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Microsoft will Apple treu bleiben

11.04.2002 | 14:09 Uhr |

Auch ohne Abkommen zwischen Redmond und Cupertino wird Microsofts Mac BU seine Geschäfte fortführen. Mit .NET will Kevin Brownes Abteilung künftige Office-Versionen ausstatten.

München/Macwelt - Microsoft wird auch nach dem Auslaufen der 1997 mit Apple geschlossenen Vereinbarung Software für den Mac herstellen. Das bestätigte gestern der Leiter der Macintosh Business Unite (Mac BU) bei Microsoft, Kevin Browne, in einer Pressekonferenz im kalifornischen Mountain View. Die Mac BU mache selbstständig Geschäfte und entscheide nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, um erfolgreich und profitabel zu sein. Bereits vor Beginn der Microsoft-Apple-Allianz 1997 habe die Abteilung existiert. Wenn man vergleiche, was die Mac BU in den zurückliegenden Jahren getan habe und was man laut Vereinbarung hätte leisten müssen, so "sind wir weit über das Agreement hinausgegangen," erläuterte Browne. Die Beziehung von Apple und Microsoft habe in der Tat nur wenig mit der Vereinbarung zu tun.

Konsequenter Systemwechsel


In Zukunft werde Microsoft Mac-Produkte nur noch für Mac-OS X herstellen, lediglich Wartungs- und Sicherheitsupdates für bestehende Produkte sind unter Mac-OS 9 denkbar. Die "klassischen" Programme werde man noch so lange auf Lager halten, bis sich die Nachfrage erschöpft habe und sie dann aus dem Handel nehmen.

Für Mai oder Juni hat Browne ein kostenloses Update für Office v. X angekündigt, das rund 1000 Neuerungen, Bugfixes und die Performance steigernde Änderungen beinhalten soll. So soll das Update SR-1 die Office-Suite kompatibel zu ODBC machen, eine direkte Verbindung zu Filemaker-Servern will die Mac BU integrieren und Anti-Aliasing von Text voll unterstützen. Zudem ist ein Palm Conduit in Arbeit, mit dem PDA-Besitzer ihre Daten auf dem Handheld mit Entourage abgleichen können.

.NET in der Bredouille


Wie in der vergangenen Woche angekündigt, ging Browne auch auf die Pläne der Mac BU zu .NET auf dem Mac ein. Die Mac BU will auf jeden Fall .NET auf den Mac bringen, sieht Mac-OS X dabei nicht als Server-System für .NET an. Office v. X soll jedoch bald mit dem XML-basierten Service kommunizieren können. Der Mac sei eine großartige Client-Plattform, um sich mit .NET zu verbinden, behauptete Browne. Mit Hilfe von .NET könnten Entourage-Anwender ihre Kalender und Adressbücher von jedem beliebigen Computer aus via Internet erreichen.

Die New York Times berichtet hingegen in ihrer heutigen Ausgabe, dass Microsoft die .NET-Initiative Hailstorm bereits heimlich, still und leise eingestellt habe. Hilstorm, später in .NET My Services umbenannt sollte rund um die Authentifizierungstechnologie Passport Surfern die Gelegenheit geben, auf Informationen und Zahlungssysteme zurückzugreifen und dabei der Website des Anbeiters nur bestimmte Informationen überlassen zu müssen. Ein Sprecher von Gartner erklärte der New York Times jedoch das Scheitern des Programms: "Viele Unternehmen wünschen keinen Mittelsmann zwischen sich und ihrem Kunden". Ein Microsoft-Berater habe dem Blatt sogar von einem "unheimlichen Widerstand" der Kunden berichtet. Der Softwareriese habe weder Unternehmen noch Entwickler davon überzegen können, dass man alle Datenschutz- und Sicherheitsprobleme lösen könne.

Neue Portierungen


Laut Kevin Browne will die Mac BU neben Office und Internet Explorer in Zukunft weitere Programme für Mac-OS X portieren, sofern dies wirtschaftlichen Sinn mache. Die Datenbank-Software Access sei mit Sicherheit kein Kandidat dafür, das gesamte Entwicklerteam aus Mountain View und Redmond würde zwei bis drei Jahre daran arbeiten, ohne sich weiter um Office und den IE zu kümmern.
In einer ersten Reaktion auf Brownes Pressekonferenz bezeichnete Apple-Vize Phil Schiller unseren Kollegen von Maccentral gegenüber Microsoft als "ganz normalen Entwickler", der seine Geschäftsentscheidungen aufgrund der Erfolge seines Business treffe. In den zurückliegenden Jahren habe Browne eine Menge Dinge unternommen, die nicht Bestandteil der Vereinbarung zwischen Apple und Microsoft waren, sondern ökonomischen Sinn machten.
Peter Müller

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