874354

Macwelt-Prognose zu Apples wirtschaftlicher Entwicklung

17.10.2000 | 00:00 Uhr |

Morgen wird Apple die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres veröffentlichen. Nach der Gewinnwarnung vom 28. September darf man gespannt die Entwicklung des Mac-Herstellers abwarten.

Kaum erlebte Apple nach Jahren voller Krisen und Sorgen einen Höhenflug an der Börse, geht es auch schon wieder bergab. Der Grund: Viele Analysten misstrauen dem Comeback des Macintosh-Herstellers. Zu Recht meinen sie jetzt, nachdem Apple am 28. September eine Gewinnwarnung veröffentlichte und den Profit um satte 33 Prozent nach unten korrigiert hatten. Auch der Umsatz soll zwischen sechs und neun Prozent unter dem angestrebten Ziel liegen. Die Folge: Innerhalb weniger Tage fiel die Apple-Aktie von 53 auf rund 20 US-Dollar.

Bei der Ursachenforschung tut sich Apple jedoch schwer. So meint Apples Finanzchef (CFO) Fred Anderson dass vor allem die Verkäufe in den Schulbereich und die internationalen Absätze im September hinter den Erwartungen zurück geblieben sind. Außerdem, so Anderson gegenüber der Presse, hätte sich der neu eingeführte Power Mac G4 Cube nicht wunschgemäß verkauft. Apples Deutschland Pressesprecher, Georg Albrecht, fügte in einem Macwelt-Interview hinzu, dass die Kurse der amerikanischen High-tech-Aktien, die am NASDAQ notiert sind, in "diesen Tagen einem Roulette-Spiel gleichen, zu dem keinerlei vernünftige Aussagen gemacht werden können. Die Gewinnwarnung von Apple hat viele Akionäre zu dieser Reaktion veranlasst, die wir für überzogen halten". Albrecht geht davon aus, dass sich das Apple-Papier wieder erholen wird.

Die Folgen: Wird sich die Gewinnwarnung als wahr erweisen, schmilzt Apples Quartalsgewinn von geplanten 160 Millionen auf rund 110 Millionen US-Dollars. Steve Jobs gab darüber hinaus bekannt, dass sein Unternehmen für die folgenden Quartale die Erwartungen zurückschraubt. Noch ist nicht absehbar, ob die Sparmaßnahmen die der Apple-Chef gleichzeitig verordnet hat, schmerzhaft sein werden. So gibt es nicht nur einen Einstellungsstopp, sondern auch neue Prioritäten bei der Produktentwicklung. Damit könnten andere strategische Produktbereiche, wie etwa ein PDA oder Apple Konsolen, erst mal auf die lange Bank geschoben werden und Jobs tut, was er ohnehin am besten kann: Apples komplexe Strukturen neu ausrichten und die Unternehmensziele wieder stärker zu fokusieren.

Apple aus der Analysten-Brille

Auf der anderen Seite melden sich bereits Analysten zu Wort, die Apples Gewinnwarnung als etwas übertrieben sehen. Dennoch sollte man Apples Gewinnwarnung ernst nehmen. Während das Unternehmen im Vorquartal noch einen Gewinn von 45 Cents pro Aktie präsentieren konnte, sollen es heuer nur noch 31 Cents sein. Die Bänker gehen davon aus, dass sich der Aktienkurs bereits vor der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse am 18. Oktober wieder leicht nach oben orientieren wird. Dementsprechend empfehlen sechs Broker stark zum Kauf der Apple-Papiere, vier geben eine normale Kaufempfehlung aus und neun Aktienhändler raten zum Halten der Aktie. Positiv: Keiner rät zum Verkauf.

Langfristig wird Apple jedoch ein hartes Jahr prognostiziert. Während der Computer-Hersteller bis zum September 2000 mit einem Gewinnwachstum zum Vorjahr von rund 33 Prozent aufwachsen konnte, bleiben die Analysten skeptisch. Der Gewinn wird sich im kommenden Geschäftsjahr nach ihrer Prognose nur noch um rund fünf Prozent steigern lassen. Für die nächsten fünf Jahre etwa um 17 Prozent. Die Konsequenz: Nachdem Apple im letzten Jahr mehr Marktanteile gewinnen konnte, könnte das Unternehmen in den nächsten Monaten und Jahren im Kampf um die Wachstumsraten wieder hinter die PC-Konkurrenz zurückfallen. Dort geht man von einem stetigen Gewinnwachstum von rund 26 Prozent aus.

Fazit: Apple muss sich keine Sorgen machen. Auch wenn die Quartalsergebnisse bei rund 33 Cent Gewinn pro Aktie nicht gerade optimal sind, steht das Unternehmen finanziell gut da. Die Kasse ist mit rund 4 Milliarden US-Dollar gut gefüllt und mit Mac-OS X könnten für den Mac-Hersteller im nächsten Jahr auch andere Zeiten anbrechen.

Martin Stein

0 Kommentare zu diesem Artikel
874354