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Müller vs. Meiners: Dasselbe in grün

16.09.2005 | 14:14 Uhr |

Alles neu macht der September - oder bleibt alles anders?

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Müller: Meiners, was war das heute Früh für ein Heidenspaß! Die S-Bahn muss wegen des MVG-Streiks und mangels Alternativen gerammelt voll gewesen sein und die Straßen waren derart verstopft, als wären alle verkaufsoffenen Samstage und der Wies’n-Auftakt gleichzeitig. Ich bin dann ganz lässig am Verkehrschaos vorbeigeradelt und habe mich darüber gefreut, dass meine Wadln frühestens nach 100 Kilometern am Stück zu streiken beginnen. Aber sagen Sie mal, wie sehen Sie denn aus? Ein Auge blau, das andere grün? Sind Ihnen unmittelbar vor der Wahl noch ein paar Frustrierte über den Weg gelaufen?

Meiners: Das ist doch alles Quark, was Sie da vermuten. Blühende Landschaften haben sich spontan in der DDR, nein, SBZ (ach, was sag ich...), in den fünf neuen Bundesländern entwickelt. Jetzt kommt der Aufschwung! Die Flut hatten wir ja schon. Ich bin übrigens clever und habe meine Faulheit verbunden mit dem Warnstreik bei U-Bahn, Tram und Bus. Die Farbnuancen, von denen Sie glauben, sie wären unterschiedlich, sind der iSight zuzuschreiben, die dafür sorgt, dass Sie mein wunderschönes Antlitz auch dann genießen können, wenn ich gar nicht da bin. Also nicht bei Ihnen, an den Schreibtisch gekettet. Ich bin frei! Und weil ich bald wieder frei arbeite, sollte ich mich eigentlich zur Agentur für Arbeit aufmachen, um Überbrückungsgeld zu beantragen. Meinen Sie, ich bekomme da noch was, nachdem im Mai sich die Ex-Behörde ein neues, revolutionäres, gänzlich anders aussehendes Logo für schlappe 30.000 Euro zzgl. Farbleitsystem zu 70.000 Euro zugelegt hat?

Müller: Nein, jetzt sind die Kassen leer. Die der Agentur. Irgendein Grafiker hingegen hat erst einmal ausgesorgt. Naiv betrachten wir als Außenstehende, was daran so teuer sein kann, mit Photoshopillustratorfreehandgrafikkonverterpages hätte unsereins das doch genau so gut und vor allem billiger hinbekommen? Wir irren, so wie Kunstbanausen irren, wenn sie einen Picasso nicht verstehen und meinen, ihr Zweijähriger könne schöner krakeln. Kunst kommt nicht von „Können“, sondern von „Künden“. Was will uns also die Arbeitsagentur sagen? Dass sie kein Amt mehr ist und jetzt alles besser wird.

Quark. Quark ist auch so ein Beispiel. Der Xpress-Hersteller kümmert sich ja jetzt ganz toll um seine Kunden, bietet ihnen Seminare und Support an, verbilligt seine Software für Studenten. Das muss man mit einem neuen Logo symbolisieren. Da nun aber der Kundensupport so teuer und der Arbeitsamtagenturgrafiker schon auf Dauerurlaub in der Karibik ist, spart man halt am Design. Und sucht sich den bis dato gänzlich unbekannten Scottisch Arts Council aus, nimmt dessen Logo und gibt es als das eigene aus. Dasselbe in Grün. Quark sagt, man hätte ja wenig Möglichkeiten, ein „Q“ dazustellen, aber es gebe noch Alternativen. Die sollten mal schnellstens die Kuh vom Eis holen.

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