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Microsoft rudert zurück: Übernahme von Yahoo weiter offen

24.06.2008 | 10:21 Uhr |

Microsoft hält sich nach Zeitungsberichten auch nach dem offiziell eingestandenen Scheitern der Gespräche eine Übernahme von Yahoo weiter offen.

Im Falle eines Führungswechsels bei dem Suchmaschinen- und Portalbetreiber wolle Microsoft eine neue Kaufofferte nicht ausschließen, sagte Microsoft-Manager Kevin Johnson der "Financial Times Deutschland" (Montag) in Cannes. "In der gegenwärtigen Situation ist es schwer zu spekulieren, was passieren wird. Dies ist etwas, was Yahoo und Jerry Yang sowie deren Aktionäre und Vorstände klären müssen."

Auf der für den 1. August angesetzten Hauptversammlung wird sich entscheiden, ob sich Yahoo-Großaktionär Carl Icahn, der bislang einen Verkauf des Unternehmens angestrebt hatte, mit eigenen Kandidaten durchsetzen wird und es ihm gelingt, den bisherigen Unternehmens-Chef Jerry Yang abzusetzen. Unmittelbar nach dem zuletzt bekannt gegebenen Scheitern der Gespräche hatte die derzeitige Yahoo- Führung bereits eine umfangreiche Partnerschaft mit Konkurrent Google angekündigt. Ob diese Zusammenarbeit möglicherweise Kartellrechts- Bedenken von offizieller Seite weckt, steht noch aus. Eine in der vergangenen Woche nach außen gedrungene E-Mail von Kevin Johnson an seine Mitarbeiter hatte zuletzt die derzeitige Yahoo-Führung unter Jerry Yang erneut unter Druck gesetzt. Yang lehnte danach ein letztes Angebot von Microsoft ab, die Suchmaschinensparte für eine Milliarde Dollar zu kaufen sowie weitere acht Milliarden in Yahoo-Aktien zu investieren. Gegen einen Teilverkauf nur des Suchmaschinen-Geschäfts hatte sich allerdings zuletzt selbst Übernahme-Freund Icahn ausgesprochen. Eine wie ursprünglich angestrebte Komplett-Übernahme hatte Microsoft am Ende der Gespräche ausgeschlossen.

"Kann sein, dass Yahoo wieder auf uns zukommt", bestätigte auch Microsofts oberster Werbestratege Yusuf Mehdi der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zunächst plane das Unternehmen allerdings erst einmal eine Zukunft ohne Yahoo. Nach zuletzt kleineren Zukäufen unter anderem für die stärkere Verknüpfung von traditioneller und Online-Werbung und Rabatt-Aktionen für Werbekunden plane Microsoft im kommenden Jahr in erster Linie die Verbesserung der eigenen Produkte und will dafür in Europa ein eigenes Forschungszentrum aufbauen. Unter anderem mit strategischen Partnerschaften etwa mit Hewlett- Packard wolle das Unternehmen zudem seine Suchmaschinen-Marke MSN stärken. Seit Jahren rangiert Microsoft im Suchmaschinengeschäft deutlich hinter dem Branchenprimus Google und dessen Verfolger Yahoo. dpa. (dpa)

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