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Müller vs. Meiners: Balgereien aus Frust und Gier

19.08.2005 | 13:03 Uhr |

Können einzelne Bundesländer den Geltungsbereich des Grundgesetzes wieder verlassen?

Müller: ((keucht)) Meiners! Warum musste uns die allgemeine Verwaltung im neuen Gebäude in den fünften Stock platzieren? Wir haben doch keine Zeit, auf den Lift zu warten, der Weg über das Treppenhaus strengt aber verdammt an. Meiners! Wo stecken Sie überhaupt? Ach, da. Meiners!? Wie sehen Sie denn aus? Völlig grün und blau geprügelt. Und was machen Sie mit dem Grundgesetz unter Ihrem Arm?

Meiners: Ich sage bloß: frustrierte Ostdeutsche. Letztes Wochenende, als der IDG-Verlag umziehen ließ, bin ich mit meinem halben Hausstand gen Berlin selbst umgezogen. Bis nach Bayreuth war ja noch alles in Butter, aber kaum war ich über die „Brücke der Einheit“ gefahren, war alles anders. Am ersten Rastplatz in Thüringen machten alle einen großen Bogen um meinen Transporter mit Münchener Kennzeichen, bei der Pinkelpause kurz hinter der Elbe wurden mein Begleiter und ich von Brandenburger Autofahrern aus dem Klohäuschen gejagt. Und das war noch nicht alles: Kaum in Kreuzberg angekommen (bekanntlich im ehemaligen amerikanischen Sektor) offenbare ich bei Kaffee und Kuchen im Straßencafé, dass ich zur Zeit in Bayern lebe. Das hätte ich nicht tun sollen. Noch nie hatte ich so schnell die Rechnung – und irgendwie hatte ich das Gefühl, Münchener Preise zu zahlen. Über die Fahrt zu meinem Lagerplatz in Köpenick schweige ich lieber. Schließlich habe ich selbst Schuld. Man soll halt nicht mit bayerischen Nummernschildern durch Neufünfland gurken.

Müller: ...und das Grundgesetz?

Meiners: Müller, es muss doch eine verfassungskonforme Möglichkeit geben, Ihrem und unser aller Edmund das zu geben, wonach ihm der Sinn steht. Fakt ist: Wir können nicht alle Bayern werden. Ich zumindest würde da gerne noch gefragt werden. Aber wenn der Herr den frustrierten Osten Richtung Sibirien abstoßen möchte, dann ist es meine Staatsbürgerpflicht, über einen Weg dahin nachzudenken. Könnten wir nicht genau so eine schräge Nummer hinkriegen wie damals der Kohl und den Artikel 23 bemühen? Der Freistaat Bayern tritt einfach aus dem Geltungsbereich des Grundgesetzes aus - und Stoiber wird nicht deutscher Kanzler, sondern bayerischer König.

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