Von Redaktion Macwelt - 31.12.2012, 00:00

Macwelt-Jahresrückblick

Das war 2012: Juni

WWDC 2012: iOS 6, Mountain Lion und neue Macbooks - Macbook Pro mit Retina Display +++ Microsoft stellt Surface vor +++ IPv6 offiziell gestartet +++ Seltener Apple I versteigert
Zum Auftakt der WWDC stellt Apple am 11. Juni nicht nur Neuerungen in iOS und OS X vor, sondern auch ein völlig neues Macbook Pro mit Retina Display. Die Macbook Pro und Macbook Air  bekommen Prozessor-Upgrades und neue Schnittstellen.
 
Die Keynote zur WWDC lässt Apple seinen Sprachassistenten beginnen: Siri macht ein paar Witze über anwesende Entwickler und Konkurrenzprodukte zu iOS, die ein wenig an die Karnevalszeit erinnern, das Publikum aber begeistern. Die eigentliche Präsentation leitet dann Apple-Chef Tim Cook selbst ein und begrüßt das Publikum zur bisher größten WWDC, die in ihre 23ste Ausgabe geht. Damit sei die Entwicklerkonferenz älter als "viele von Euch", wie Cook mit dem vorwiegend jungen Publikum kokettiert. Mehr als 100 Sessions werde die WWDC bieten, über 1.000 Apple-Ingenieure stehen den versammelten Programmierern mit Rat und Tat zur Seite -  für Entwickler viel besser als jeder Karneval. Als Apple wenige Wochen zuvor die Registrierung eröffnet hatte, war die WWDC innerhalb weniger Stunden ausverkauft.
Gerade die iOS-Plattform hat jede Menge neuer Entwickler angezogen, wie die eindrucksvollen Zahlen des App Store belegen, die Tim Cook präsentiert: 650.000 Apps stehen Anfang Juni dort zur Auswahl, davon 225.000 für das iPad optimierte. Insgesamt zählt der App Store nun 30 Milliarden Downloads, Apple hat an seine Entwicklergemeinde mehr als fünf Milliarden US-Dollar ausgezahlt. 400 Millionen Konten hat Apple im App Store registriert, in mehr als 120 Ländern ist der Laden aktiv, bis Monatsende kommen 30 weitere hinzu. Erfolgsgeschichten von Entwicklern erzählt Apple in einem aufwändig gestaltetem Video, als Dank an das im Moscone Center versammelte Publium, das den Erfolg der Plattform erst ermöglichte.
Apples Marketingchef Phil Schiller gebührt die Ehre, die Neuerungen bei der Hardware vorzustellen, lang erwartete Upgrades und eine große Neuerung. Kräftige Seitenhiebe auf die von Intel propagierte Ultrabook-Klasse teil Schiller dabei zunächst aus: Das Macbook Air hätten viele Konkurrenten zu kopieren versucht, doch dabei festgestellt, dass dies gar nicht so einfach sei. Mit dem neuen Macbook Air will Apple die Latte noch höher legen. Als CPU dienen wie erwartet die neuen Ivy-Bridge-Prozessoren von Intel, die bis zu 2.0 GHz schnell sein sollen in der i7-Auslegung. Eine weitere Neuerung ist USB 3.0, das USB 2.0 ablöst und bis zu 10fach höhere Datenübertragungsraten verspricht. Neben dem USB-Port baut Apple auch noch eine Thunderboltschnittstelle in das Macbook Air ein, der integreirte Grafikchip soll bis zu 60 Prozent besser sein. Die Facetime-Kamera ist die aktuelle Version, die auch im Macbook Pro eingebaut ist und HD-Video im Format 720p aufnehmen kann. Die 11-Zoll- und 13-Zoll-Modelle kosten zwischen 1049 und 1549 Euro.

