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iPhone versus Spielekonsole

12.10.2012 | 11:50 Uhr |

Zocken mit dem iPhone macht immer mehr Anwendern Spaß, so dass viele auf eine klassische Spielekonsole verzichten. Lesen Sie, wie das iPhone den Markt verändert.

Es scheint nicht recht zusammenzupassen: Einerseits spielen mehr Menschen als je zuvor und werden immer mehr Computerspiele verkauft, doch andererseits stöhnt die Spieleindustrie über sinkende Umsätze. Doch der Grund dafür ist simpel: Mit dem iPhone als Vorreiter haben sich Smartphones einen enormen Anteil am Spielemarkt gesichert.

Die Profiteure der Situation sind die Hersteller der Smartphones wie beispielsweise Apple, die über ihre Store-Systeme an den Verkäufen mitverdienen. Nur sind die Preise pro Spiel im Smartphone-Bereich wesentlich niedriger, zudem haben Neueinsteiger den Einstieg auch ohne mächtigen Spiele-Publisher im Rücken wesentlich leichter, da beispielsweise der Apple Store als Plattform bereitsteht.

Spiele wie Infinity Blade 2 stehen bei Grafik und Spieltiefe Konsolenspielen kaum noch nach.
Vergrößern Spiele wie Infinity Blade 2 stehen bei Grafik und Spieltiefe Konsolenspielen kaum noch nach.

 Insgesamt sind die Veränderungen im Spielemarkt sehr deutlich: Die klassischen Spielkonsolen wie Microsoft Xbox 360, Sony Playstation 3 oder Nintendo Wii sind schon länger nicht mehr das Maß aller Dinge, zumal alle genannten Geräte einige Jahre auf dem Buckel haben, technisch im Rückstand sind und allenfalls noch über den Preis Kaufanreize schaffen können. Einzig Nintendo plant, mit der „Wii U“ dieses Jahr einen Nachfolger zu bringen, Sony und Microsoft hingegen halten sich über neue Wohnzimmerkonsolen derzeit bedeckt. Den Herstellern dämmert, dass Spieler als Einnahmequelle nicht reichen werden, und setzen auf Entertainmentangebote wie ausleihbare Filme, doch treffen sie hier auf heftige Konkurrenz.

Real Racing 2 bringt schon auf dem kleinen iPhone-Display viel Spaß,
Vergrößern Real Racing 2 bringt schon auf dem kleinen iPhone-Display viel Spaß,

Mobile Konzepte

 Dass das Spielen sich auf mobile Geräte verlagert, hat erst mal nichts mit den Smartphones zu tun, sondern geht auf Geräte wie Nintendos legendären Gameboy zurück. Nach wie vor sind die Japaner in diesem Segment aktiv, zuletzt mit dem Nintendo 3DS XL, der auf seinem leicht vergrößerten Schirm einen echten 3D-Effekt hinbekommt.

 Sonys Playstation Vita, ebenfalls eine mobile Konsole mit ordentlicher Rechenleistung, wirkt dagegen weniger innovativ, wenngleich es auch hierfür Apps, beispielsweise für soziale Netzwerke gibt. Doch dass mehr Rechenleistung oder bessere Grafik reichen könnten, Nutzer von den Smartphones zurückzugewinnen, darf angesichts von dessen universalen Fähigkeiten getrost bezweifelt werden – die Smartphones beherrschen den mobilen Spielemarkt deutlich. Dabei liegt Google mit Android zwar insgesamt vor Apple, doch Apple scheint zumindest nach wie vor den Ton anzugeben – wer erfolgreich ein mobiles Spiel auf den Markt bringen möchte, sollte zumindest eine Version fürs iPhone parat haben.

Mit Airplay landet die Bildpracht auf dem HD-Fernseher und das iPhone dient als Controller und Display.
Vergrößern Mit Airplay landet die Bildpracht auf dem HD-Fernseher und das iPhone dient als Controller und Display.

Mobile Spielkonzepte

 Natürlich sind Spiele auf dem iPhone nicht wirklich vergleichbar mit den „großen“, vollwertigen Spielen auf Konsolen: Die Spiele sind meistens simpler gehalten und eher dazu gedacht, die Wartezeit auf den Bus zu vertreiben, als den Spieler mit aufwendigen Storys stundenlang vor der Glotze zu fesseln. Die durchschnittliche Spielzeit am Stück ist auf einem Mobiltelefon weit geringer als bei der Konsole.

