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Macworld Expo im Blick der Presse

08.01.2004 | 13:20 Uhr |

Die Mac-Szene hat Steve Jobs Keynote eher zurückhaltend aufgenommen. Im iLife-Rausch ist jedoch einiges Wesentliche untergegangen.

Eher zurückhaltend waren schon die Publikumsreaktionen während der Jobs-Keynote am Dienstag, besonders schweigsam nahm das Auditorium den Preis für den iPod mini auf.
Auch der Blick in den Blätterwald enthüllt, dass sich nicht nur Fans für die Macworld Expo San Francisco 2004 mehr ausgerechnet hatten.

Warum bei nüchterner Betrachtung der Unmut der Mac-Gemeinde sich in den nächsten Tagen und Wochen wieder abschwächen sollte, erklärt unsere Schwesterzeitschrift Computerwoche :

Aus Sicht vieler Mac-Enthusiasten war die gestrige Eröffnungsansprache von Steve Jobs zur Macworld Conference & Expo in San Francisco eine herbe Enttäuschung, denn allzu viele Bahn brechende Neuheiten hatte der Apple-CEO nicht im Gepäck. Aber man sollte die Kirche auch im Dorf lassen - im Prinzip hatte der Hersteller aus Cupertino ja praktisch sein komplettes Hard- und Softwareportfolio erst kurz vor der Messe erneuert und ließ damit wenig Raum für Sensationen.

Dem iPod mini räumen unsere Kollegen jedoch vor allen Dingen in Europa wenig Chancen ein:

Hierzulande soll das Gerät ab April für voraussichtlich 299 Euro erhältlich sein. Dieser Preis hat bereits für erhebliche Aufregung gesorgt: In den USA kostet der iPod mini nämlich nur 249 Dollar, und angesichts des aktuellen Wechselkurses stellen 299 Euro einen nicht zu rechtfertigenden deftigen Aufschlag dar. Da mag so mancher eher zum neuen Einsteigermodell des normalen iPod greifen. Das kostet nämlich mit 349 Euro nur einen Fünfziger mehr und bietet dafür neuerdings 15 statt zuvor 10 GB Speicherplatz für Musik und sonstige Daten.


Die Süddeutsche Zeitung schlägt in die gleiche Kerbe und gibt der Enttäuschung der Mac-Gemeinde über den Maxi-Preis des Mini in der Zwischenüberschrift "Kein Volks-iPod" Ausdruck:

Immerhin kostet er 249 Dollar, Europäer müssen sogar 299 Euro dafür hinblättern. Beim Design dürfte Apple der Konkurrenz deutlich voraus sein, beim Preis kann sie mithalten: Konkurrent Rio hat am selben Tag ein ebenfalls 249 Dollar teures Modell mit der gleichen Kapazität vorgestellt.[...]Wer allerdings auf neue Computermodelle oder Verbesserungen bei den alten gehofft hatte, wurde enttäuscht: Apple hat nur die Server und Speichersysteme für Unternehmen aufgemotzt, für den normalen Macfan gab es abgesehen von Software nichts Neues.


Leicht spöttisch begrüßt die Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" das neue Mitglied der iPod-Familie, die Überschrift " Viele bunte kleine iPods " erinnert subtil an den Werbeslogan, der Schokolinsen für Kinder populär gemacht hat. Dabei ignoriert spiegel.de in seiner Einschätzung, Apple würde im versprochenen "großartigen Mac-Jahr" "voll und ganz auf Unterhaltung setzen", dass der Mac-Hersteller nach wie vor auch den Unternehmensmarkt im Visier hat. Xserve G5 und Xserve RAID G5 sind den Kollegen von der Brandstwiete jedoch keine Erwähnung wert. Immerhin attestiert Spiegel Online dem Apple-CEO und seiner Keynote einen gewissen Unterhaltungswert, nicht ohne eine Erwartungshaltung durchblicken zu lassen, die Apple wohl nie zu erfüllen gedachte:

Geschlagene zweieinhalb Stunden hat der Unterhaltungskünstler mit dem schwarzen Rolli mal wieder gesprochen - und trotz nur wenigen wirklichen Highlights kaum Langeweile im Moscone Center aufkommen lassen. So ist er eben, der Herr des Apfels, der dieser Tage nicht nur auf eines der erfolgreichsten Jahre in der Apple-Firmengeschichte zurückblicken, sondern gleichzeitig Jubiläum feiern kann: Der Macintosh wird 20 Jahre alt. Auf einen Geburtstags-Mac sollten die Apple-Fans dennoch vergebens warten.

