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Musik-Downloads 2006 verdoppelt - Piraterie bleibt Problem

18.01.2007 | 06:50 Uhr |

Der Vormarsch digitaler Musik-Downloads kann den sinkenden Verkauf von herkömmlichen CDs bislang nicht kompensieren. Das räumte der Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) in seinem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht zur digitalen Musik ein. Der Anteil der Downloads via Internet und Handy am gesamten Geschäft der Musikbranche stieg 2006 auf 10 Prozent von 5,5 Prozent im Vorjahr.

Der Umsatz verdoppelte sich auf zwei Milliarden Dollar (1,55 Mrd Euro). Die Zahl der Lieder, die online verfügbar sind, habe sich mit vier Millionen ebenfalls verdoppelt. Der IFPI rechnet damit, dass bis zum Jahr 2010 rund ein Viertel der Musik über Downloads verkauft wird.

Die Plattenfirmen litten immer noch spürbar unter illegalen Kopien, hieß es. «Mittlerweile sind die digitale Piraterie und die Entwertung von Musik eine wirkliche Bedrohung für das sich entwickelnde Geschäft mit digitaler Musik», erklärte der IFPI. Rechtliche Schritte gegen große private Online-Tauschbörsen in 18 Ländern hätten die Piraterie lediglich eindämmen können. So sei in Deutschland der Anteil der Nutzer solcher Tauschbörsen von 13 Prozent im Jahr 2004 auf acht Prozent im Jahr 2006 gesunken. Versuche, Privatpersonen zu belangen, seien ohnehin nur der zweitbeste Weg, mit dem Problem umzugehen. Die IFPI wolle deswegen nun verstärkt gegen die Internetdienste-Anbieter vorgehen. Diese sollten ähnlich energische Maßnahmen ergreifen wie bei der Unterbindung von Kinder-Pornografie. Die Branche hebt aber auch die Vorteile des Online-Geschäfts für Privatpersonen hervor. So seien nun Titel erhältlich, die selbst in den größten herkömmlichen Geschäften längst aus den Regalen verschwunden sind. In den vergangenen Monaten sei es auch zu einer Diversifizierung der verschiedenen Vertriebskanäle gekommen: Bisherige Download-Kanäle wie iTunes würden zunehmend Konkurrenz durch Abo-Services, Handy- Klingelton-Downloads und werbefinanzierte Foren wie YouTube und MySpace bekommen. Der Umsatz komme weiterhin in etwa zu gleichen Teilen aus Internet- und Handy-Downloads. Im Handy-Bereich handelt es sich traditionell vor allem um verschiedene Arten von Klingeltönen. Die Zahl der heruntergeladenen Einzeltitel stieg dem IFPI zufolge 2006 insgesamt um 89 Prozent auf 795 Millionen. Wichtigster Markt bleiben die USA. Hier wurden 582 Millionen Einzeltitel heruntergeladen (plus 65 Prozent) und 33 Millionen Alben, rund doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

In Deutschland habe es ein zurückhaltenderes Wachstum gegeben. Die Zahl der heruntergeladenen Einzeltitel sei auf 24 Millionen von 19 Millionen ein Jahr zuvor gestiegen. Die Anbieter haben verschiedene Verfahren, die Downloads zu zählen, deshalb ist der Markt schwer genau zu beziffern. Manchmal werden zum Beispiel Alben als ein «digitales Produkt» gezählt anstelle die Summe der enthaltenen Titel zu berücksichtigen. Nach Erkenntnissen der Branche werden bevorzugt einzelne Songs statt Alben heruntergeladen. (dpa)

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