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Musik und DRM

10.05.2004 | 16:35 Uhr |

Vor allem das Fairplay-DRM in Apples iTMS hat es der Musikindustrie angetan - Microsoft versucht es mit Verfallsdatum.

"Stiehl keine Musik!" - mit diesem Slogan begleitete Apple im Oktober 2001 die Markteinführung des iPod. Nur neun Monate zuvor hatte der Mac-Hersteller unter dem Motto "Rip. Mix. Burn." Seine Jukeboxsoftare iTunes vorgestellt und Macs erstmals serienmäßig mit Brennern ausgestattet - die Reaktion der Musikindustrie, die das Internet, das Format MP3 und CD-Brenner als Schuldigen für ihren Niedergang auszumachen begann, war wenig begeistert. Der Groll legte sich ein wenig, als Apple seinen portablen Musikplayer mit einer Synchronisationsfunktion ausstattete, die nur in eine Richtung ging: Vom Zentralrechner, auf dem idealer Weise digitale Version gekaufter Musik lagerten auf den portablen Festplattenplayer. Nicht zuletzt wegen dieses Entgegenkommens gelang es Apple, Lizenzen für den Online-Verkauf digitalisierter Musik von den fünf großen Labels und dutzenden unabhängiger Verlage zu bekommen. Nutzer und Lizenzgeber gleichermaßen begeistern sollte dabei das Fairplay genannte Digital Rights Management (DRM). Dabei ist in die AAC-Datei eingeschrieben, wie oft der Käufer Wiedergabelisten mit seinen im iTMS erworbenen Stücken brennen (seit Ende April 2004 siebenmal, ursprünglich zehnmal) oder auf wie viele Rechnern er sie kopieren darf (fünf, ursprünglich drei). Weitere Restriktionen sieht das Fairplay-DRM nicht vor. Doch wie schon beim iPod sind die Sicherheitsvorkehrungen leicht zu umgehen. Zieht man nämlich seine Musikbibliothek nicht via iTunes in unsichtbare Verzeichnisse sondern im Finder auf das optional auf dem Schreibtisch erscheinende Festplattensymbol des MP3-Players, geschieht der Abgleich in Richtung iPod nach Zweitrechner ebenso unproblematisch. Und wer eine von sieben erlaubten CD-Kopien seiner iTMS-Einkäufe wieder in iTunes einliest hat mit dieser Art der Informationsrückgewinnung den fairen Kopierschutz überschrieben.

Apple hat diese Funktionen nicht dokumentiert, auch die Musikindustrie scheint Cracks dieser Art stillschweigend zu tolerieren - im Visier stehen die Power-Ripper, die Gigabytes an Musik in die Verzeichnisse von Tauschbörsen hochladen. Apple versteht aber keinen Spaß, wenn Dritte Software anbieten, die alle Sicherheitsvorkehrungen auf Knopfdruck deaktivieren. Das musste der anonyme Open-Source-Autor erfahren, der eine Software namens Playfair über die Website von Sourceforge.net zur Verfügung stellte. Auf Druck von Apples Anwälten nahmen die in den USA ansässigen Betreiber die Software von ihrem Server. Auch ein zweiter Versuch, Playfair vom indischen Provider Sarovar zu hosten, blieb nicht lange ohne Antwort der Rechtsabteilung in Cupertino. Apples Anstrengungen das Potemkinsche Dorf des für Verbraucher wie Anbieter fairen aber vor allem sicheren DRM aufrecht zu erhalten, stoßen aber an ihre Grenzen. Selbstbewusst erklären die Betreiber von Sarovar auf ihrer Website, der Digital Millenium Copyright Act, auf den sich Apple in seinen Beschwerden bei Sourceforge.net erfolgreich berufen habe, gelte nicht in Indien. Auch ein ähnliches Gesetz gebe es nicht auf dem Subkontinent, Play Fair sei damit durch und durch legal. Zudem nutze es Techniken, die Apple bereit stellt, den Kopierschutz von AAC-Dateien entfernt das Tool nur, wenn eine Berechtigung von Apples Servern vorliegt, die Kopien im Rahmen der Geschäftsbedingungen des iTMS erlaubt. Play Fair, ursprünglich dazu gedacht, Songs aus dem iTMS auch auf Linux-Rechnern abspielen zu können, werde in einer neuen, verbesserten Version bald wieder online gehen, versprechen die Betreiber von Sarovar .

Gesetzeslücken und was man daraus macht

Apple wird sich im Fall von Play Fair also nicht auf US-Gesetzgebung verlassen können. Als noch störender für das legale Download-Business erweist sich eine Gesetzeslücke im russischen Recht, das der Website Allofmp3.com es erlaubt, Songs für 5 Cent pro Stück anzubieten - legal, wie die Russen behaupten. Den Preis können die Anbieter deshalb derart niedrig ansetzen, da bei ihrem "Geschäftsmodell" keinerlei Gebühren an die Musikindustrie oder Verwertungsgesellschaften anfallen. Die Betreiber nutzen eine Ausnahme im russischen Urheberrecht, welche die öffentliche Übertragung von Tonaufnahmen ohne Lizensierung genehmigt. So liegen bei Allofmp3.com die Stücke nicht als Download vor, der Klick löst lediglich die Übertragung aus, die der russische Server mitschneidet und in Echtzeit in MP3 konvertiert. Der Gesetzgeber in Moskau arbeite jedoch an einer Überarbeitung des Urheberrechts.

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