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Menschenjagd im Internet vorbei

22.08.2000 | 00:00 Uhr |

Die weltweit erste Menschenjagd gegen Geld im
Internet und auf der Straße ist am Montag in Berlin vorzeitig zu Ende
gegangen: Der so genannte «Reality Runner» wurde von einer 25-
jährigen Journalistin erkannt und geschnappt, wie die Veranstalter
mitteilten. Damit ist der «RealityRun» für Deutschland bereits acht
Tage nach dem Start zu Ende.

Ziel des Spiels war es, 24 Tage rund um die Uhr den «Runner»,
einen Holländer namens Roger, übers weltweite Netz oder zu Fuß in der
Hauptstadt zu jagen. Die Hatz war am vergangenen Montag unter großem
Medieninteresse gestartet. Kritik an dem Spektakel hatten die
Veranstalter zurückgewiesen und die Jagd gegen Geld mit dem normalen
Versteckspiel verglichen.

Die Reporterin der «Bild»-Zeitung habe dem «Runner» in der
Staatsbibliothek am Potsdamer Platz aufgelauert und ihn erkannt,
sagte ein Sprecher des Veranstalters der dpa. Roger war dort, um die
Aufgabe zu lösen, die dem «Runner» täglich gestellt wird. In diesem
Fall sollte er die Bücher eines Regals zählen und die Zahl an die
Spielleitung weitergeben. Die Tagesaufgabe war jeweils im Internet zu
lesen.

Der stellvertretende Chef der Berliner «Bild»-Regionalredaktion,
Karsten Witzmann, sagte der dpa, der Fang sei ein Zufall gewesen. Die
Journalistin sei losgeschickt worden, um eine Reportage über das
Spiel zu machen. Dabei sei nicht abzusehen gewesen, dass sie dem
«Runner» wirklich auf die Schliche komme.

Die Reporterin Jelena Nikolic sagte der dpa, sie habe «schon am
Morgen Jagdfieber» gehabt. Roger zu schnappen sei ein «mordsmäßiger
Kick» gewesen. Den «Runner» habe sie daran erkennt, dass er total
verkabelt gewesen sei. «Ich habe für meine Geschichte dort viele
Hunter interviewt, die ihn erwischen wollten. Wir wollten ihn alle
erwischen. Dann ist er mir in die Arme gelaufen.» Das Kopfgeld in
Höhe von 10 000 Dollar (knapp 22 000 Mark) werde an die Aktion «Ein
Herz für Kinder» gespendet, da sie im Auftrag der Zeitung unterwegs
gewesen sei.

Der Sprecher der ExtraMile AG, die die Jagd veranstaltet hatte,
sagte, Roger habe nicht damit gerechnet, dass ihn jemand in diesem
Moment finde. Er sei aber nicht traurig, sondern «sehr gefasst».

Der «Runner» musste täglich Aufgaben lösen und hatte weder Wohnung
noch Ausrüstung, lediglich 2 500 Dollar Startgeld. Hinweise auf seine
Aufenthaltsorte und ihn wurden ins Internet gestellt. Stellvertretend
für die Internet-Nutzer, die nicht vor Ort sind und über das Netz
Hinweise gaben, wurde der Runner von einem Kopfjäger namens «Jack
Black» gejagt (www.realityrun.com). Nach Angaben der Veranstalter
soll der «Reality Run» nun in einer anderen Stadt weitergehen - die
Internet-Nutzer könnten nun über Wien, Amsterdam oder Melbourne
abstimmen. Wann die Jagd weitergehe, sei derzeit unklar.
dpa

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