Der Beobachter in Hamburg scheint sich jedoch nicht ständig amüsiert zu haben, laut unserem :Live-Protokoll hat Steve Jobs nur gut zwei Stunden gesprochen, die vom Spiegel zusätzlich gemessene halbe Stunde mag wohl aus einer subjektiven Langeweile entsprungen sein...

Weniger auf den für Consumer wichtigen Teil der Keynote hat jedoch News.com geachtet, das seine Expo-Berichterstattung unter den Schwerpunkt Computer-Cluster stellt. Einen überraschenden Sprung in die Welt der Grids habe Apple im vergangenen Jahr getan, als die Technische Universität von Virginia 1.100 Rechner zu einem Power-Mac-G5-Cluster zusammengebaut habe. Apple das sich auch in seinen kühnsten Träumen nicht als "high-performance computing giant" sehe, arbeite jedoch an den nächsten Schritten:

Apple macht es jetzt einfacher, Cluster zusammenzustellen. Die Firma hat am Dienstag in aller Stille eine Testversion eines Programms Xgrid angekündigt, die wesentlich einfacher Cluster zusammenzustellen erlaubt. Die Software haben schon NASA, Genentech, die Simon Fraser University, das Reed College und Virginia Tech im Test.

Apple mache sich jedoch keine Illusionen: "Wir waren sehr bescheiden, als wir den Xserve herausbrachten, das sind wir immer noch", zitiert die Nachrichtensite Apples Xserve-Produktmanager Alex Grossmann. IDC-Analyst Jean Bozman sieht keine spektakulären Aussichten für den Xserve. Mit dem Rack-Server halte Apple lediglich seinen marginalen Marktanteil, was auch Grossmann bestätigt, der den Xserve als perfekt für Schulen, Grafik- und Designstudios und den Videomarkt ansieht. Dennoch fasse Apple almmählich neue Märkte ins Visier, besonders für die Biotechnologie interessiere sich die Jobs-Company.

Dazu müsse sie Xserve und Xserve-RAID jedoch wesentlich besser promoten, kritisiert Business 2.0

Apples neue Server könnten für Aufregung in den Rechenzentren sorgen. Doch dazu muss die innovative Company erst lernen, Hard-Core-Tech zu sprechen.

Leiter von Rechenzentren interessieren sich nicht für bunte iPods, dass Steve Jobs bei seiner kurzen Vorstellung der technischen Features des Xserve hingegen eingestehen musste, nicht über die Details bescheid zu wissen, sei eher peinlich.

Drei Highlights der Keynote beweisen in den Augen von Fortune -Autor Peter Lewis, dass Apple trotz seiner nicht einmal fünf Prozent Marktanteil der wichtigste Innovator der Computerindustrie sei.
"Jetzt kann sich jeder einen leisten", scherzte Jobs ob des nur fünf Millionen Dollar teuren Supercomputers von Virginia Tech. Abseits des Witzes meint jedoch Lewis:
Obwohl Verbraucher wohl kaum sich für den Supercluster erwärmen werden, kann dieser einen enormen Einfluss auf die Wissenschaft und Großunternehmen haben.
Den "Star der Show" sah jedoch Lewis in Garagenband, "außer, man beschäftigt sich mit Supercomputern."

Garageband scheint ein besseres Musikproduktionsprogramm zu sein, als ich es je für den PC gesehen habe. [...] Ich kann nach meinen ersten Eindrücken gewiss sagen, es handelt sich hier um das beste Programm da bisher für Musikinteressierte erfunden wurde.

Zweifel an Apples Rechenkünsten beschleicht Lewis jedoch beim Blick auf den iPod mini, vergleicht man ihn mit dem 15 GB fassenden Modell im größeren Formfaktor:

20 Prozent Preisreduzierung und eine 70prozentige Reduzierung der Kapazität. Hmm. In einem Interview nach der Keynote rechtfertigte Steve Jobs den Preis mit dem Marketigansatz, den iPod mini gegen die High-end-Flash-Player zu positionieren. [...] "Für 50 Dollar extra, bekommt man so viel mehr." - "Für [weitere] 50 Dollar mehr, bekommt man mit dem iPod 15 GB so viel mehr.", konterte ich. "Wir wären sehr erfreut, Leuten einen iPod zu verkaufen, wenn sie das machen wollten." Abgesehen von einem Test, der ein anderes Ergebnis erbringen könnte, würde ich jedoch sagen, dass 199 Dollar ein angemessener Preis wären.

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