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Microsoft auch im Visier der EU-Wettbewerbshüter

04.08.2000 | 00:00 Uhr |

Microsoft droht nun auch in Europa Ungemach. Die EU-Kommission geht einer Wettbewerbsbeschwerde von Sun Microsystems nach und leitet ein Verfahren gegen den Softwareriesen aus Redmond ein.

Nach den USA ist der US-Softwaregigant Microsoft
nun auch mit einem Kartellverfahren in Europa konfrontiert.

Microsoft werde verdächtigt, seine marktbeherrschende Stellung bei
PC-Betriebssystemen auf angrenzende Märkte auszudehnen, sagte eine
Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti am Donnerstag in
Brüssel. Bei den Untersuchungen geht es um die Betriebssysteme
Windows 95, 98 und NT 4.0.

Microsoft hat nach Branchenangaben bei PC-Betriebssystemen mit
einem Marktanteil von rund 95 Prozent eine Stellung als Quasi-
Monopolist. Microsoft versuche nun, auf dem Markt für größere
Unternehmensrechner (Server) Fuß zu fassen. Diese Zentralrechner
dienen unter anderem für den Internet- oder E-Mail-Datenverkehr.

In den USA hatte ein Richter im Juni als Strafe für
wettbewerbswidriges Verhalten die Zerschlagung von Microsoft in zwei
Unternehmen angeordnet. Darüber ist aber noch ein Rechtsstreit
anhängig. Bei einem EU-Kartellverfahren droht «nur» ein hohes Bußgeld
bis zu zehn Prozent des Weltumsatzes des Konzerns. Microsoft kann
sich nun zu den Vorwürfen äußern; beim Abschluss des Verfahrens ist
Brüssel nicht an Fristen gebunden.

Brüssel betonte den Unterschied zu dem US-Verfahren: Microsoft
werde beschuldigt, seine beherrschende Stellung bei PC-
Betriebssystemen auf Server-Betriebssysteme auszudehnen. In den USA
gehe es vor allem um ein versuchtes Monopol bei Internet-Browsern.

Der Kommission liegt eine Wettbewerbs-Beschwerde des US-Software-
Unternehmens Sun Microsystems vom Dezember 1998 vor. Sun habe dabei
beklagt, Microsoft sei bei der Lizenzvergabe diskriminierend
vorgegangen und habe grundsätzliche Informationen über das Windows-
Betriebssystem verweigert.

Die Kommission nahm erstmals ein förmliches Wettbewerbsverfahren
gegen den US-Konzern auf. Kommissar Monti erklärte: «Wir werden nicht
dulden, dass eine beherrschende Stellung auf einem Markt durch
wettbewerbsfeindliche Methoden und unter dem Vorwand des Schutzes von
Urheberrechten auf angrenzende Märkte ausgeweitet wird.»

Seit Februar untersuchen die EU-Wettbewerbshüter bereits, ob die
Bündelung von verschiedenen Varianten des neuen Betriebssystems
Windows 2000 im Gegensatz zu den Wettbewerbsregeln der EU steht. «Im
Kern geht um den gleichen Vorwurf», sagte ein Sprecher von Monti. In
diesem Fall wurde aber bisher kein Verfahren eröffnet. Möglicherweise
soll die Windows-2000-Ermittlung auch mit den nun begonnenen
Verfahren zusammengeführt werden.

Daneben werden in Brüssel weitere schwebende Fälle untersucht, die
mit Microsoft zu tun haben. So wird nach früheren Angaben die
Preispolitik des Konzerns in einem wieder aufgenommenen Fall geprüft.
Dabei geht um einen Parallelimport von Microsoft-Software in
Frankreich; ein Importeur hatte Microsoft eine marktbeherrschende
Stellung vorgeworfen. Auch in diesem Fall gibt es bisher kein
förmliches Wettbewerbsverfahren der Kommission.
dpa

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