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Mit der Maus zum Führerschein

03.02.2006 | 10:31 Uhr |

Sie sind echte Klassiker, werden aber von niemandem wirklich geschätzt: die Bögen mit den Fragen der theoretischen Führerscheinprüfung. Bald allerdings dürften sie ausgedient haben, denn das Verfahren der theoretischen Prüfung soll umgestellt werden. Statt Papierbögen sollen dann Computer zum Einsatz kommen.

Führerscheinprüfung
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„Die Zukunft wird in Richtung PC laufen“, ist sich Verkehrspädagoge Kay Schulte vom Deutschen Verkehrsicherheitsrat (DVR) in Bonn sicher. Schon jetzt werden an verschiedenen Stationen Computer als freiwillige Alternative für die Prüfung eingesetzt. Fachleute gehen davon aus, dass der PC etwa um das Jahr 2010 komplett die bekannten Fragebögen ersetzt.

Noch hat sich bis auf den Wechsel von Papier und Stift auf Monitor und Tastatur wenig geändert. “Die Fragen der Papierbögen wurden eins zu eins auf dem PC übernommen”, erklärt Gerd Mylius vom TÜV Rheinland in Köln. Um den angehenden Autofahrern den Umstieg schmackhaft zu machen, hat man sich in einigen der ersten digitalen Prüfzentren sogar besondere Extras einfallen lassen.

“Es gibt bei uns derzeit eine Bonusregelung - wer am PC durchfällt, kann die Prüfung gleich danach noch einmal mit dem herkömmlichen Prüfungsbogen wiederholen”, sagt Wilhelm Petzholtz vom Dekra Technology Center in Klettwitz (Brandenburg). Bei der Wiederholung zeige sich jedoch durchweg, dass nicht der ungewohnte Computer, sondern mangelhaftes Lernen der Grund für das Versagen ist.

Der Einsatz der Rechner hat derzeit nicht allein den Sinn, die Schüler mit der neuen Möglichkeit in Kontakt zu bringen. Dahinter steckt vielmehr eine geplante Überarbeitung des Fragenkakatloges für das neue Medium. “Ein Ziel ist, dass man auf diesem Weg die Fragen und deren Beantwortung besser analysieren kann”, so Petzholtz. Eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wird die Testphase analysieren, und zwar mit zwei Zielen: mögliche Missverständnisse bei Fragen auszuschließen und neue Inhalte für die Prüfung zu entwickeln. “Insgesamt werden etwa 80 Prozent der bisherigen Fragen übernommen, für den restlichen Teil werden neue Fragentypen entwickelt”, sagt Peter Glowalla, erster stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände in Berlin.

Die neuen Fragetypen werden kaum mehr etwas mit dem zu tun haben, was bisher aus der theoretischen Prüfung bekannt ist. Die Prüflinge sollen sich das Gelernte besser einprägen können - was am Ende möglicherweise auch Unfälle verhindern kann. Bisher gibt es laut Gerd Mylius ein Problem: “Das Wissen geht recht schnell wieder weg.” Die angedachten Videos sollen sich zusammen mit der richtigen Handlung besser einprägen. Als Beispiel wird ein Film genannt, der ein fahrendes Auto zeigt. Am Bildrand taucht dann eine Frau mit Kinderwagen auf, die plötzlich auf die Straße tritt - der Prüfling muss nun sagen, was zu tun ist. Bis Ende 2006 soll ein Prototyp des neuen Fragenkatalogs entstehen.

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