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Musikbranche setzt auf neue Kopierschutzsysteme

10.12.2001 | 00:00 Uhr |

Ob "Backstreet Boys" oder "Gregorianische Gesänge" - wer zu Weihnachten eine Musik-CD verschenken will, sollte in diesem Jahr genauer als bisher hingucken. Der Grund: Die Branche setzt nach Millionenverlusten durch illegale Kopierer immer stärker auf Kopierschutzsysteme. "Unsere Musik-CD kann nicht mehr am Computer abgespielt werden", sagt Axel Sarodnik, Experte für Kopierschutz im CD-Werk Röbel (Müritzkreis), das zur Hamburger edel music-Gruppe gehört. Auch für CD-ROMs mit Spielen, Präsentationen oder kompletten Nachschlagewerken habe man neue Kopierschutzverfahren entwickelt. Es geht um einen riesigen Markt. Zuletzt wurden im Jahr 2000 rund 262 Millionen Tonträger in Deutschland verkauft, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Thomas Stein, in Hamburg. Dem stünden allerdings gleich 210 Millionen verkaufte leere Datenträger gegenüber. Der Umsatz der Branche ging um 2,2 Prozent auf 4,78 Milliarden DM (2,44 Milliarden Euro) zurück. Auch das Internet setzt die Branche unter Druck, sagt Stein. "Copy kills music" (Kopieren tötet die Musik) heißt das Schlagwort der Branche.

Dem wollen edel und auch andere Unternehmen der Branche wie Sony und BMG jetzt Rechnung tragen. "Die Gruppe der Leute, die Musik über den Computer hören, wird als klein eingeschätzt", meint Sarodnik. Die meisten Musikhörer verfügten über Musikanlagen für CD oder DVD. "Aber wenn die CD, die bei uns mit einem Schutzring versehen wird, nicht mehr am Computer abgespielt werden kann, kann sie auch nicht kopiert werden." Nicht alle Hersteller gehen diesen Weg, schränkt Sarodnik ein. Schließlich verteuere der Kopierschutz auch die Compact Discs. Schon heute überlegten sich viele Käufer die Anschaffung - angesichts von Preisen von 45 DM und mehr für ein neues Album.

Doch nicht nur die Musikfans müssen sich auf neue Kopierschutzsysteme einstellen. "Auch Verlage wenden immer häufiger solche Systeme an", sagt der Informatiker. Von bundesweit 15 aktuellen Verfahren seien aber nur zwei wirklich sicher. Eines davon, "Star Force", habe eine Moskauer Agentur entwickelt, mit der die Röbeler seit kurzem zusammenarbeiten. "Wer auf dem russischen Markt, wo es von Produktpiraten nur so wimmelt, wirkliche Schutzsysteme durchsetzen kann, kann auch hier bestehen", sagt Sarodnik. Bei der Frankfurter Buchmesse habe man damit bereits sehr gute Erfahrungen machen können.

Anwender des Kopierschutzverfahrens sind für den Experten vor allem Spiele- und Lernsoftwarehersteller und die großen Verlage, die immer häufiger ganze Lexika auf die Silberlinge pressen. "Je wertvoller das Wissen, desto mehr investieren Verlage in Kopierschutz", weiß der Fachmann. Der Scheibe selbst ist der Schutz nicht anzusehen. Ihr wird ein 32-stelliger Code zugeordnet, der auf die Herstellung der Master-CD - der so genannten Mutterscheibe - genau abgestimmt ist. So kann der Anwender den Inhalt der CD mit einem dazu gelieferten Abspielcode zwar lesen, aber nicht neu brennen.

Die Computerfans, da macht sich Verbandschef Stein nichts vor, wird das auf Dauer nicht abhalten, neue Umgehungstechnologien zu entwickeln. Man müsse aber die Zufallspiraten abwehren, sagt Stein. dpa

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