996953

Microsoft wieder an Yahoo-Kauf interessiert - Nur bei neuer Spitze

08.07.2008 | 07:19 Uhr |

Der Softwareriese Microsoft lässt im Tauziehen um den Internet-Konzern Yahoo doch nicht locker und ist wieder an einer Übernahme interessiert.

Voraussetzung sei aber eine neue Führung bei Yahoo, teilte Microsoft am Montag mit. Yahoo forderte von Microsoft umgehend ein offizielles Angebot mit einem konkreten Kaufpreis. Der Konzern sei grundsätzlich weiter zu Verhandlungen bereit. Microsoft verbündete sich bei seinem überraschenden neuen Vorstoß mit dem kritischen Yahoo-Großaktionär Carl Icahn, der die Yahoo- Spitze auf der Hauptversammlung Anfang August stürzen will. Der Druck auf Firmenmitgründer und Yahoo-Chef Jerry Yang wird damit immer größer.

Denkbar sei sowohl eine Komplettübernahme von Yahoo als auch der zuletzt diskutierte Teilkauf nur des Suchmaschinengeschäfts, so Microsoft. Mit der gegenwärtigen Führung bei Yahoo sei aber kein Geschäft möglich. Für Details wie einen konkreten Übernahmepreis sei es aber noch zu früh. Yahoo will sich dagegen nicht vertrösten lassen. Ein solches Vorgehen sei nicht im Sinn der Aktionäre, hieß es in einer Mitteilung. Microsoft habe Yahoo zuletzt wissen lassen, nicht einmal mehr zum ursprünglich gebotenen Preis an einem Kauf interessiert zu sein. Microsoft hatte erstmals Ende Januar eine Übernahme angeboten. Die Yahoo-Spitze lehnte aber sowohl das zunächst 44,6 Milliarden Dollar (28 Mrd Euro) schwere Angebot als auch spätere veränderte Offerten ab.

Multimilliardär Icahn will bei der Hauptversammlung am 1. August den Verwaltungsrat bei dessen Neuwahl komplett mit eigenen Vertrauten besetzen lassen. Das Gremium soll dann Yang ablösen und den Weg für Microsoft frei machen. Icahn und Microsoft führten dazu zuletzt nach eigenen Angaben mehrere Gespräche. Icahn rief die Yahoo-Aktionäre in einem offenen Brief zur Unterstützung der Pläne auf. Eine Vereinbarung mit Microsoft könne allerdings mindestens neun Monate dauern - angesichts der nötigen Klärung durch die Wettbewerbshüter auch deutlich länger. Wie Icahn hatte eine ganze Reihe von Anteilseignern das Nein von Yahoo-Chef Yang zu der Offerte scharf kritisiert. Gegen den Konzern laufen deshalb auch mehrere Klagen von Aktionären.

Yahoo startete mittlerweile bei Suchanzeigen eine Kooperation mit dem Branchenführer und Rivalen Google. Microsoft will mit einem Kauf von Yahoo die Vormacht von Google brechen. Yahoo sprach in den vergangenen Wochen Medienberichten zufolge auch mit möglichen weiteren Partnern, um eine doch noch drohende Übernahme abzuwehren. Zu den potenziellen Verbündeten zählten demnach das Internet-Portal AOL aus dem Time-Warner-Konzern und der Medienmogul Rupert Murdoch. An der Börse reagierte die Yahoo-Aktie mit deutlichen Gewinnen. Bis Montagmittag kletterte das Papier um fast zwölf Prozent auf 23,88 Dollar. Microsoft-Titel legten dagegen nur ganz leicht auf rund 26 Dollar zu. (dpa)

0 Kommentare zu diesem Artikel
996953