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„Musik kann nahezu alles“

16.03.2007 | 12:15 Uhr |

Benjamin von Stuckrad-Barre gilt als erfolgreichster Popliterat Deutschlands. Er bringt Hörbücher mit den Texten Udo Lindenbergs heraus, fällt bei Konzerten der Pet Shop Boys in Ohnmacht, nennt seine Bücher „Soloalbum“ oder „Remix“ und outet sich als iPod-Kenner

Macwelt: Herr Stuckrad-Barre, folgende Dinge sind für Sie angeblich lebensnotwendig: Sonne, Bücher, Freunde, Mentholzigaretten – und Musik.

Benjamin von Stuckrad-Barre: Meine Zigaretten liegen vor mir, sie wollten sich mit mir über Musik unterhalten, und ich habe zugestimmt. Also: richtige Aussage.

Heißt das folgerichtig, dass Sie Ihre Musik immer auf einem iPod dabei haben ?

In der Tat. Allerdings habe ich vor Kurzem etwas ganz Tolles entdeckt: CDs! Ich habe mir gestern seit langer Zeit wieder CDs gekauft, weil ich jetzt wieder in Berlin wohne und bei meiner Freundin Musik hören wollte. Da habe ich gemerkt, wie schön es ist, wenn die Reihenfolge vorgegeben ist, man mit einer Platte dasitzt und nicht die unendlichen Wahlmöglichkeiten hat.

Für einen wie Sie, der sich wegen seiner Sammelwut als „Kombination zwischen Eichhörnchen und Messie“ beschreibt, muss digitale Musik ja geradezu unerträglich sein.

Das könnte man glauben, aber eigentlich komme ich bestens mit digitaler Musik zurecht. Seit man nicht mehr mit den Mitarbeitern sprechen und zum Hören eine beliebige CD einfach nur unter einen Barcode-Scanner halten muss, gehe ich allerdings auch wieder gerne in Platten­läden, arbeite mich in einer Ecke durch einen Stapel CDs und lasse am Schluss einfach alles liegen und stehen. Tatsächlich hat eine CD auch einen anderen Wert als zehn heruntergeladene Lieder. Bei digitaler Musik beschränkt man sich oftmals auf die Hits. Man hört bewusster, wenn man eine CD in den Händen hält.

Laden Sie denn viel herunter?

Ich habe regelrechte schlaflose Nächte, in denen ich vor meinem Computer sitze, von einem Download zum hundertsten komme und am Ende gar nichts gehört habe. Das bekommt bei mir etwas Maßloses.

Kennen Sie auf Ihrem iPod die Top 5 der meistgespielten Songs?

Ich bin leider sehr ungeduldig und drücke ständig auf „weiter“, weil ich die Zufallsfunktion so spannend finde. Insofern wäre die Auswahl nicht repräsentativ. Nervig wird es dann, wenn man viele Hörbücher auf seiner Playlist hat. Neulich ist es mir passiert, dass gleich nach den Beastie Boys plötzlich Sebastian Haffner kam. Da muss man dann schnell wieder weiterdrücken.

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