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Microsoft lockert Programmschutz

29.06.2004 | 10:55 Uhr |

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft will nach massivem öffentlichen Druck in den vergangenen Jahren erstmals die strengen Richtlinien zum Schutz seiner Programme lockern.

Der US-Konzern will nach Angaben des Microsoft-Managers Hardy Poppinga seinen industriellen Kunden künftig erlauben, sein für computergesteuerte Produkte gedachtes Betriebssystem Windows CE weiterzuentwickeln und diese Spezial-Lösungen kommerziell zu vermarkten.
"Das ist das erste Mal, dass Microsoft Derivate erlaubt", sagte Poppinga, Produktmanager für die Embedded Device Group von Microsoft, dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Der für die Weiterentwicklung notwendige Quellcode von Microsoft gehört zu den bestgehüteten Geheimnissen der IT-Branche. Die Öffnung ziele auf den Markt so genannter "Embedded Systems". Das sind kleine, integrierte Rechner, die Geräte und Anlagen steuern.
Indem Microsoft Teile des Quellcodes sowie neues Sicherheitszubehör und zahlreiche Standardtreiber für die neue Version Windows CE 5.0 bereitstelle, wolle der Konzern die Geschäfte im Embedded-Markt ankurbeln. "Das ist für uns ganz klar ein Zukunftsmarkt", sagte Poppinga der Zeitung. Die Kunden dürften die Teile des Quellcodes 120 Tage nutzen. Erst danach falle eine Lizenzgebühr an. "Damit haben die Firmen die Möglichkeit, ausgiebig zu prüfen, ob unser System für ihre Produkte geeignet ist."
Zudem könnten die Firmen, die CE weiterentwickeln, die Rechte an diesem "Derivat" behalten. "Das geistige Eigentum bleibt in Besitz der Firmen und muss nicht an uns zurückgegeben werden", sagte Poppinga. Damit reagiere Microsoft auf einen zentralen Vorteil des offenen Betriebssystems Linux, das Nutzer frei verändern dürfen.

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