorge mich wirklich darum, was alles in die Cloud geht. Ich fürchte, das wird entsetzlich. Ich denke, es wird in fünf Jahren eine Reihe von fürchterlichen Problemen geben," fürchtet Wozniak. Besonders warnt er davor, dass der Nutzer die Kontrolle über seine Daten verliere. Wozniak, der nicht zu Unrecht als einer der Erfinder des persönlichen Computers gilt, muss die von Apple vollführte Kehrtwende in Richtung zentraler Instanz in der Tat heftig wurmen. Erst vor zwei Wochen hatte Wozniak wieder aufhorchen lassen, diesmal mit einer Kritik am iPhone 5. Apple bietet es für Wozniaks Geschmack in zu wenigen Varianten an, mehr Offenheit bei Bilschirmgrößen und Anschlüssen sei gefordert. Zudem frage er sich, ob Apple nur noch am iPhone bastle und darüber andere Innovationen aus den Augen verliere . Wozniak dürfte damit der einzige Apple-Angestellte sein, der sich solche Worte leisten kann. Von Apple war zu seinen Auslassungen bisher kein Kommentar zu vernehmen. 

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