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Multimedia unter Linux

21.06.2004 | 10:51 Uhr |

Vor nicht allzu langer Zeit wurde Linux noch nachgesagt, es biete nicht genügend multimediale Funktionen.

Das hat sich mittlerweile geändert - es gibt keine Anwendung, für die es nicht auch ein Programm unter Linux gibt. Mit dem freien Betriebssystem, dessen Maskottchen der Pinguin Tux ist, lassen sich Fotos ebenso wie bewegte Bilder bearbeiten. CDs und DVDs können gebrannt werden. Und auch der Mitschnitt von Radiosendungen im Internet ist möglich.

Für Letzteres lässt sich das Programm Streamripper verwenden. Es arbeitet auf der Kommandozeilenebene und kann kostenlos unter http://streamripper.sourceforge.net heruntergeladen werden. Um es über eine grafische Oberfläche nutzen zu können, wird zusätzlich das Programm Streamtuner benötigt, welches wiederum neben den so genannten GTK-Bibliotheken das Programm Curl braucht. Ausgegeben werden die mitgeschnittenen Soundfiles dann zum Beispiel über den MP3-Softwareplayer xmms, der in der Regel zum Umfang von Linux-Distributionen gehört.

Wer mit der Qualität seiner Aufnahmen, egal ob sie aus dem Internetradio oder aus dem privaten Schallplattenarchiv stammen, nicht zufrieden ist, kann diese auffrischen: Neben Programmen wie Protux und Sweep eignet sich dafür Audacity, das es nicht nur für Linux, sondern auch für Windows und Mac OS gibt. Es steht zum Download unter http://sourceforge.net/projects/audacity bereit, liegt aber auch manchen Distributionen bei.

Vor allem den Menüpunkt «Rauschentfernung» werden Nutzer von Audacity zu schätzen wissen, die ihre Schallplattensammlung digital archivieren wollen. Schon von Haus aus bringen die meisten Linux-Distributionen Programme zum Abspielen von Musik-CDs mit. Dazu gehört beispielsweise KsCD.

Für die Bearbeitung digitaler Camcorder-Aufnahmen unter Linux bietet sich das Einsteigerprogramm Kino an, das ebenfalls bei sourceforge.net zu finden ist. Damit lassen sich Filme von der Kamera auf den Rechner holen, schneiden und bearbeiten. Weitere Programme für den Videoschnitt sind beispielsweise das kostenpflichtige MainActor sowie Cinelerra.

Problematisch ist das Abspielen von DVDs unter Linux: Eigentlich sollten gängige und kostenlos erhältliche Programme wie MPlayer, Ogle oder das mitgelieferte Noatun damit kein Problem haben. Doch weil die Distributoren Gebühren für Patente zahlen müssten, verzichten sie darauf, so genannte Bibliotheken - Dateien wie libdvdread, die zum Abspielen von Kauf-DVDs benötigt werden - mitzuliefern. Diese Bibliotheken können Anwender jedoch auch aus dem Internet herunterladen und nachträglich installieren. Der Klassiker unter den Linux-Videoprogrammen ist xine. Auf xine basieren auch in der Regel mitgelieferte Player wie Kaffeine oder Noatun.

Linux-Nutzer können ihre Rechner auch für Videokonferenzen verwenden. Ein gängiges Programm ist etwa das mit Microsofts Netmeeting vergleichbare GnomeMeeting. Benötigt wird dafür eine Duplex-fähige Soundkarte. Das heißt, Mikrofon und Lautsprecher müssen gleichzeitig funktionieren. Außerdem muss die verwendete WebCam natürlich von Linux unterstützt werden. GnomeMeeting dient zudem als Programm für Internet-Telefonie.

Für die Umwandlung verschiedener Videoformate bietet sich beispielsweise der mencoder an: Dieses Programm gehört zum Funktionsumfang des MPlayers. Filmaufnahmen lassen sich damit in das DivX-Format transcodieren und können auf entsprechenden DVD-Spielern betrachtet werden. Als umfangreiches, vor allem für Fortgeschrittene interessantes Programm gilt transcode.

Auch für Musiker dürfte Linux zunehmend interessant werden. Für eigene Aufnahmen steht zum Beispiel das Programm Ardour zur Verfügung. Die Software kann kostenlos unter www.ardour.org aus dem Internet geladen werden. Um es jedoch in seinem ganzen Umfang nutzen zu können, sind einige Änderungen am System nötig.

Die Umwandlung von Audiodateien ist ebenfalls mit wenigen Mausklicks erledigt. Auch dazu können mencoder oder transcode verwendet werden. Aber es geht noch leichter: In aktuellen Distributionen muss man zum Umwandeln von Musikstücken in die Formate Ogg Vorbis oder MP3 nur noch die eingelegte CD im Datei-Browser Konqueror mit dem Befehl «audiocd:/» öffnen. Dann öffnen sich Unterverzeichnisse, in denen bereits MP3- oder Ogg-Vorbis-Dateien als Symbol bereitliegen. Diese werden beim Kopieren in einen beliebigen Ordner automatisch umgewandelt. Leichter geht es auch unter Windows oder Mac OS nicht.

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