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Microsoft stellt Ultimatum

03.06.2002 | 11:34 Uhr |

Unternehmen stehen vor der Wahl, Software zu abonnieren oder teurer einzukaufen

München/dpa - Am 31.Juli läuft die Frist ab. Nur noch bis zu diesem Tag können Kunden eine Art Abo-Vertrag für Microsoft-Programme abschließen. Um die Umstellung durchzusetzen, zieht Microsoft am 31. Juli einen harten Strich. Nach diesem Tag können die Besitzer von Microsoft- Programmen keine der bislang üblichen Software-Upgrades - eigentlich verbilligte Neu-Versionen - mehr erwerben. Wer die Frist verstreichen lässt, muss künftig jedes neue Microsoft-Produkt zum Vollpreis kaufen, egal ob er Vorgängerversionen besitzt oder nicht. Damit bezahlt er bis zu 45 Prozent mehr für den Umstieg auf eine neue Software.
Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft versucht mit diesem Ultimatum, seine gewerbliche Kundschaft in sein Software- Abonnement zu drängen. Für eine feste Abo-Gebühr kann der Kunde alle neuen Versionen eines Microsoft-Programms in einem bestimmten Zeitraum nutzen, statt sich hin und wieder neue Softwarepakete von dem US-Riesen zu kaufen.
Das Geschäftmodell ist nicht ungewöhnlich, die strikte Durchsetzung dagegen um so mehr. So gibt es etwa von Apple das Mac OS X Maintenance Program, bei dem für 207 US-Dollar oder 70 US-Dollar pro Jahr alle Betriebssystem-Updates der nächsten drei Jahre kostenlos sind.
Das neue Lizenzmodell soll dem Unternehmen von Bill Gates und Steve Ballmer zu dauerhaften und gleichmäßigen Einnahmen verhelfen.
Doch viele Firmen sind nicht bereit, Software-Wartungsverträge zu unterschreiben - weil ihnen alles zu kompliziert erscheint oder weil sie das Gefühl haben, mittel- und langfristig noch stärker zur Kasse gebeten zu werden als zuvor. "Durch diese Politik fühle ich mich gegängelt und bevormundet", sagt Alexander Fischer, EDV-Leiter der Papierfabrik August Köhler im badischen Oberkirch, der unter anderem für 600 Personal Computer in seinem Unternehmen verantwortlich ist.
Das neue verfahren trägt den Namen "Software Assurance" (Software- Versicherung). Dabei geht es nicht um eine Versicherung gegen mögliche Programmierfehler oder Sicherheitslücken in den Microsoft- Programmen, sondern um das Recht, im Vertragszeitraum sämtliche neue Versionen einer Software zu beziehen. Schließt ein Kunde beispielsweise eine Software Assurance (SA) für das Büro-Programm Office XP über drei Jahre ab, kann er sämtliche neue Versionen einsetzen, die in diesem Zeitraum von Microsoft auf den Markt gebracht werden. Dafür muss er jährlich 29 Prozent der Lizenzkosten als Abo-Gebühr bezahlen.
Das schwäbische Systemberatungshaus Bechtle AG, das als Dienstleister die Lizenzierung von Microsoft-Produkten anbietet, kennt aus dem praktischen Umgang mit den Kunden mehrere Gründe für die Zurückhaltung. "In vielen Unternehmen stehen für die Lizenzumstellung bei Microsoft überhaupt keine Etats zur Verfügung, weil das nicht eingeplant wurde", sagt Reinhold Käfer Leiter des Bechtle Competence Center Microsoft Solutions. In manchen Unternehmen wüssten die Verantwortlichen auch nicht, auf wie vielen Rechnern überhaupt Microsoft-Programme und Betriebssysteme laufen. "Da wurde einmal die CD gekauft und dann immer wieder installiert." sw/dpa

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