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Microsoft wollte SAP schlucken

08.06.2004 | 09:59 Uhr |

Redmond - Microsoft hat in diesem Frühjahr vergeblich versucht die SAP AG (Walldorf) zu übernehmen. Der weltgrößte Softwarekonzern und Europas größtes Softwarehaus bestätigten am Montagabend, Sondierungsgespräche über eine mögliche Fusion geführt zu haben.

"Vor einigen Monaten hat Microsoft diese Gespräche auf Grund der Komplexität eines solchen Abschlusses und der daraus resultierenden Integrationen beendet. Eine Wiederaufnahme der Verhandlungen ist nicht geplant", teilte die Microsoft Corp. in Redmond (US-Bundesstaat Washington) mit.

SAP-Chef Henning Kagermann sagte, Microsoft sei Ende 2003 an die SAP herangetreten, um die Idee einer möglichen Fusion ("Merger") zu diskutieren.: "Wie alle börsennotierten Unternehmen untersucht auch die SAP regelmäßig Möglichkeiten, wie wir unsere weltweit führende Stellung im Markt für Unternehmenssoftware weiter ausbauen können." Diese Sondierungsgespräche seien in diesem Frühjahr beendet worden. Die SAP habe die feste Absicht, weiterhin partnerschaftlich mit Microsoft zusammenzuarbeiten, um unter bestmöglicher Nutzung der Web- Services-Technologie auch in Zukunft ihren Kunden wirklichen Mehrwert bieten zu können.

Mit ihren Veröffentlichungen kamen die beiden Software-Giganten einer Stellungnahme von Oracle in der am Montag beginnenden öffentlichen Verhandlung des Oracle/PeopleSoft-Übernahmeverfahrens in den USA zuvor. Die SAP AG hatte im Zusammenhang mit der rechtlichen Prüfung der geplanten Übernahme von PeopleSoft durch Oracle umfangreich mit dem US-Justizministerium zusammengearbeitet. "Da es im Laufe der Verhandlungen möglich ist, dass vertrauliche und interne Informationen in der Öffentlichkeit bekannt werden, die unter anderen Umständen nicht öffentlich gemacht worden wären, nimmt die SAP hierzu Stellung", teilte das Walldorfer Unternehmen mit.

Auch Microsoft verwies auf das Übernahmeverfahren in den USA. "Oracle hat im Zuge dieses Verfahrens Zugang zu vertraulichen Informationen über die Microsoft Corporation erhalten, die Oracle möglicherweise im Rahmen des Prozesses anführen wird. Microsoft macht daher in diesem Fall eine Ausnahme von dem langjährigen Grundsatz, Gespräche zu möglichen Fusionen und Übernahmen nicht zu kommentieren."

Microsoft versucht schon seit geraumer Zeit, im lukrativen Markt der Business-Software Fuß zu fassen. Für eine Stärkung im Markt für Unternehmenssoftware hatte Microsoft im Sommer 2002 den ehemals dänischen SAP-Konkurrenten Navision und zuvor den US-Anbieter Great Plains übernommen. Die SAP AG ist der weltgrößte Anbieter von Unternehmenssoftware und steht mit seiner Mittelstandssoftware Business One in direkter Konkurrenz zu Microsoft.

In anderen Bereichen kooperieren die beiden Unternehmen aber auch, um etwa SAP-Produkte auf Betriebssystemen oder Datenbanken von Microsoft reibungslos zum Laufen zu bringen. Nach dem Abbruch der Fusionsgespräche hatten SAP und Microsoft eine gemeinsame Entwicklungspartnerschaft im Bereich der so genannten Web Services sowie eine gegenseitige Lizenzierung von Patenten beschlossen, die am 12. Mai 2004 veröffentlicht wurde.

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