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Müller vs. Meiners: Timeo danaos et dona ferentes

21.11.2005 | 11:05 Uhr |

Mit Viren ist es wie mit dem iPod – man wird sie nicht mehr los. Trojanische Pferde hingegen gab’s nicht nur bei den alten Griechen...

Müller: Meiners, Sie haben mal wieder Recht behalten. Diese Grippeschutzimpfung hat Nebenwirkung – nur nicht die von unserer Betriebsärztin indizierten wie allgemeine Schlappheit oder leichte Erkältungssymptome. Nein, so wie es bei Ihnen stets der Fall, bekomme auch ich jetzt ordentlich Hunger. Dabei waren wir doch erst vor zwei Stunden in der Kantine. Begleiten Sie mich zum Imbissstand auf dem Praktiker-Parkplatz? Immerhin – wenn das die einzige Nebenwirkung ist kann ich gut damit leben und ich muss in diesem Winter nicht auf allen Viren ins Büro kriechen. Aber haben Sie den Fall Sony BMG verfolgt? Da wollte sich der Musikriese vor den Risiken und Nebenwirkungen privater Kopien schützen und impfte Windows-Anwender mit einem Programm, das Trojanern, Würmern und anderen Gesindel Tür und Tor öffnet. Super. Ein Grund mehr, nur noch Online-Musik statt CDs zu kaufen, auch wenn der iTMS nächstes Jahr angeblich teurer wird.

Meiners: Wollen Sie mich auf eine Currywurst zum Nachtisch einladen? So mit Pommes-Schranke? Müller, ich bin dabei – sonst fühlt sich der Schweinebraten mit Knödel so alleine. Da ja weiterhin meine Zukunft nicht hundertprozentig gesichert ist, erscheint es mir eine gute Idee zu sein, ein paar Reserven für den Winter anzulegen. Im nächsten Jahr wird dann zwangsweise Schonkost angesagt sein. Sony BMG hat sich übrigens – nach weltweiten Protesten – sehr schnell entschieden, solch „kopiergeschützte“ CDs wieder vom Markt zu nehmen. Nicht, dass Windows-User schon geplagt genug sind mit der Malware, die sie aus dem Internet anhustet, nein, jetzt können sie entsprechenden Quellcode auf Audio-CDs von Sony BMG sogar kaufen. Wir Mac-User sind übrigens nur mit Haaresbreite an der Güte des Musikkonzerns vorbeigeschrammt: Wie macintouch.com berichtet, hatte das Label für uns den Sunncomm-MediaMax-Kopierschutz eingekauft. Meine Wurst bitte ohne Darm und extra scharf, ja?

Müller: Müssen Sie immer so übertreiben, Meiners? Immer eine extra Portion, eine extra Wurst und einen extrascharfen Senf. Sony BMG hat hier gewaltig übertrieben, sieht es aber langsam ein. Ich bezweifle ja nicht die Legitimität des Schutzes von Urheberrechten - und die meisten Musikkäufer halten sich auch daran, Kopien nur für private Zwecke zu erstellen. Internetnutzer sehen auch immer öfter ein, dass nicht alles im Web kostenlos und es dem Anbieter legitim ist, für seine Leistung zu fordern. Mal muss man Geld für ein Abo bezahlen, mal etwas Werbung ertragen oder seine Adressdaten abgeben. Adressen sind mittlerweile ein hoch gehandeltes Gut. Nur, wenn manche Anwender wüssten, dass ich ihre Newsletter, die sie an meine wertvolle Adresse schicken, ungelesen in den Spam-Ordner verschiebe... So, jetzt, wo wir gestärkt sind, können wir zurück in unser Büro und das Büroduell fortsetzen.

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