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Müller vs. Meiners: Wer bin ich?

12.12.2005 | 14:13 Uhr |

Eine Gruppe weiß immer mehr als einzelne Mitglieder. Wissen ist Macht. Macht lässt sich missbrauchen. Macht nichts, meinen Meiners und Müller und finden dabei den Superstar.

Müller: Meiners, Sie haben ja sicher den Karriereratgeber unserer Kollegen der Computerwoche gelesen und berücksichtigen deren Warnungen: Beim Lebenslauf ja nicht schummeln ! Mittlerweile können auch Personalchefs googlen und auf diese Weise leicht Ihre Angaben überprüfen. Aber sagen Sie mal: Auf welchen Job soll sich einer wie ich mit solch einem Lebenslauf bewerben? Dreimaliger Deutscher Meister im Mittelgewicht , im Jahr 1987 sogar Weltmeister im Abfahrtslauf . In den frühen Neunzigern habe ich zwei Bundesligaspiele für den 1. FC Köln bestritten, seit 1999 bin ich junger Wilder Ministerpräsident im Saarland , zudem habe ich von 2001 bis 2004 ein Mandat in der Hamburger Bürgerschaft ausgeübt. Ich brauche nicht noch extra erwähnen, dass ich in Düsseldorf und im vormals selbstständigen Münchner Stadtteil Allach Bürgermeister gewesen bin, in letzterem ist sogar eine Straße nach mir benannt . Außer für den Job des Papstes bin ich doch eigentlich komplett überqualifiziert?

Meiners : Sie sehen mich sprachlos, Herr Kollege. Ich dachte immer, meine drei Seiten Lebenslauf wären unangemessen, aber was machen Sie denn? Verschicken Sie Ihre Bewerbungen noch per Post oder chartern Sie dafür einen Güterzug, bei den ganzen Anlagen, die Personalchefs heutzutage erwarten? Andererseits tun Sie mir irgendwie leid, denn auch Sie müssen doch zugeben, dass „Peter Müller“ kein wirklicher Name ist, sondern eher die Bezeichnung „Sammelbegriff“ verdient, oder? Mein Name ist zwar auch nicht einmalig – ich habe noch nie Meppener Boden betreten –, aber zumindest taucht mein Name auch bei Wikipedia auf, nämlich hier . Allerdings, so entnehme ich ebenfalls dem Internet-Lexikon, sind Sie zusammengerechnet mehrere hundert Jahre alt und bereits mehrmals gestorben. Warum sehen Sie dann immer noch so unverbraucht aus?

Müller: Sehen Sie, sogar Papst ist zu wenig für mich, da ist noch keiner zurückgekommen. Dalai Lama wäre schon eher etwas für mich, vielleicht ja im nächsten Leben. Aber Sie sehen anhand unseres kleinen Beispiels, dass man nicht alles glauben darf, was im Internet steht. Vor allem Wikipedia ist in jüngster Zeit in die Kritik geraten, fehlerhafte Artikel, die lange Zeit unkorrigiert online standen, zeigten die Grenze von „Social Software“ auf. Zudem sollen einige wenige Hardcore-Wikipedianer den Open-Source-Begriff ad absurdum führen und Lexikon-Einträge nach ihrem Gusto korrigieren, wenn nicht gar zensieren. „Wikiprawda“ ist daher ein neuer Spitzname für das Online-Lexikon, das eher bei populären Themen glänzt, aber beispielsweise in der Naturwissenschaft erhebliche Lücken aufweist. Die Masse ist nicht unbedingt schlauer als der Einzelne. Sie brauchen also die geballte Kompetenz der Peter Müller dieser Welt nicht zu fürchten...

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