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Mobiles Internet: Microsoft holt auf

26.03.2001 | 00:00 Uhr |

Lange tat sich der weltgrößte Software-
Hersteller Microsoft schwer, im neuen Markt der Handys und Taschen-
PCs Fuß zu fassen. Doch wenn es nach den Ankündigungen auf der CeBIT
in Hannover geht, könnte es dem Riesen aus Redmond (US-Bundesstaat
Washington) mit einer Reihe von Kooperationen doch gelingen, den
lukrativen Markt des mobilen Internet für sich zu erschließen. Ende
des Jahres sollen die ersten Smartphones mit dem Betriebssystem
«Stinger» auf den Markt kommen, kündigte Microsoft auf der
weltgrößten Computerschau an.

Mit dem auf Breitbandfunknetze ausgelegten Betriebssystem will
Microsoft vor allem Hersteller von Handys und Smartphones
überzeugen. Bei Siemens ist ihm dies gelungen. Der Münchner Konzern
hatte zwar erst im Februar eine Lizenzvereinbarung mit dem Taschen-
PC-Hersteller Psion zur Weiterentwicklung des Betriebssystems Epoc
getroffen und unterstützt damit Microsofts Hauptkonkurrenten im
mobilen Internet, das Konsortium Symbian. Nun will Siemens künftig
aber auch Lösungen wie Smartphones und Taschen-PCs auf der Basis der
Stinger-Software entwickeln, hieß es auf der CeBIT.

So soll das in Hannover vorstellte «MultiMobil» das mobile
Microsoft-Betriebssystem nutzen. Das Gerät soll als Organizer,
Internet-Zugangsgerät und integriertes Telefon ein Alleskönner sein
und im Herbst auf den Markt kommen. «Die Attraktivität der Stinger-
Software besteht vor allem darin, dass der Benutzer nicht umlernen
muss», erklärte Georges Boulloy, Siemens-Chef für Produktentwicklung
die Entscheidung des Unternehmens. Die Software gewährleiste auf
allen mobilen Geräten die gleiche Benutzeroberfläche wie beim PC.

Auch auf der Basis von Kooperationen mit Netzbetreibern will der
PC-Spezialist den Erfolg seiner Net-Strategie forcieren. Gemeinsam
mit der deutschen Telekom-Tochter T-Mobil will Microsoft künftig auf
einem Internet-Portal personalisierte Service-Angebote bieten, die
über die neuen Funkübertragungsstandards GPRS und UMTS von Handys,
Smartphones und Taschen-PCs abrufbar sein sollen. «Noch vor einem
Jahr waren wir am Boden», resümierte Juha Christensen, Vize-Chef der
Microsoft-Gruppe für mobile Anwendungen. Heute habe das Unternehmen
zusammen mit dem Partner Compaq dem unumstrittenen Marktführer bei
Taschen-PCs, Palm, bereits 31 Prozent Marktanteil abgerungen.

Bislang hatte der Softwaregigant auf dem mobilen Sektor nur
bescheidenen Erfolg für sich verbuchen können. Sein Betriebssystem
Windows CE für Laptops und kleine Geräte hatte es schwer, sich gegen
die Konkurrenz durchzusetzen. Im Markt der Smartphones war es
Microsoft bisher nicht gelungen, große Handyhersteller wie Nokia und
Ericsson von seinem Betriebssystem Stinger zu überzeugen.

Bislang galt das Konsortium Symbian als Gewinner im Markt. Als
Joint Venture von Nokia, Ericsson, Motorola und Matsushita sowie
dem Taschen-PC-Hersteller Psion gegründet, entwickelt und lizenziert
Symbian Software-Plattformen für die nächste Generation von
Mobiltelefonen, die dank GPRS und UMTS künftig ein Hundertfaches an
Übertragungskapazität und Schnelligkeit beim Datenaustausch
ermöglichen sollen. So sollen Nokias 9210 Communicator sowie
künftige Geräte von Ericsson die Symbian-Software-Plattform nutzen.

Doch auf der CeBIT hielt sich das Konsortium mit Verlautbarungen
überraschend zurück. Zusammen mit dem weltgrößten Technologie-
Unternehmen IBM kündigte es eine Partnerschaft für die Entwicklung
von sicheren mobilen E-Business-Lösungen an. Auch Cytrix, ein
Spezialist für Mietsoftware, will gemeinsam mit Symbian künftig
Lösungen vor allem für Geschäftskunden entwickeln.

Nun geht Microsoft mit Partnerschaften der zweiten Liga in die
Offensive. Im Herbst soll ein Smartphone mit Stinger-Software des
britischen Handy-Herstellers Sendo auf den Markt kommen. Das Gerät
werde über alle Stinger-Funktionen wie E-Mail, Terminplaner und den
Microsoft Internet-Browser Explorer verfügen, sagte Ian Ferrell,
Programm-Manager der Microsoft-Gruppe für mobile Anwendungen. Auch
Samsung und Mitsubishi haben unterdessen intelligente Smartphones
mit Stinger-Software angekündigt.

Die Branche verspricht sich von den neuen mobilen Internet-
Zugängen einen riesigen Wachstumsmarkt. Dabei wächst die Zahl der
Handynutzer nach Angaben des Branchenverbands BITKOM mit 106 Prozent
nirgendwo schneller als in Deutschland. Mit 48 Millionen
Handynutzern belegen die Bundesbürger international Platz drei -
eine riesige Chance für neue mobile Geschäftsmodelle. «Internet und
Mobilfunk wachsen zusammen», sagt Erwin Staudt, Chef der IBM
Deutschland. Das Unternehmen erwarte eine Vertausendfachung der
abgerufenen Datenmenge in den nächsten Jahren.

Das Marktforschungsinstitut IDC rechnet zudem für das Jahr 2004
mit 63 Millionen verkauften Smartphones. Laut Investmentgruppe
Durlacher Research soll allein bis zum Jahr 2003 das mobile Geschäft
(m-Commerce) einen Umsatz von 46 Milliarden DM machen.
dpa

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