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Microsoft muss Windows-XP-Quellcodes offen legen

18.02.2002 | 14:31 Uhr |

Microsoft muss nach Anordnung eines US-Bundesgerichts nun auch Teile der so genannten Quellcodes seines neuen Betriebssystems Windows XP offen legen. Neun der an dem Kartellprozess beteiligten Bundesstaaten sollen Einblick in den Programm-Kern bekommen, verfügte die Bundesrichterin Colleen Kollar- Kotelly nach einem Bericht des Online-Branchendienstes "News.com" vom Samstag (Ortszeit) während einer Telefonkonferenz. Die Kläger erhoffen sich davon auch eine Klärung, ob Microsoft mit der Verknüpfung von Programmbestandteilen vorsätzlich seine Monopolstellung ausgenutzt hat.
Experten befürchten unterdessen, dass diese Verfügung Microsofts Konkurrenten in die Hände spielen könnte. Die Wettbewerber arbeiteten zum Teil sehr eng mit den klagenden Staaten zusammen. Die Frage sei, ob man mit dieser Verfügung nicht gleich die Informationen an die Konkurrenz weitergibt, sagte Gartner-Analyst Michael Silver. Microsoft müsse sehr sorgfältig überlegen, in welchem Umfang das Unternehmen Einsicht in die Codes gewährt, sagte Silver. Der so genannte Quellcode ist das Herz eines Programms.
Die neueste Version XP von Windows war bislang nicht Gegenstand des fast vier Jahre währenden Kartellstreits. XP ist eine der Säulen in der jüngsten .Net-Strategie des weltgrößten Softwarekonzern. Die klagenden Parteien erhoffen sich, den Konzern dazu zu bringen, eine abgespeckte Version von Windows ohne Internet- und Multimedia- Programme anzubieten. Microsoft hatte bislang immer behauptet, eine Trennung der Programmteile sei technisch nicht möglich. Kritiker halten dagegen, dass Microsoft mit der technischen Verknüpfung lediglich seine Marktmacht ausnutze. (dpa)

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