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Microsoft bemängelt Apples Mac-OS X-Förderung

15.07.2002 | 10:54 Uhr |

Microsoft hat sich darüber beklagt, dass man zu selten Office X verkaufen könne. Der Konkurrent müsse sein neues Betriebssystem besser vermarkten.

München/Macwelt - Microsoft, mächtiger Betriebssystem-Konkurrent von Apple, beschwerte sich jetzt über Apples zu schwache Werbung für Mac-OS X. Wie das Wall Street Journal berichtet, kommt diese ungewöhnliche Beschwerde aus Redmonds Mac Business Unit. Offenbar hat nämlich Microsoft viel weniger Office-Lizenzen für den Mac verkauft als erwartet.
Bis November plant Microsoft 750 000 Lizenzen zu verkaufen, bisher gingen aber nur 300 000 Kopien über den Ladentisch. Kevin Browne, Chef der Mac Business Unit, zufolge müsse deshalb das Unternehmen seine Unterstützung zum Mac neu überdenken. Im nächsten Jahr werde eine neue Office-Version veröffentlich, auf lange Sicht müssten sich aber die Verhältnisse dramatisch ändern, damit Microsoft auch zukünftig für die Mac-Plattform entwickle. Wie Browne bereits bei einem längeren Statement zum Verhältnis Apple-Microsoft berichtet hatte, sei ihr Verhältnis rein profitorientiert: Solange Microsoft mit seiner Business Unit Gewinn mache, werde das Unternehmen weiter für den Mac entwickeln. Als Grund für die schlechten Umsätze macht Microsoft Apples Marketing verantwortlich: Mac-OS X würde von Apple zu wenig gefördert.

Hoher Preis als Kaufhindernis


Der zuständige Marketing Chef von Apple, Phil Shiller sieht dies anders. Mac-OS X würde von 2,5 Millionen Mac-Anwendern benutzt, bis Ende des Jahres würden es 5 Millionen sein. Schiller vermutet dagegen der hohe Preis von Office, 500 US-Dollar, können Grund für die schlechten Verkaufszahlen sein.
Bei Amazon kostet Office XP Standard für Windows inklusive der Datenbank Access 395 US-Dollar, Office für Mac-OS X dagegen 465 US-Dollar. Besonders der hohe Anteil an Privatanwendern bei Apples Neukunden könnte hier ein Problem für den Mac werden. Office ist für allem für den Geschäftsbereich notwendig. Besonders durch den problemlosen Austausch von Excel und Word-Dokumenten ist hier eine aktuelle Office-Anwendung überlebensnotwendig. Profianwender im Publishing-Bereich arbeiten dagegen teilweise sogar noch mit Mac-OS 8.6 und stehen momentan wohl eher vor der Investition in Indesign 2.0, Xpress 5 oder Photoshop 7. Eine Aktualisierung von Office ist etwa für einen freien Fotografen nicht die erste Priorität. Viele von diesen Mac-Profis könnten auch unter Mac-OS X wohl noch einige Zeit auf Office v. Mac verzichten. Schlie?lich läuft die Office 98 und Office 2001 problemlos in der Classic-Umgebung.
Ein Privatanwender dagegen, zu denen wohl die meisten der Mac-Neukäufer gehören, kommt auch gut ohne Office v. Mac aus. Für Mac-OS 9 gibt es Ragtime Privat, Consumermodelle sind mit Apple Works ausgestattet. Ein deutscher Student zahlt für eine Schülerlizenz 140 Euro, für die Office XP SB-Version zahlt ein Selbständiger nur 350 Euro. Für Privatanwender gibt es aber auch noch die preiswerte Works-Edition, die aus Word XP und Zusatzprogrammen besteht.

Corel enttäuscht von Mac-OS X


Microsoft ist aber nicht der einzige Anwender mit Problemen, seine Investitionen wieder hereinzuholen. Auch Corel ist von Apples Mac-OS X enttäuscht. Das Unternehmen habe bereits sieben Mac-OS X-Titel auf den Markt gebracht habe, die meisten ihrer Kunden würden aber weiterhin mit Mac-OS 9 arbeiten. Positives vermeldet dagegen Adobe. Hier ist man mit der Mac-Plattform sehr zufrieden: Im letzten Quartal habe Adobe mit Mac-Produkten 31 Prozent ihres Umsatzes gemacht, im vorigen Quartal waren es noch 27 Prozent.
Stephan Wiesend

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