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Mit Pedalkraft auf Safari

18.02.2003 | 09:55 Uhr |

Das Web selbst in den hintersten Winkeln der Welt zugänglich machen will der Jhai PC. Das Konzept setzt weniger auf High-Tech denn auf Stabilität.

Von wegen stundenlange Computerarbeit macht dick. Wenn man mit dem Jhai PC im Internet unterwegs ist, trifft das jedenfalls nicht zu. Die Tüftler der Jhai Foundation hatten allerdings bei der Entwicklung des Fahrrad angetriebenen Internetcomputers weniger den wohlbeleibten Mitteleuropäer im Blick. Der Jhai PC sollte Reisbauern des laotischen Hinterlands ans weltweite Datennetz anschließen - auch ohne Strom- und Telefonzugang. Bei der Entwicklung von Onlinezugängen in dem technologisch unterentwickelten Landstrich zählten für die Entwickler nicht neueste Produktwicklungen wie im März auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover zu sehen, sondern vor allem Kreativität und Engagement.

Nicht schick und möglichst klein, sondern tropentauglich und stabil musste der Jhai PC sein. Er sollte hoher Luftfeuchtigkeit widerstehen können, möglichst wenig bewegliche Komponenten haben und von den Dorfbewohnern selbst zu betreuen sein. Herausgekommen ist ein Computer mit einem 468-Prozessor, einem stromsparenden Flachbildschirm und dem freien Betriebssystem Linux mit einer auf das Laotische angepassten Software. Eine kabellose Datenleitung (W-LAN) verbindet über solar angetriebene Schaltstationen den Jhai PC mit dem 30 Kilometer entfernten Krankenhaus, das über Telefon- und Internetanschluss verfügt. Für den Strom sorgt das so genannte Powerbike eines Herstellers aus Indien, das den PC über eine Auto- Batterie mit Strom speist. Wer eine Stunde in dem weltweiten Datennetz unterwegs sein will, muss eine halbe Stunde strampeln.

Der Internetzugang soll die Bauern unter anderem über die Preise für Reis informieren, bevor sie sich auf die schlechten Straßen begeben in die 30 Kilometer entfernte Marktstadt. "Er ist für die Dorfbewohner wie ein Weg", sagte Lee Thorn von der Jhai Foundation, einer von Vietnam-Veteranen gegründeten US-amerikanisch-laotischen Organisation, die gemeinsam mit den Dorfbewohnern die stark bombardierte Region wirtschaftlich aufbaut.

"Wir haben den Internetzugang mit einem sehr kleinen Budget umgesetzt - im fünfstelligen unteren Bereich in US-Dollars - mit der Hilfe von vielen Ingenieuren und anderen Technikern", sagte Thorn. Er schätzt allein den Wert der Arbeitszeit der Ehrenamtlichen auf eine halbe Million US-Dollar. Dennoch sei der Jhai PC auf Grund der geringen Stückzahl mit rund 2500 US-Dollar teuer.

Die Jhai Foundation ist nicht das einzige Projekt, das durch Online-Informationen die Situation der Menschen in unterentwickelten Regionen verbessern will. So tauschen im indischen Bundesstaat Maharashtra Bauern aus 70 Dörfern Daten über die Zuckerrohrernte aus. Fischer im südindischen Kerala rufen Wetterinformationen aus dem Internet ab. Das sind jedoch nur einzelne Beispiele. Nach Schätzungen des World Resources Institute in Washington bestehen mehr Telefonanschlüsse in New York City als im gesamten ländlichen Raum Asiens, mehr Internetzugänge in London als in ganz Afrika. Mit dem Projekt aus Laos will Thorn Mut machen. "Wir haben bereits Anfragen aus über 40 Ländern", sagte Thorn. Systeme, die Menschen unter extrem schwierigen Bedingungen weiterbringen würden, könnten auch anderen helfen. (dpa)

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