871953

Microsoft macht Vergleichsvorschlag

27.03.2000 | 00:00 Uhr |

In dem historischen Kartellprozess um den US-
Software-Giganten Microsoft bahnt sich eine Entscheidung an. Der
zuständige Richter gab Microsoft eine Frist bis Dienstag, einen
konkreten Vergleichsvorschlag zu machen. Das Unternehmen legte
daraufhin am Wochenende einen Vorschlag vor, der nach Medienberichten
unter anderem in bestimmten Fällen eine Trennung des Internet-
Browsers Explorer vom Betriebssystem Windows vorsieht. Wie die «New
York Times» am Sonntag berichtete, bezeichneten die Regierungsanwälte
den Vorschlag jedoch als unzureichend.

Nach Medienberichten faxte Microsoft den Vergleichsvorschlag am
Freitagmorgen den Regierungsanwälten zu. Ein Insider sprach gegenüber
dem Nachrichtensender CNN von dem ersten umfassenden Vorschlag.
Allerdings wurden nur wenige Details bekannt. Es hieß lediglich, dass
Microsoft eine von der Regierung erwogene Zerschlagung in drei
Bereiche weiterhin kategorisch ablehne.

Dafür habe das Unternehmen neben der Abkoppelung seines Internet-
Browers auch angeboten, in Geschäftsbereichen, in denen es praktisch
Monopole habe, mehr Zurückhaltung zu üben. Nach Informationen des
Fernsehsenders ABC will Microsoft auch gewisse Strafen akzeptieren,
so lange es nicht zugeben muss, dass es gegen Gesetze verstoßen hat.
Microsoft selbst wollte zu den Berichten keine Stellung nehmen.

Die Zeitung «USA Today» und andere Medien hatten berichtet, dass
es am Sonntag oder Montag in Chicago (Illinois) zu einem Treffen der
streitenden Parteien kommen könnte, falls der Vergleichsvorschlag
eine Basis für Gespräche darstelle. Dort werde neben Microsoft-
Gründer Bill Gates auch der stellvertretende Justizminister Joel
Klein erwartet. Wie die «New York Times» am Sonntag berichtete,
hielten die Regierungsanwälte den Vorschlag jedoch für nicht
ausreichend. Sie hatten das Papier, das ausgesprochen viele
technische Details enthalte, am Wochenende geprüft.

Sollte es in dem Fall nicht noch in letzter Minute eine Einigung
geben, käme der Fall wieder auf den Tisch von Richter Thomas Penfield
Jackson in Washington. Wie am Wochenende bekannt wurde, hatte er
Microsoft bis Dienstag Zeit gegeben, einen Vorschlag zu unterbreiten.
Ansonsten werde er sein Urteil fällen, kündigte der Richter an. Er
hatte mehrfach angedeutet, dass es auf jeden Fall gegen Microsoft
ausfallen dürfte.

Die US-Regierung und 19 einzelne US-Staaten hatten das Unternehmen
wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens verklagt. Die Regierung wirft
Microsoft vor, seine marktbeherrschende Stellung beim Betriebssystem
Windows missbraucht zu haben, um Konkurrenten vom Markt zu drängen.
Richter Jackson hatte die Parteien wiederholt dazu gedrängt, sich
außergerichtlich zu einigen - auch deshalb, um langwierige spätere
Berufungsverfahren zu vermeiden.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
871953