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Macworld Expo Tokyo: Entspannte Erwartung

19.03.2002 | 16:13 Uhr |

Keine neue Hardware in Tokyo - Apple dämpft im Vorfeld der Macworld Expo die Erwartungen. Potential für Überraschungen bleibt wenig.

München/Macwelt - In der Regel kochen die Gerüchteküchen vor Mac-Messen über. Um die Erwartugnen selbst zu dämpfen, hat Apple aber schon im Vorfeld der Macworld Expo in Tokyo angekündigt, in Japan keine neue Hardware zu präsentieren. Zwar wird Apple-CEO Steve Jobs höchstselbst am Donerstag um 9.30 Uhr Ortszeit (1.30 Uhr MEZ) die Messe mit einer Keynote eröffnen, der übliche Hype um die Ansprache ist im Vorfeld ausgeblieben. Weder wird Apple die Veranstaltung per Quicktime-Streaming im Internet übertragen, noch ist von einer weltweiten Satelliten-Übertragung die Rede.

Schon Mitte Februar hatte Apples leitender Direktor für das Marketing der Hardware-Produkte Greg Joswiak unserer US-Schwester Maccentral gegenüber Spekulationen über neue Hardwarepremieren in Japan eine Absage erteilt: "Wir planen, keine neuen CPUs auf der Macworld Expo in Tokyo vorzustellen. In der Tat haben wir uns jetzt für die nächsten paar Monate aufgestellt." Gedanken an weitere neue Produkte seien "unsinnig", nachdem Apple in "allen vier Quadranten" seiner Hardware-Matrix erst kürzlich Neuerungen brachte.

Was wird also Steve Jobs während seiner Keynote erzählen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei Joswiaks Absage an neue Hardware nicht nur um eine Beruhigungspille, die man der allzeit fiebernden Mac-Gemeinde verpassen will, sondern wohl schlicht um die Wahrheit. In den letzten beiden Jahren hatte Apple weder Kosten noch Mühen gescheut, die Auftaktveranstaltung der Macworld Expo Tokyo einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit dem Powerbook G3/Firewire (2000) und den gescheckten iMacs (2001) hatte Jobs jeweils Hardware zu präsentieren gehabt. In diesem Jahr findet zwar die Keynote keineswegs unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, doch eine Satelliten gestützte Übertragung erspart sich der Mac-Hersteller.

Optimisten unter den Auguren haben Joswiaks Aussage derart interpretiert, dass "keine neue Hardware" nicht unbedingt Verbesserungen und Erweiterungen der bestehenden Produkte ausschließen würde. Doch denkt man an die gesapnnte Erwartung, die Apple selbst im Vorfeld der iPod-Vorstellung geschürt hat und betrachtet man das Schweigen dieses März, so dürfte man auch auf einen iPod mit 10-GB- oder gar 20-GB-Festplatte am Donnerstag zu früher Stunde vergeblich warten. Auch eine spektakuläre Verbesserung der Powerbooks G4, mittlerweile die älteste Baureihe im Produktportfolio des Mac-Herstellers (von den Restbeständen des CRT-iMac ausgenommen), scheint in dem Zusammenhang unwahrscheinlich. Zuletzt waren etwa Anwender-Wümsche laut geworden, an das "TiBook" einen zweiten Monitor anschließen zu können, der das Bildsignal nicht nur spiegelt. Der deutsche Grafikkartenhersteller Villagetronic bietet mit der VTBookDD eine Lösung, die auf den Erweiterungschacht des Powerbooks zurückgreift. Aber selbst ein bloßer Speedbump sollte für Apple Anlass genug sein, mehr Aufmerksamkeit auf die Macworld Expo Tokyo lenken zu wollen. Schnellere Prozessoren werden Apples Powerbooks womöglich im Vorfeld der im Mai abgehaltenen WWDC bekommen.

Keine neue Hardware in Tokyo also. Auf der Softwareseite hingegen hätte Steve Jobs durchaus etwas zu zeigen. Letzte Woche hatte der Mac-Hersteller eine neue Fernwartungssoftware für Mac-OS X angekündigt, Apple Remote Desktop wird Steve Jobs sicherlich einige Zeit seiens Vortrags widmen. Wie weit Jobs nun auch die Zeiger auf seiner den Umstieg auf Mac-OS X versinnbildlichenden Uhr vorgerückt sieht, könnte ein wichtiger Aspekt seiner Ansprache werden. Seit der letzten Macworld Expo in San Francisco ist mit Photoshop 7 immerhin ein weiterer Meilenstein auf dem Weg in die Betriebssystemzukunft gesetzt. Ob Jobs die Migration als vollendet ansieht oder gar einen Ausblick auf die nächste Entwicklungsstufe von Mac-OS X gewährt, bleibt abzuwarten. Aus Entwicklerkreisen war bisher nichts über Mac-OS X 10.2 oder gar Mac-OS X 10.5 zu hören, doch bevor Steve Jobs im vergangenen Juli auf der Macworld Expo in New York erstmals Mac-OS X 10.1 vorführte, hatte Apples weltweite Entwicklergemeinde ADC auch noch nichts vom "Puma" zu sehen bekommen.

Im Wesentlichen, so die Macwelt-Prognose, wird Steve Jobs am Donnerstag in Tokyo die Keynote von San Francisco wiederholen, mit etwas weniger Gastrednern und einer veränderten Dramaturgie. War das Ereignis von vor zehneinhalb Wochen auf die Premiere des iMac zugespitzt, könnte der All-in-one-Rechner in Tokyo das erste Thema auf der Agenda sein. Wie die Gerüchteseite Think Secret aus Apple nahen Quellen erfahren haben will, hat Steve Jobs vor, auf die Produktions- und Lieferschwierigkeiten des iMac G4 einzugehen. Genaueres wissen die Auguren von Think Secret nicht zu berichten, der Server www.thinksecret.com ist derzeit nicht zu erreichen. Ein klares Wort über Produktionsrückstände und Apples Bemühungen die hohe Nachfrage nach dem neuen iMac zu befriedigen, wäre in jedem Fall wünschenswert. Zu unterschiedlich sind in den letzten Wochen die Bewertungen der Analysten ausgefallen. Steve Fortuna von Merril Lynch hatte Ende Februar etwa behauptet, die iMac-Manufaktur in Taiwan hätten bis dahin höchstens 15.000 Geräte verlassen. Der Lehmann-Brothers-Analyst Dan Niles gab jedoch gestern der Cnet-Seite news.com zu Protokoll, dass Apple seine Produktionsprobleme überwunden hätte und der Hoffnung Ausdruck, dass der Mac-Hersteller im folgenden Quartal den Backlog ausgleichen und eine weiterhin hohe Nachfrage befriedigen könne.

Wie auch immer: Ob aus dem fernen Osten nicht Neues zu berichten sein oder Steve Jobs die Mac-Gemeinde erneut überraschen wird, das Wichtigste zur Macworld Expo Tokyo lesen Sie im Macwelt-Morgenmagazin am Donnerstag ab etwa 8 Uhr. pm

Info: Macworld Expo Tokyo

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