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Update mit Interview: Mobilcom-Debitel übernimmt Apple-Händler Gravis

19.12.2012 | 13:17 Uhr |

Seit knapp einem Jahr besteht eine Kooperation der Einzelhandelskette Gravis mit dem unabhängigen Mobilfunkprovider Mobilcom-Debitel. Nun wird Gravis Teil der Freenet Group.

Man könnte sagen: Es hat sich angedeutet. Seit vielen Jahren suchte der in Berlin ansässige Apple-Händler Gravis bereits nach einem strategischen Partner für seine Wachstumsstrategie. Durch die Kooperation mit Mobilcom-Debitel , die sich zunächst in erster Linie auf den Vertrieb der Mobilcom-Debitel-Tarife in den 28 Filialen der Handelskette erstreckte, schien der lange gesuchte Partner gefunden.

Gravis-Chef im Interview

Wir konnten inzwischen den CEO und Gründer der Apple-Handelskette Gravis für ein kurzes Telefoninterview erreichen. Was Archibald Horlitz zum Verkauf seines "Lebenswerkes" zu sagen hatte, lesen Sie hier .

Nun gab die Geschäftsführung von Gravis in Berlin bekannt , dass die Kooperation in eine deutlich festere Form gegossen werden soll, indem Gravis ein Teil der Freenet Group werde: "Im Verbund mit der Freenet Group kann Gravis eine deutlich breitere Zielgruppe erreichen. Wir freuen uns deshalb darauf, gemeinsam mit Mobilcom-Debitel noch mehr Menschen mit Produkten, Beratung und Services rund um den Digital Lifestyle zu überzeugen“, ließ Gravis-Gründer Archibald Horlitz im Rahmen einer Presserklärung verlauten.

Über den Kaufpreis indes vereinbarte man Stillschweigen. Weiter heißt es: "Es ist geplant, das heutige Gravis Angebot schrittweise zu erweitern. Dazu zählen Produkte aus den Bereichen Mobilfunk, Energie und Service. Gleichzeitig wird zeitnah der Verkauf des Apple-Produktportfolios auf bundesweit über 300 Mobilcom-Debitel-Shops ausgeweitet."

So sieht der Münchner Gravis-Store von innen aus.
Vergrößern So sieht der Münchner Gravis-Store von innen aus.
© Gravis

Für den CEO der Freenet-Group, Christoph Vilanek, habe Apple in Deutschland ein hervorragendes Markenimage – was man von der Freenet-Tochter Mobilcom-Debitel zumindest gefühlt nicht behaupten kann. Umso einleuchtender erscheint der Schritt, mit Apple-Händler und Service-Partner Gravis nicht nur Vertriebs-Know-How einzukaufen, sondern auch das gute Image des bisherigen Partners. Schon im Geschäftsbericht von freenet 2011 heißt es (auf Seite 24): Die Kooperation mit Gravis "bringt uns nicht nur neue, hochwertige Kunden, sondern leistet auch einen entsprechenden Imagetransfer rund um den Digital Lifestyle. Damit haben wir schon mal eine sehr gute Basis für künftiges Geschäft geschaffen." Für Vilanek sei die bisherige Partnerschaft in jedem Fall  von konzeptioneller Seite die richtige Entscheidung gewesen: "Eine schnellere Expansion wird aber durch den Koop-Vertrag nicht optimal vorangetrieben. Wir werden vorhandene Verbesserungspotenziale jetzt voll ausschöpfen können."

Was das konkret heißen soll, bleibt aber – wie das Volumen der Transaktion – unklar. Vor einigen Tagen hatte die Freenet AG Teile des Unternehmensportfolios verkauft, namentlich den Vermarkter Freexmedia und das Spielemagazin 4Players. Einen Zusammenhang zwischen dem Zukauf von Gravis und dem Aufräumen des Freenet-Portfolios herzustellen, liegt nahe. Zumal sich Freenet über die Platzierung eines Schuldscheindarlehens auf dem Kapitalmarkt mit 120 Millionen Euro an frischem Geld eindecken konnte.

Spannend wird sein, wie sich der Berliner Apple-Händler künftig der wachsenden Marktmacht der Apple-eigenen Einzelhandel-Sparte erwehren wird. Denn die wächst schnell und bringt Apple große Gewinne – was dem stationären Handel bislang nur mäßig gelungen ist. Ebenso interessant: Mobilcom-Debitel ist vertraglich ebenfalls mit dem Marktführer im Elektroeinzelhandel, der Media-Saturn-Holding (MSH) verbandelt (Dachgesellschaft von Media Markt und Saturn). Wie sich diese Konstellation durch den Aufstieg von Mobilcom-Debitel bzw. der Freenet Group als Ganzes zum größten Apple-Händler Deutschlands verändern wird, ist noch nicht absehbar. Eines ist aber absehbar: Konfliktpotential ist vorhanden.

Gravis ist nach eigenen Angaben Deutschlands größter Händler und Service-Provider für Apple-Produkte und Zubehör und beschäftigt zirka 660 Mitarbeiter an seinen 28 Standorten. Erst zu Beginn des Jahres hat Gravis sein Systemhaus HSD an die Computacenter-Gruppe verkauft.

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