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Mietsoftware kämpft ums ?berleben

12.02.2003 | 09:57 Uhr |

Das Konzept des Application Service Providing hat sich kaum durchsetzen können

Vor zwei Jahren sollte das Vermieten von Software über das Internet die Branche revolutionieren. Das so genannte Application Service Providing (ASP) versprach Kostenersparnis. Anstatt Computerprogramme auf dem firmeneigenen Netzwerk zu installieren und zu warten, sollten Kunden Software je nach Bedarf über eine Datenverbindung benutzen - gegen Gebühr. Vorbei die Träume, willkommen in der Realität, hei?t es unter den verbliebenen ASP- Dienstleistern heute. Die Umsatzzahlen blieben weit hinter den Prognosen zurück. Nun hofft die Branche auf ein neues Geschäft unter realistischen Bedingungen. "ASP ist ein wichtiges Thema auf der CeBIT", sagt Sprecherin Gabriele Dörries.

Die Unternehmen wollen aus den Fehlern lernen. Rund 60 Prozent der ASP-Dienstleister von vor zwei Jahren sind nach Schätzung von Experten nicht mehr am Markt. "Das liegt daran, dass die Anbieter von falschen Annahmen ausgegangen sind", sagt Michael Friedewald vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe. Sowohl unausgereifte Technik wie auch an den Bedürfnissen der Kunden vorbeigehende Produkte hätten zum Scheitern beigetragen.

Die ASP-Idee ist nach Meinung von Marktanalysten jedoch nicht tot. Das Geschäftsmodell, Dienstleistungen über einen Netzzugang von einem zentralen Ausgangspunkt vielen Nutzern zugänglich zu machen, habe Zukunft. Das Marktforschungsunternehmen IDC prognostizierte im vergangenen Jahr gar ein jährliches Branchenwachstum von 91 Prozent bis 2006. Nach ihren Schätzungen steigt der Umsatz von 258 Millionen US-Dollar (246 Millionen Euro) im Jahr 2001 auf 6,5 Milliarden US- Dollar (6,19 Milliarden Euro) im Jahr 2006.

Solch gewaltige Sprünge resultieren nach Ansicht von IDC-Analyst Lars Schwaner nicht allein aus traditionellen Formen der Auslagerung von Software, sondern aus neuen Anwendungen. Eine Idee sei es, mit Hilfe eines ASP-Dienstleisters mehrere Nutzer von verschiedenen Orten aus online auf Dokumente zugreifen zu lassen, erläutert Frank Simon, Geschäftsführer des ASP-Consortiums, eines Interessenverbandes der ASP-Dienstleister. Auch Angebote wie das Online-Bezahlsystem "Firstgate" hätten viel Potenzial. Die Firma bietet Händlern und Kunden einen Bezahlservice über das Internet an.

Der Fraunhofer-Wissenschaftler Michael Friedewald sieht die zweite Chance für ASP-Dienstleister vor allem beim Mittelstand. Von zentraler Bedeutung sei es, dass Anbieter auf die teilweise sehr individuellen Bedürfnisse der einzelnen Betriebe eingingen und es schafften, psychologische Hürden abzubauen. Anbieter von Software zur Miete müssten vermitteln, dass sich der Mittelständler nicht um die Computerprogramme zu kümmern brauche, sondern alle Kraft dem Kerngeschäft widmen könne.

Die Zukunft des ASP-Markts liegt nach Meinung der Analysten von Gartner Dataquest in der Ergänzung des herkömmlichen Software- Vertriebs. ASP müsse Teil eines Portfolios von Service- und Softwareanbietern sein. "Webservices" hei?t das neue Stichwort. Jo Bager, Redakteur des Computerfachmagazins "c't", sagt: "Heute erhofft man sich durch Webservices eine Renaissance der Idee von ASP." In Zukunft sollen auch bei Microsoft etliche Produkte nicht mehr auf CD- ROM in eingeschwei?ten Paketen, sondern in einem Abo-Modell über das Internet verkauft werden. dpa

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