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Müller vs. Meiners: Klaugefahr im Sommerloch

26.08.2005 | 12:34 Uhr |

Wer vertrauliche Daten auf seinem iPod herumschleppt, ist selber schuld.

Müller: Meiners, so habe ich mir das Sommerloch nicht vorgestellt. Dass in der Mac- und Publishing-Szene kaum was los ist, daran hat man sich im Juli und August gewöhnt. Aber dass sich das Sommerloch heuer ausgerechnet im Himmel über Bayern öffnet und es kübelweise regnet, finde ich weniger spaßig. Die nassen Klamotten trocknen in der hohen Luftfeuchte auch nach Tagen nicht, das Parkett in meinem Wohnzimmer wölbt sich und mein iPod hat offenbar ein paar Liter Tropfwasser von der Regenjacke abbekommen. Jedenfalls sagt er nichts mehr, seitdem mich die Sturzbäche letzten Freitag auf dem Radl erwischten.

Meiners: (greift nach dem Redaktionshandtuch) Ihre Probleme möchte ich haben, Müller. Ich zum Beispiel darf an keiner roten Ampel mehr mit meiner Enduro halten, denn sobald ich die Füße absetze, läuft von oben das Wasser hinein. In der Praxis (wringt die Socken aus) ist das natürlich kaum zu realisieren, geben Sie mir mal die taz vom Chefredakteur, ich muss die Stiefel irgendwie trocken bekommen. Dass Sie überhaupt mit einem Zweirad bei dieser Großwetterlage unterwegs sind, das verlangt Respekt. Wobei Sie natürlich an jenem Freitag Ihr Fahrrad auch mitsamt Ihrer Person und Ihres iPods in die S-Bahn hätten stellen können. Mit meinem Motorrad wäre das ein wenig albern. Für Ihren iPod hätte ich übrigens eine Lösung. Sie können am iPlacebo-Programm unserer Lieblingsfirma teilnehmen. Wie ich aus trüben Quellen erfahren habe, will Apple mit diesem Look-alike neue Käuferschichten ansprechen, deren Lebensrealität von fehlerhaften und zu spät zugestellten ALG-II-Bescheiden geprägt ist und die deswegen bislang vom Schneweiß aus Cupertino ausgeschlossen waren. Ein hübsches Zeichen aus dem Infinity Loop, finden Sie nicht? Und: Hatten wir das nicht schon einmal?

Müller: Na prima, kann ich ja meinen defekten iPod einem der frustrierten Wähler oder Nichtwähler andrehen, die grundsätzlich alles für schlecht halten, hohe Ansprüche stellen und nichts zu leisten bereit sind. Mehr Schein als Sein halt. So wie unsere geliebte Landeshauptstadt an ihren schlechten Tagen auf der Leopoldstraße ist, zwischen Siegestor und Münchener Freiheit. Das echte München finden Sie anderswo...

Meiners: ...ach, ich kenne bloß das falsche München?!? Das erklärt natürlich vieles...

Müller: Aber a propos Wahl: Hat das unser Kanzler nicht wieder toll gemacht? Rechtzeitig vor dem Urnengang meldet ein halbes Bundesland „Land unter!“. Blöd nur, dass Edmund Stoiber zwischen Kempten und Garmisch das Heimrecht hat und derart den Exekutiven-Bonus, der Gerhard vor drei Jahren die Wahl gewinnen lies, diesmal für seine Partei nutzen kann. Aber mal sehen, vielleicht hält man diesmal die Wahlen nicht nur dafür ab, um die Prognosen der Demoskopen zu bestätigen, es könnte echte Überraschungen geben. Auch von Apple. Ein iPod mit Austauschbatterie wäre cool und vielleicht baut unsere Lieblingsfirma doch noch ein Radio ein. Zwei Tage nach der Wahl stellt uns Steve Jobs vor unsere nächste Kaufentscheidung, wenn er am 20. September die Apple Expo in Paris eröffnet.

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