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Microsoft gegen die USA

22.09.1999 | 00:00 Uhr |

Im zweiteiligen Prozess gegen Microsoft, in dem dem größten Softwareunternehmen der Welt ein Missbrauch seiner Monopolstellung vorgeworfen wird, fällt innerhalb der nächsten acht Wochen die erste wichtige Entscheidung. Das amerikanische Justizministerium sowie 19 weitere US-Bundesstaaten hoben am Dienstag in einer Zusammenfassung hervor, dass Microsoft bei der Verteidigung seiner Monopolstellung nicht gerade zimperlich gewesen sei. Das Unternehmen habe seine Marktstellung dazu verwendet, Internet Service Provider, Computerhersteller und andere Unternehmen zur Verwendung des Microsoft Web-Browsers zu bewegen. Der Konkurrent Netscape sei schließlich durch den Versuch benachteiligt worden, den Browser in das Windows-Betriebssystem zu integrieren.

Zudem steht es um Microsofts Glaubwürdigkeit schlecht. Der Gates-Company werden unter anderem Manipulationen und Verschleierungen während des Prozessverlaufs vorgeworfen. So hatte Microsoft-Gründer Bill Gates dem Gericht gegenüber geäußert, dass er nicht darüber informiert gewesen sei, was der vermeintliche Konkurrent Netscape zur Jahresmitte 1995 vor hatte. Der Regierungsanwalt verwies jedoch auf Emails aus dieser Zeit, in denen Gates unter anderem die Befürchtung äußerte, dass mit Netscape ein neuer Konkurrent heranwachsen könne. Gates soll außerdem von einem "besonderen Deal mit Netscape" gesprochen haben, in dem die Regierung eine illegale Absprache sieht.

Der Microsoft-Anwalt meinte im Gegenzug, dass es der Regierung nicht gelungen sein, schlagkräftige Beweise gegen Microsoft anzuführen. Vielmehr sollte man Microsoft für die Innovationen, die das Unternehmen den Anwendern beschert habe, loben. Der Prozess habe außerdem durch die Übernahme von Netscape durch AOL seine Gültigkeit verloren. Der Microsoft-Anwalt wertete etwa diesen Vorgang als ein Zeichen für einen intakten Markt. mst

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