Macbook Pro mit Ivy Bridge - und mit völlig neuer Generation

Aktualisiert hat Apple auch das Macbook Pro in seinen 13- und 15-Zoll-Ausgaben, dort lösen ebenfalls die Ivy-Bridge-Prozessoren die bisherigen CPUs ab, die Preise bleiben gleich. Die verbesserten, aber äußerlich unveränderten Macbook Pro kosten zwischen 1249 und 2279 Euro und sind als 13-Zoll- oder 15-Zoll-Modell mit Festplatte und optischem Laufwerk zu haben.
Spektakulär ist jedoch der Neuzugang der Macbook-Reihe, das neue Macbook Pro Retina Display, wie es offiziell heißt. Dank SSD und dem Verzciht auf ein optisches Laufwerk ist deutlich dünner geraten als das Macbook Pro - aber nicht in der Keilform des Macbook Air gehalten. Die Besonderheit des neuen Macbook Air ist aber das Retina-Display, das viele Experten im Vorfeld erwartet haben. Die mehr als fünf Millionen Pixel sollen laut Phil Schiller ein "absoluter Durchbruch" sein, das Lesen von Websites würde sich so anfühlen wie das gedruckter Zeitungen, Fotos kommen in einer nie gekannten Klarheit auf den Bildschirm. Das 15,4-Zoll-Modell kommt mit einer Auflösung von 2880 x 1800 Pixeln, was einer Dichte von 220 dpi entspricht. "das ist das beste Display, das wir je gemacht haben," jubelt Schiller: Besserer Kontrast, tiefere Schwärze. Das Display bleibt "glossy", Apple will jedoch die Reflektionen verringert haben. Um die Leistungsfähigkeit des Displays zu demonstrieren, hat Apple auch seine eigenen Anwendungen aktualisiert, Aperture kommt in einer völlig neuen Version, auch für Final Cut Pro X gibt es ein Update.  Doch auch andere Softwarehersteller haben bereits ihre Aufgaben gemacht, erklärt SChiller, Adobe mit Photoshop und Auto Desk mit Auto CAD.
Die weiteren technischen Daten des neuen Macbook Pro: Quad-Core-i7-Prozessoren mit bis zu 2,7 GHz (im Turbo Boost bis zu 3,2 GHz), Grafikkarte GeForce GT 650M, bis zu 768 GB SSD-Speicher, bis zu 16 GB RAM. Die Batterie soll bis zu sieben Stunden durchhalten, im Standby bis zu 30 Tage.
Das Macbook Pro Retina Display hat laut Apple aber noch mehr zu bieten: 802.11n Wi-Fi, Bluetooth 4.0. Facetime-HD-Kamera, zwei Mikrofone, ein USB-3.0-Port und ein HDMI-Ausgang, dazu einen (fast) geräuschlosen Lüfter. Das ab sofort erhältliche Macbook Pro ist aber icht gerade ein Schnäppchen. In der Ausführung mit i7-Prozessor, 8 GB RAM und 256 GB SSD-Speicher kostet es 2.200 US-Dollar.
Neues zu OS X Mountain Lion
200 neue Funktionen soll das neue OS X Mountain Lion enthalten, das Apple bereits im Februar erstmals zeigte, erklärt Apples OS-X-Spezialist Craig Federighi. Mittlerweile gibt es laut Federighi 66 Millionen Mac-Anwender, von OS X Lion hat Apple 26 Millionen Lizenzen verkauft. Was Mountain Lion neben den bereits bekannten Funktionen wie iMessage, Notizen oder Erinnerungen, die Mountain Lion bringen soll, fasst Federighi weitere Neuerungen kurz zusammen: Documents in the Cloud soll nun endlich mit Numbers, Pages und Keynote funktionieren, der Mac soll nun auch Diktate verstehen, Dokumente sollen sich leichter teilen lassen. Safari kennt nur noch ein Eingabefeld und zieht damit mit Firefox und Chrome gleich, die schon jetzt im Verlauf suchen oder Adresseingaben von Suchen unterscheiden können.
Das besondere an den Diktaten: Jede App, in der man tippen kann, versteht nun auch die Spracheingabe, auch die Software von Drittherstellern wie Microsoft Word. Auch systemweit ist das Sharing eingebaut: Aus jeder Anwendung heraus lassen sich so etwa schnelle Tweets erstellen oder Dokumente auf andere Weise teilen. Safari hat neben dem vereinheitlichten Suchfeld, das in Bookmarks, Verlauf und im Internet sucht auch die neue Funktion iCloud-Tabs zu bieten: Öffnet man darin eine Webseite, ist sie sofort auch auf allen mit dem Account verknüpften iOS-Geräten geöffnet. Mountain Lion versteht sich nun auch wie aktuelle iOS-Geräte auf das Airplay Mirroring, Macs können also ihren Bildschirminhalt etwa über Apple TV auf beliebige Bildschirme spiegeln. Das seit iOS 4 bekannte Gamecenter hält mit Mountain Lion nun auch auf dem Mac Einzug, dabei synchronisiert das Game Center sich über iOS- und OS-X-Geräte.
Mountain Lion wird ab Ende Juli über den Mac App Store zum Preis von 20 US-Dollar respektive 16 Euro erhältlich sein, ein einziger Einkauf gilt für alle der persönlichen Macs.

