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München hält an Linux-Projekt fest

04.08.2004 | 16:12 Uhr |

Die Stadt München hält trotz Unsicherheiten durch das EU-Patentrecht an ihrem vielbeachteten Projekt fest, die Computer der Stadtverwaltung auf das freie Betriebssystem Linux umzustellen.

Auch die Stadtverwaltungen in Augsburg und Nürnberg habe man inzwischen von den strategischen Vorzügen des Linux-Konzepts überzeugen können, teilte die Landeshauptstadt am Mittwoch mit.

Die für Ende Juli geplante Ausschreibung des «LiMux Base Client» werde jedoch «vorläufig zurückgestellt», hieß es. Wegen eines Entwurfs für den EU-Wettbewerbsrat müssten zunächst «rechtliche und finanzielle Risiken» geprüft werden. Nach entsprechenden Äußerungen des EDV-Verantwortlichen der Stadt München, Wilhelm Hoegner, hatte es zunächst Spekulationen gegeben, ob München sein ambitioniertes Projekt wegen der sich möglicherweise durch das EU-Patentgesetz ergebenden Ansprüche Dritter komplett auf Eis legen würde.

Nach einem Beschluss des EU-Wettbewerbsrats vom Mai kann Computersoftware künftig patentiert werden. Kritiker wenden dagegen ein, dass die Patentierbarkeit Innovationen und vor allem die Nutzung von freier Software behindern könne. Bereits heute liegen nach Angaben des LIVE Linux-Verbands bei den Europäischen Patentämtern «mehrere zehntausend Softwarepatente vor, die von der bisherigen Gesetzgebung nicht abgedeckt sind».

Der Branchenverband begrüßte unterdessen die an den Spekulationen um das Münchner Linux-Projekt entfachte «Zuspitzung der Diskussion». Nun müssten jene Vertreter in der Politik und in den Unternehmen «endlich Farbe bekennen», die einerseits Softwarepatente befürworten, andererseits Linux als Software-Lösung bevorzugen, meint der Verband.

Die Stadt Wien will ihrer Verwaltung den Einsatz der Alternative zu Windows auf der Hälfte der insgesamt 16 000 Computer nahe legen. «Manchmal macht es Sinn, ein Monopol zu brechen», sagte Rudolf Schicker von der Stadtverwaltung der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Stadt wolle keine Entscheidung in die eine oder andere Richtung fällen, aber ihren Mitarbeitern eine Wahl geben.

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