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Microsoft will Lizenzgebühren für Open-Source-Software

15.05.2007 | 12:59 Uhr |

Durch Open-Source-Software wie Linux sieht Microsft 235 seiner Patente verletzt, erklären der Rechtsvorstand des Softwareherstellers Brad Smith und der für Geistiges Eigentum und Lizenzierungen zuständige Vizepräsident Horacio Gutierrez in einem Interview mit dem Magazin Fortune.

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Microsft werde daher von Distributoren von Open-Source-Produkten und Endverbrauchern Lizenzgebühren fordern. Gutierrez beharrt darauf, dass es sich in den angesprochen Fällen nicht um "unabsichtliche" Patentverletzungen handle, sondern um gezielte. Smith ging ins Detail: Der Linux-Kernel verletze 42 Microsoft-Patente, die Benutzeroberflächen für das alternative Betriebssystem deren 65. Open Office nutze schließlich in unerlaubter Weise 45 von Microsoft patentierte Techniken, Open-Source-E-Mail-Programme 15 Patente. Alle weiteren Open-Source-Anwendungen komplettierten mit 68 Patentverletzungen die Angelegenheit. Microsoft Steve Ballmer sagte dem Magazin, dass man in einer Welt lebe, "in der wir geistiges Eigentum respektieren." Verkäufer von Open-Source-Software müssten nach den gleichen Regeln spielen: "Was fair ist, ist fair."

Microsoft bereitet bereits Klagen gegen die Open-Source-Szene vor. Mit dem Linux-Distributor Novell habe man eine Vereinbarung geschlossen, die Vovell vor kommenden Linux-lagen schützen soll. In der letzten Woche ist Dell als erster Hardwarehersteller dem Pakt beigetreten.

Spezialisten für IT-Recht sehen hinter Microsofts Vorstoß andere als rechtliche Gründe. Marc Wine, von der Kanzlei McDermott Will & Emery LLP in Los Angeles meinte gegenüber unseren Kollegen von Macworld, dass hinter der Drohung lediglich Marketing-Aspekte stünden. Microsoft wollen Open-Source-Nutzer einschüchtern und zu den eigenen Produkten bewegen. "Wenn man ernst wäre, würde man der Open-Source-Szene genau erklären, welche Patente sie verletzen oder sie einfach verklagen." Eine Klage wäre nach Meinung des Anwalts Stuart Meyer, von Fenwick & West in Mountain View auch der normale Weg gewesen. "Falls Microsoft einen Prozess haben wollte, hätten sie den zuerst angestrengt." Der Windows-Hersteller habe sich aber nun entschieden, seine Produkte eher durch Rechtsverfahren voranzutreiben, anstatt sie mit den eigenen Stärken zu bewerben. Diese Strategie werde die meisten Kunden unbeeindruckt lassen, meint Meyer.

Mögliche Verfahren werden jedoch nachhaltig das Patentrecht in den USA erschüttern, meint Paul Lesko von SimmonsCooper LLC in St. Louis. Es bleibe abzuwarten, welche Rechte Microsoft durchsetzen könne und wie sich Open-Source-Unternehmen für ein neues Patentrecht einsetzen werden. "Sollte es Auseinandersetzungen geben, werden diese dabei helfen, neue Linie zu ziehen."

Als einen "verzweifelten Akt" von Microsoft stuft OpenOffice.org, das 45 Patentverletzungen bezichtigt wird, den Vorstoß aus Redmond. Der Community-Manager Louis Suarez-Potts verstehe nicht, was Microsoft dazu gebracht habe "mit dieser Position zu riskieren, Unternehmenskunden und die vielen Millionen Linux-Anwender zu brüskieren und zu verunsichern." Der Schuss gehe eher nach hinten los.

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