888056

Metabox steht vor entscheidender Hauptversammlung

26.10.2001 | 00:00 Uhr |

Metabox-Sprecherin Melanie Hoffmann kann es nicht mehr hören. Immer wieder wird sie gefragt, ob die zweite Hauptversammlung des am Neuen Markt dümpelnden Hildesheimer Multimedia-Unternehmens am kommenden Dienstag nicht auch die letzte ist. «Da ist so ein negativer Unterton drin. Wir sitzen hier noch relativ optimistisch." Optimismus scheint bei der Metabox AG auch dringend geboten. Wenn bis zur Hauptversammlung nicht 7 Millionen DM (3,58 Mio Euro) aufgetrieben sind, wird das Insolvenzverfahren unweigerlich eröffnet. Noch haben die laufenden Verhandlungen mit Geldgebern nach Hoffmanns Worten zu keinem Ergebnis geführt.

Bei Vorlage der Bilanz für das Jahr 2000 Anfang der Woche - mit fast sechs Monaten Verspätung - hatten der neue Vorstandschef Herbert Steinhauer und der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Graaff deutlich gemacht, wie sehr dem ehemaligen Shooting Star am Neuen Markt das Wasser zum Halse steht. Kommt das Geld bis zum Dienstag tatsächlich zusammen, werden danach weitere 10 Millionen DM nötigt, damit das Geschäft mit den Settop-Boxen für die Internetnutzung via TV-Gerät weiterlaufen kann.

Im Gegensatz zum Aktienkurs - von ehemals 42,20 Euro im Juli 2000 auf weniger als 60 Cent - haben die schlechten Nachrichten bei Metabox Hochkonjunktur. Zunächst leitet die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Unternehmensgründer Stefan Domeyer ein. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, ob falsche Mitteilungen an den Kapitalmarkt gingen, indem Absichtserklärungen aus dem Ausland als Verträge ausgegeben wurden. Die Ermittlungen laufen noch. Dann verweigerten im April die Wirtschaftsprüfer von Athur Andersen ihr Testat unter der 2000er-Bilanz, die schließlich im Oktober vorgelegt wurde. Die Prüfer haben nach wie vor neun Kritikpunkte. Abschließend heißt es: "Der Lagebericht gibt daher insgesamt keine zutreffende Vorstellung von der Lage der Gesellschaft und stellt die Risiken der künftigen Entwicklung nicht vollständig dar."

Am 22. Mai kam dann der Insolvenzantrag. Während der Rettung tauchten potenzielle Investoren auf, sprangen aber wieder ab. Dringend benötigte 2 Millionen DM kamen schließlich doch in letzter Minute zusammen, der Konkursrichter ließ sich bis zum Termin der Hauptversammlung vertrösten. Zu guter Letzt zeigte sich dann, dass der 2000er-Verlust mit 39,7 Millionen DM deutlich höher war als zunächst mitgeteilt - unterschiedliche Bilanzierungsmethoden wurden als Grund genannt.

Die Rettung soll jetzt unter anderem eine Kapitalerhöhung bringen. Die Aktionäre sollen dem Vorschlag zustimmen, bis Oktober 2006 das Grundkapital von derzeit 15,4 Millionen Euro durch Ausgabe neuer Aktien gegen Bar- oder Sacheinlagen einmalig oder mehrmals um bis zu insgesamt 7,7 Millionen Euro zu erhöhen. "Die Gesellschaft befindet sich derzeit in einer schwierigen finanziellen Lage", heißt es in der Erklärung des Vorstandes.

Karl-Heinz Jäger aus Hitzacker, Gründer der Aktionärsgemeinschaft und Kandidat für ein Aufsichtsratsmandat, sieht die Entwicklungen gelassen. "Ich habe die Hoffnung, dass Metabox die Insolvenz abwenden kann." Er geht davon aus, dass die Verhandlungen des Vorstandes fruchten und das Geld aufgetrieben werden kann. "Das hat schon im August geklappt und damals sah es schlechter aus." Ohnehin hätten die Aktionäre kaum eine Wahl. "Die meisten, die in die Aktien investierten, haben einen Buchverlust von mehr als 80 Prozent. Was soll man also machen? Entweder Hop oder Top." dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
888056