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Microsoft.Net lässt auf sich warten

26.06.2000 | 00:00 Uhr |

Die neue Internet-Strategie «Microsoft.NET» wird
sich nach Ansicht von Unternehmens-Chef Steve Ballmer erst in drei
Jahren maßgeblich beim Umsatz des weltgrößten Software-Konzern
auswirken. «Wir haben begeisterte Jungs aus unserer Entwicklung, die
sagen mir, das schaffen wir in dem kommenden zwei Jahren. Eine
nüchterne Finanzplanung muss aber davon ausgehen, dass dies länger
dauert», sagte Ballmer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-
Agentur (dpa) in Redmond.

Die Bedeutung von Microsoft im Internet-Zeitalter werde von vielen
Menschen nicht richtig eingeschätzt, meinte Ballmer: «Heute sagen die
Leute, der Personal Computer ist zwar wichtig. Aber die anderen
Geräte wie Mobiltelefone haben eine deutlich höhere Wachstumsrate als
die PCs. Deshalb habe der Stellenwert von Microsoft nachgelassen. Das
ist nicht richtig.» Microsoft werde auch in dem Markt außerhalb des
PCs aktiv sein. «Vielleicht wird unser Marktanteil dort nicht so hoch
sein wie im PC-Markt - das macht uns aber noch lange nicht
unbedeutend.»

Es werde häufig vergessen, dass Windows das «wunderbarste Geschäft
aller Zeiten» sei. «Schauen Sie sich die Umsätze, die Größe des
Marktes, die internationale Reichweite, die Gewinne an. Es ist ein
wunderbares Geschäft.» Nicht alles, was Microsoft für den Rest seiner
Unternehmensgeschichte tun werde, müsse aber Windows sein. «Wenn das
der Erfolgsstandard wäre, dürften wir gar nichts Neues mehr beginnen.
Niemand hat jemals so ein erfolgreiches Geschäft gestartet wie
Windows. Wird Microsoft noch einmal ein Erfolg wie Windows gelingen?
Da bin ich mir nicht sicher.»

Die Attacke durch den Computer-Virus «I Love You», der durch das
Microsoft-Programm Outlook transportiert worden war, hat nach
Einschätzung von Ballmer dem Ruf der Sicherheitsstandards von
Microsoft nicht geschadet. «Ich glaube nicht, dass es für unsere
Produkte Outlook und Exchange einen Rückschlag gegeben hat.»
Microsoft stelle seinen Kunden Werkzeuge zur Verfügung, mit der
Virenattacken wie diese vermieden werden könnten. «Wir haben Kunden,
die diese Werkzeuge gut implementiert hatten und denen auch nichts
passiert ist. Andere Kunden, die unsere Tools nicht benutzt haben,
wurden von dem Virus getroffen.» Aufgabe von Microsoft sei es, die
Anwendung der Werkzeuge einfacher zu machen.

Zum Schutz vor künftigen Attacken müsse man ein System der
sicheren Authentifizierung der Internet-Nutzer in Kraft setzen. «Mit
Hilfe von intelligenten Agenten kann das System dann entscheiden, von
welchem Absender ich Programmcode ausführen lassen möchte, wer mich
mit einem Internet-Telegramm ansprechen darf oder wer Einblick in
meine Finanzunterlagen haben darf.» Das sichere Management der
«digitalen Persönlichkeit» sei sicherlich auch Teil der Dot-Net-
Plattform von Microsoft.
dpa

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