Aber auch, wenn das „Casual Gaming“ für zwischendurch auf dem iPhone überwiegt, gibt es immer häufiger sehr aufwendig gemachte Titel mit größerem Umfang, mehr Spieltiefe und Aufwand, die man in dieser Form bis vor wenigen Jahren nur auf Konsolen oder PCs für realistisch gehalten hätte. Spiele wie Grand Theft Auto 3 mit seiner Spieltiefe oder Infinity Blade 2 mit seiner furiosen Grafik wären noch vor wenigen Jahren nur auf echten Spielkonsolen oder PCs denkbar gewesen.

HDMI und Airplay

Die Grenzen zur Konsole verschwimmen ohnehin bei den Spielen, die über Airplay beziehungsweise den HDMI-Adapter den HD-Fernseher als Hauptausgabemedium nutzen und das iPhone selbst zu einem regelrechten Game-Controller umfunktionieren können.

Per Airplay lässt sich die Bildausgabe aufs Apple TV umleiten.
Vergrößern Per Airplay lässt sich die Bildausgabe aufs Apple TV umleiten.

Gute Beispiele für Spiele mit zusätzlicher TV- oder Airplay-Ausgabe sind Real Racing 2, Fifa 12, Modern Combat 3 oder Touchgrind BMX. Auf den Fernseher zaubern sie eine durchaus beeindruckende Grafik, die natürlich ein weit intensiveres Spieleerlebnis hervorbringt als das kleine iPhone-Display. Noch mögen die aktuellen Konsolen bei der Grafikqualität ebenso wie bei der Rechenleistung für Effekte die Nase vorn haben, doch dass man hier in Wirklichkeit mit einem Smartphone spielt, fällt kaum auf.

 Noch ist die Zahl der Spiele mit echter Airplay-Unterstützung auf eher wenige Titel beschränkt, und es kann schon mal passieren, dass sich ein Ruckler einschleicht oder speziell die Airplay-Darstellung etwas verzögert beim Fernseher ankommt, doch wenn die Spieleentwickler und Apple hier noch etwas nachlegen, wird es für die Konsolen immer schwerer werden, ihren Vorsprung gegen die Smartphones zu halten.

Auch Touchgrind BMX kann den Fernseher zur Ausgabe nutzen.
Vergrößern Auch Touchgrind BMX kann den Fernseher zur Ausgabe nutzen.

Rosige Aussichten?

Die Zeiten haben sich geändert: Nachdem auch die vor wenigen Jahren noch so populären Online-Games wie World of Warcraft mittlerweile immer mehr Kunden verlieren und mangels Innovationen bei den Konsolen und Game-PCs aufwendig produzierte Vollpreis-Spieletitel für 50 Euro und mehr sich eher schlechter verkaufen, ist die Spielebranche verständlicherweise in Aufruhr.

Doch da der Trend zum Spielen ungebrochen ist und das iPhone viele überhaupt erst wieder zu Spielern gemacht hat, darf man dennoch gelassen bleiben. Momentan sitzen iPhone-Besitzer beim Zocken jedenfalls in der ersten Reihe.

Mirroring

Besitzer des iPhone 4S können sich ein durchaus konsolenartiges Spielerlebnis verschaffen: Wer ein Apple TV sein Eigen nennt, kann Airplay Mirroring aktivieren und so den Bildinhalt des iPhone-Displays auf dem HD-Fernseher spiegeln. Wer kein Apple TV hat, nutzt über Apples Digital AV Adapter ein HDMI-Kabel, was im Zweifel etwas schneller und ruckfreier funktioniert. Praktisch alle Apps sind dann simultan auf dem Fernseher zu sehen, was mit vielen Spielen erstaunlich gut aussieht. Schwierig wird es nur, wenn man beim Spielen Tasten auf dem Schirm treffen muss. Bislang unterstützen leider nur sehr wenige Games den Fernseher als Hauptdisplay und machen das iPhone dann zum Controller.

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