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Mobilcom setzt auf das Internet

10.02.2000 | 00:00 Uhr |

Das Internet soll dem Telekom-Konzern Mobilcom den
nächsten großen Wachstumsschub bringen. «Wir wollen in diesem Jahr
vier Milliarden DM Umsatz schaffen und den Gewinn um mehr als zehn
Prozent steigern», sagte Gerhard Schmid, Vorstandsvorsitzender und
Großaktionär der MobilCom AG (Büdelsdorf), am Donnerstag bei Vorlage
der Bilanz in Hamburg.

Zudem sei denkbar, dass nach dem erfolgreichen Börsengang der
Mobilcom-Tochter freenet.de weitere Töchter und Beteiligungen an der
Börse platziert werden.

Die Börse hat die Wachstumsziele der MobilCom AG bereits
honoriert: Nachdem das Papier von seinem Gipfelpunkt bei 147 Euro bis
auf 41 Euro abgestürzt war, erholt sich die Aktie seit vergangenem
September kontinuierlich und notierte am Donnerstag mittags mit knapp
140 Euro nur wenig unter dem früheren Höchststand.

Zum weiteren Wachstum sollen neue Produkte und Dienstleisungen
beitragen, die Mobilcom im Laufe des Jahres an den Markt bringen
will. Schmid nannte als Beispiele eine «Flatrate» - einen günstigen
Pauschalpreis - für die Internet-Nutzung, einen superschnellen DSL-
Zugang für private Nutzer unter dem Konkurrenztarif der Telekom,
spezielle Internet-Angebote für Unternehmen und den elektronischen
Handel sowie Call-by-Call-Angebote im Mobilfunk. Einen Großteil der
Neuigkeiten will das Unternehmen im Detail erst auf der Computermesse
Cebit Ende des Monats präsentieren.

Der einstige Mobilfunk-Anbieter hat nach Einschätzung von Schmid
im vergangenen Jahr den größten Schritt nach vorn in der Geschichte
des Unternehmens gemacht. «Wir haben rund 135 Millionen DM in
Infrastruktur und weitere 261 Millionen DM in Werbung und Wachstum
investiert», sagte der Mobilcom-Chef. Damit sei es gelungen, die Zahl
der Kunden stark zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu senken.
In den drei Geschäftsfeldern Mobilfunk, Festnetz und Internet gewann
das Unternehmen knapp 1,7 Millionen Kunden dazu. Mit einem neuen
Glasfasernetz hat Mobilcom zudem seine Kapazität vervielfacht und
gleichzeitig den Schritt vom Wiederverkäufer zum Netzbetreiber getan.

Das schnelle Wachstum im vergangenen Jahr, das auch durch die
Übernahme anderer Unternehmen erreicht wurde, hat in der Mobilcom-
Bilanz Spuren hinterlassen. Zwar stieg der Umsatz des Konzerns
kräftig von 1,47 auf 2,44 Milliarden DM, doch reduzierte sich das
Ergebnis vor Zinsen und Steuern nach internationalen Standards von
251 auf 123 Millionen DM. Die Dividende für die Aktionäre sinkt von
0,75 auf 0,25 Euro je Aktie.

Um das Wachstum betrieblich zu bewältigen, will Schmid das
Personal weiter aufbauen. «Wir sind jetzt ganz klar Nummer drei im
Markt und konkurrieren mit Unternehmen wie der Deutschen Telekom und
Vodafone/Mannesmann», sagte er. Einschließlich der Übernahmen stieg
die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr von 991 auf knapp
2 900. Schmid wollte nicht ausschließen, dass nach der
Vodafone/Mannesmann-Fusion auch Mobilcom ein Übernahme-Kandidat
werden könnte. «Wenn ein vernünftiges Angebot käme, das
wirtschaftlich Sinn macht, wäre ich der letzte, der sich sperrt»,
sagte er.
dpa

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