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Mobiles Pay-TV: Wenn, dann bitte richtig!

21.11.2013 | 17:33 Uhr |

Bundesliga und Kinofilme auf Abruf auf iPad und iPhone? Klingt fortschrittlich und praktisch, ist es in seiner jetzigen Form aber nicht.

Mehr Mut, liebe Pay-TV-Anbieter! Jaja, Sky wirbt mit Sky Go und der Bundesliga auf dem iPad - überall. Die Telekom schickt Entertain to go ins Rennen. Mit IPTV und Mediathek. Klingt beides erst einmal gut. Das Problem bei den deutschen Anbietern: sie nehmen die eigenen Mobilprodukte nicht ernst. In einer aktuellen Meldung berichtet die Telekom, dass man T-Entertain jetzt auch auf dem iPhone ansehen könne - sofern man zuhause im eigenen WLAN ist und die ausgerechnet "To go" benannte Option zu seinem Vertrag hinzu gebucht hat. Ich bin mir nicht sicher, ob den Unternehmen die Ironie ihrer Produktpolitik überhaupt bewusst ist.

Anstatt tatsächlich Inhalte konkret für iPad und Co. anzubieten, nutzen die Konzerne die neuen Geräte nur als Lockmittel, um weiterhin Luxus-DSL-Anschlüsse und Pay-TV-Decoder für das Wohnzimmer zu vermieten. Sky bietet die iPad-Option bei manchen Verträgen als Bonus an, bei der Telekom zahlt man einen Aufpreis zum Entertain-Anschluss, um auf dem iPad zu schauen. Ein iPad-Abo ohne Pay-TV-Abo zuhause? Keine Chance! Neue Gewohnheiten beim Medienkonsum wollen sie nicht anerkennen und für sich nutzen, sondern nur ganz hinten auf das bestehende Geschäftsmodell aufkleben. "Du interessierst Dich für Internetfernsehen auf einem Mobilgerät? Prima, dann schließe doch bitte unser Pay-TV-Abo für das Wohnzimmer ab!" Danke, nein.

Fernsehen ohne Fernseher

Dabei geht die Entwicklung längst in die andere Richtung. Sehen, was man will, wann man will und vor allem auch: wo(mit) man will. Wir müssen nicht einmal (wie bisher immer) in Richtung USA (Hulu, Netflix und Konsorten) schauen, um zu sehen, wie sich das Nutzerverhalten verändert. Youtube ist laut eigenen Angaben im Vergleich zum Vorjahr 50 Prozent gewachsen und investiert in Inhalte, um noch mehr zur TV-Alternative für junge Zuschauer und Werber zu werden. Die großen deutschen Kanäle dort haben inzwischen Reichweiten von mehr als einer Million Zuschauern und konkurrieren direkt mit dem Unterhaltungsfernsehen. Was das mit Sky und Entertain zu tun hat? Die Pay-TV-Konzerne haben die Infrastruktur und die Inhalte, um junge Leute dort zu erreichen, wo sie sind. Im Browser, auf der Spielekonsole oder dem Tablet. Sie nutzen die neuen Kanäle zum Teil bereits, aber nur als Gag, als Extra, als Werbung.

Unter anderem Lovefilm und Watchever zeigen, dass Streamingangebote auch bei den als verhalten geltenden Deutschen langsam Akzeptanz finden. Auf vielen verschiedenen Endgeräten sehen können und mit kurzen Kündigungsfristen flexibel bleiben: Das widerspricht der Produktpolitik von Unternehmen, die in CPOs und 24-Monatsverträgen denken, Konkurrenz durch Internetbegrenzung abwürgen wollen und Kunden zum Abo noch digitale Videorekorder verkaufen, diametral.

Es ist verständlich, dass Sky und Telekom zunächst einmal ihr hochpreisiges Kerngeschäft im Auge haben. Sie haben Angst, dass dass Vollabonnenten möglicherweise abspringen und ein günstigeres Online-Abo für iPad, Playstation und Co. nutzen. Die Generation Video-on-Demand erreichen die Konzerne so nicht. Wir werden niemals 60 Euro im Monat für Fernsehen ausgeben und unser Leben nicht nach der Programmzeitschrift richten.

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