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Metabox schockt Börse

28.09.2000 | 00:00 Uhr |

Das Hildesheimer Multimedia-Unternehmen Metabox AG verprellt seine Anleger weiter. Nach einer überraschenden Verlustmeldung am Donnerstag rauschte der Aktienkurs am Neuen Markt bis zum Mittag um fast 50 Prozent auf nur noch rund 7,40 Euro in den Keller.

Vorstands-Chef Stefan Domeyer hatte noch vor wenigen Tagen Gewinne in Aussicht gestellt, nun aber doch Verluste angekündigt. Der Metabox-Kurs hat seit dem Höchststand im Juli von fast 46 Euro damit schon mehr als 80 Prozent verloren.

Statt der angestrebten Erlöse in Höhe von 198 Millionen Mark könne für 2000 nun lediglich mit 70 Millionen Mark gerechnet werden, hieß es in einer Mitteilung. Außerdem erwarte Metabox einen Verlust von 15 Millionen Mark statt eines versprochenen Gewinns von 14 Millionen Mark. Grund für die veränderte Lage seien Software-Probleme bei der Herstellung so genannter Set-Top-Boxen zum Internetempfang über das Fernsehen.

Ein vor Monaten vermeldeter Großauftrag im Volumen von fast zwei Milliarden Mark könne deshalb erst von 2001 an realisiert werden. Die Panne bei der Produktion begründete Vorstand Domeyer auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Frankfurt mit der "Komplexität" der Technologie. Die Serienproduktion sei jedoch vorbereitet und solle im Dezember beginnen. Für 2001 rechne Metabox weiter mit einem Umsatz von 600 Millionen Mark.

"Wir wissen, dass dies nicht auf den Beifall der Finanzwelt stoßen kann", sagte Domeyer nach der Hiobsbotschaft für die Börse. Anleger und Banken bezweifeln, ob der vermeintliche Großauftrag überhaupt existiert. Seit Wochen verlangen sie deshalb von Domeyer die Namen der Auftraggeber.

Doch auch am Donnerstag verwies er auf eine angebliche Stillschweige-Vereinbarung mit den Kunden. "Wir haben keine Unwahrheiten verbreitet - höchstens unangenehme Fakten." dpa/ab

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