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Metabox muss Bilanz korrigieren

04.12.2000 | 00:00 Uhr |

München/Computerwoche - Heute ist ein rabenschwarzer Tag für die auf Settop-Boxen für interaktiver Fernsehen spezialisierte Hildesheimer Met@box AG. In einer Adhoc-Meldung teilte das Unternehmen gestern am späten Abend mit, dass seine Jahresbilanz für 1999 revidiert werden muss. Grund: Man hatte die Ergebnisse aller im Jahr 1999 übernommenen Firmen für das volle Kalenderjahr und nicht wie vorgeschrieben erst ab dem Zeitpunkt der Übernahme konsolidiert. Entdeckt wurde das Debakel im Rahmen der Vorprüfung für den diesjährigen Jahresabschluss durch den (neuen) Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen.

Besonders massiv wirkt sich dies bei der erst am 6. Dezember 1999 akquirierten Amstrad Distribution GmbH aus, deren Umsatz von 24,2 Millionen Mark einfach mitgerechnet wurde. Genauso schlampig verfuhren Met@box und deren damaliger Wirtschaftsprüfer, die Kanzlei Möller und Partner GbR aus Göttingen, mit den übrigen gekauften Firmen. Bei korrekter Bilanzierung liest sich das 1999er Ergebnis nun reichlich erschreckend: Von den ursprünglich ausgewiesenen Einnahmen in Höhe von 42,9 Millionen Mark bleiben nach der Korrektur nur noch 17,5 Millionen Mark übrig; der Jahresfehlbetrag verringert sich allerdings um 132.000 auf 5,5 Millionen Mark. Met@box-Chef Stefan Domeyer erklärte dazu in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz: "Das war ein reiner Konsolidierungsfehler, für den wir die Verantwortung übernehmen und uns absolut entschuldigen müssen."

Doch damit nicht genug: Für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres meldet Met@box 32 Millionen Mark Umsatz und einen Verlust von elf Millionen Mark. Das Minus begründet der Hersteller mit dem hohen Entwicklungsaufwand für die "komplett neue Produktgeneration" der "met@boxen 1000" und "2000" ("Phoenix"). Diese Geräte kann Met@box nun leider nicht wie ursprünglich geplant (und im September nochmals bekräftigt) noch in diesem Jahr ausliefern, sondern erst im ersten Quartal kommenden Jahres. Domeyer versicherte, die Phoenix-Produktion werde in den kommenden Wochen bei "einem großen deutschen Hersteller" beginnen - dies sei das entscheidendste Ereignis der bisherigen Unternehmensgeschichte. Deswegen halten die Hildesheimer weiter an ihrer äußerst ambitionierten Prognose von 600 Millionen Mark Umsatz und 33 Millionen Mark Gewinn im Jahr 2001 fest.

Erst vor zwei Tagen hatte Met@box einen Großauftrag über 100.000 Settop-Boxen aus Großbritannien verkündet, allerdings den Auftraggeber wegen einer so genannten Quiet Period nicht preisgeben wollen (Computerwoche online berichtete). Vor dem Hintergrund der gestrigen Hiobsbotschaft erscheint diese Erfolgsmeldung, die auch den Aktienkurs kurzfristig hatte steigen lassen, mehr als dubios.

Heute jedenfalls ging es erst einmal mächtig bergab mit der Met@box-Aktie: Im frühbörslichen Handel verlor das Papier um knapp 14 Prozent und notierte gegen zehn Uhr bei 5,30 Euro (amtlicher Schlusskurs vom Donnerstag: 6,00 Euro). Anschließend erholte sich der Kurs wieder und stand gegen 17.30 Uhr sogar über dem des Vortages.

Bleibt zu hoffen, dass Metabox dem Mac-Markt erhalten bleibt, ist das Unternehmen bis dato doch einziger deutscher Entwickler von Prozessorkarten für den Mac. Aktuell gibt es die Joecards für Power Mac G3 und G4 sowie in den Reihen Joecard Z und Joecard T. CW/mbi

Info: Computerwoche . Info: Metabox

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