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Microsoft will HD Photo zum Standard machen

09.03.2007 | 09:35 Uhr |

Microsoft bläst zum Großangriff auf das Foto-Format JPEG. Auf der PMA 2007, der Foto-Messe des größten US-amerikanischen Fotoverbandes, hat der Tausendsassa aus Redmond jetzt den neuen Herausforderer HD Photo vorgestellt.

Zwar steckt dahinter der alte Bekannte WMP (Windows Media Photo), den das Unternehmen bereits im Mai 2006 vorgestellt hatte. Neu aber sind vor allem die Pläne, das Format von einer noch nicht näher benannten Institution zum Standard erheben zu lassen.

Microsoft will bereits Jahre an HD Photo gearbeitet haben und wird weitere Jahre dafür brauchen, um auch nur eine Chance zu haben, das Format als Standard zu etablieren. Ein gewichtiger Partner steht dem Softwarehersteller dabei allerdings bereits zur Seite: Adobe soll gemeinsam mit Microsoft an einem Plug-in für die Creative Suite in Version 2 und 3 arbeiten. In der Tat kann HD Photo mehr als der bisherige JPEG-Standard. Das Format soll laut dem Hersteller für eine höhere Bidlqualität sorgen, beim Komprimieren gehen weniger Informationen verloren und es entstehen weniger unerwünschte Artefakte. "Die Enkodierung von Bildern geschieht beispielsweise Schritt für Schritt, ohne dabei die gesamte Datei auf einmal laden zu müssen", schreibt der österreichische Standard . Die Komprimierungsrate soll doppelt so hoch sein, ein Bild in derselben Qualität brauche nur die Hälfte des Speicherplatzes seines JPEG-Pendants. Wenn Kamerahersteller HD Photo direkt in ihren Fotoapparaten verwenden, könnte sich das Format in manchen Fällen sogar als Konkurrent zu RAW und zu Adobes digitalen Negativen im DNG-Format herausstellen: Denn es komprimiert Fotos auf Wunsch auch völlig verlustfrei. Zudem ist die Farbtiefe höher, anstatt nur 8 Bit beim JPEG-Format sind 16 oder gar 32 Bit möglich. Ein höherer Farbumfang würde in der digitalen Fotografie - den richtigen Bildsensor vorausgesetzt - zu mehr Details führen. Oft verwenden Fotografen das RAW-Format ihrer digitalen Spiegelreflex ausschließlich wegen der höheren Farbtiefe, die mehr Abstufungen in sehr hellen und sehr dunklen Bildbereichen zeigt. Microsofts Format soll sogar HDR-Fotos speichern können. Schließlich lässt sich in HD Photo ein Alphakanal für Transparenzen einstellen, das Format nimmt EXIF-Daten auf und ermöglicht es auch, den Zugriff auf ein Foto mit einem DRM-Kopierschutz zu beschränken. Heute erscheint HD Photo erst einmal für Windows - in einer Betaversion. Unter der früheren Bezeichnung WMP (Windows Media Photo) allerdings beherrscht Windows Vista das Format bereits. Der neue Name hat mit HD-Videos im Übrigen nichts zu tun, der Hersteller scheint sich aber durch die Nähe zu diesem Schlagwort mehr Interesse zu versprechen. In ungefähr zwei Monaten soll das Format dann als Photoshop-Plug-in neben Windows XP und Vista auch für Mac OS X zu haben sein. Außerdem stellt Microsoft für Entwickler ein "HD Photo Device Porting Kit" zum Download bereit. Ob es Microsoft gelingt, HD Photo durchzusetzen, werden erst die nächsten Jahre zeigen. Noch unklar ist auch, wie der Softwarehersteller mit dem bislang vorgestellten Modell Umsatz machen möchte. Darüber hinaus gibt es durchaus bereits andere Nachfolger für das JPEG-Format, allerdings haben die nicht den Segen aus Redmond: JPEG2000 etwa hat bislang, obwohl ISO-standardisiert, bei breiten Anwenderschichten nur wenig Erfolg.

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