iOS 6 mit 200 Neuerungen

Scott Forstall erklärt in seinem letzten Auftritt bei einer Apple-Keynote die 200 Neuerungen des Betriebssystems für iPhone und iPad, iOS 6. Siri weiß nun auf mehr Fragen eine Antwort, etwa zu den letzten Ereignissen im US-Profisport wie Baseball oder Basketball. Siri kennt nicht nur aktuelle Ergebnisse, sondern auch Statistiken zu einzelnen Spielern. Siri kennt sich auch im Football aus und wie wir im Sommer mit Begeisterung feststellen, auch im Fußball. Dabei greift das iPhone auf eine Yahoo-Datenbank zurück, bis dato kennt sich Siri aber nur mit der Bundesliga aus und nicht mir den Spielklassen darunter, dem Europapokal und der Nationalmannschaft. Restaurants und das aktuelle Kinoprogramm steht nun auch auf Siris Programm. Die Erfahrung zeigt aber, dass Siri in der von Apple gedachten Qualität nur in den USA funktioniert. Besonders im Auto soll sich Siri als nützlich erweisen, zahlreiche Hersteller sollen sich verpflichtet haben, in den nächsten zwölf Monaten Siri in ihre System zu integrieren, so dass sich der Assistent mit einem Druck auf einen Knopf am Lenkrad starten lässt – General Motos geht mit der Marke Chevrolet im Dezember mit gutem Beispiel voran. Siri versteht sich nun auch auf eine handvoll neuer Sprachen wie das kanadische englisch (eh?), spanisch oder chinesisch. Apple heuer jedoch Spezialisten, um Siri mehr Idiome beizubringen.
iOS 6 integriert sich stärker mit Facebook, so kann man etwa Facebook-Events mit dem Kalender abgleichen oder sehen, welche Apps und Musik die Facebook-Freunde mögen. Praktisch sind auch automatisierte Rückrufe oder Erinnerungen (Do not disturb): Das iPhone lässt sich etwa für Meetiungs stummschalten und erinnert den Nutzer nach dem festgelegten Zeitraum an einen Rückruf. Optional sendet das iPhone auch eine automatische Textnachricht an den Anrufer mit der Information über die Abwesenheitszeiten.
Mobile Safari bekommt in iOS 6 ebenso die iCloud Tabs, die mit dem Safari auf dem Mac synchronisieren, Smart Banners verweisen Surfer auf eine eventuell vorhandene App des Sitebetreibers oder schicken den Nutzer gleich in die App, so sie bereits installiert ist. Fotostrams lassen sich nun mit anderen teilen, Apple schafft damit eine Alternative zu den verloren gegangene Mobile-Me-Galerien. Mail schickt nun neue Nachrichten von "VIPs" auf den Lockscreen.
Eine völlig neue App verspricht Apple mit Passbook, das Tickets diverser Anbieter an einem Aufbewahrungsort versammelt, etwa Eintrittskarten fürs Kino, Restaurantgutscheine oder Fahrscheine und Flugtickets. Diese reagieren auf den Ort oder ändern sich mit der Zeit, so erscheint etwa der Starbucks-Gutschein auf dem Lock-Screen, betritt man eine Filiale der Kaffeekette. Boarding-Tickets informieren über geänderte Abflugzeiten oder Gates. Eine neue Funktion lässt nun das iOS-Gerät sich auf eine App beschränken, das ist etwa sinnvoll, wollen Schulen auf dem iPad Prüfungen durchführen.
Wie im Vorfeld erwartet, beendet Apple die Kooperation mit dem Kartendienst von Google und setzt eine neue Maps-App ein. Diese habe man von Grund auf selbst gebaut, erklärt Scott Forstall uind dabei großen Wert auf lokale Suche und Verkehrsinformationen gelegt. Was etlichen Drittanbietern überhaupt nicht schmecken wird: Die neue App Maps beherrscht von sich aus die Routenplanung mit "turn-by-turn"-Anweisugen. 3D-Ansichten, wie sie Google in der Woche zuvor vorgestellt hat, beherrscht Maps auch, wie Scott Forstall etwa an der Transamerica-Pyramide in San Francisco oder der Oper in Sydney zeigt. "Flyover" sei kein Film, sondern werde live gerendert. Apple hat Maps womöglich aber zu früh veröffentlicht, die Karten-App erweist sich als fehlerhaft. Den Sturm der Entrüstung kontert Apple-CEO Tim Cook mit einer Entschuldigung in Form eines offenen Briefes. Dass Forstall diesen angeblich nicht mit unterzeichnen will, kostet ihn im Oktober den Job.
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