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Musikbranche vor Neuordnung

25.09.2003 | 12:09 Uhr |

Die Luft wird eng für die Musikbranche. Zwischen 2000 und 2002 ist der Umsatz in dieser Sparte um sechs Milliarden auf 31 Milliarden Dollar geschrumpft.

Somit ist - dem Umsatz zufolge - theoretisch einer der fünf großen Musikkonzerne schon verschwunden. Die Umsätze der Majors, die sich rund drei Viertel des Marktes teilen, liegen zwischen 6,3 und 2,7 Milliarden Dollar.
Entsprechend dreht sich das Fusionskarussell: In den letzten Wochen verhandelten Bertelsmann und Time Warner über die Zusammenlegung ihrer Musiksparten BMG und Warner Music. Zunächst exklusiv, seit Anfang vergangener Woche auch mit anderen. EMI, das einzige konzernfreie Plattenunternehmen bietet für Warner Music, BMG soll mit Sony Music verhandeln und eigentlich ist es so wie seit Jahren: Jeder spricht mit jedem.
Die Umsätze der Musikindustrie sind schon seit vielen Jahren rückläufig, doch so richtig unter Druck steht sie erst seit dem massenhaften illegalen Kopieren per CD-Brenner oder durch das Herunterladen von Musikdateien im Internet. Die Zahlen sind alarmierend: 2002 wurden weltweit 5,77 Milliarden Musik-, Film- und Software-Dateien über illegale Tauschbörsen aus dem Internet gezogen 11 000 pro Minute. In den USA halten es nur neun Prozent der Internet-Nutzer für falsch, kostenlos Musik aus dem Netz zu beziehen. 60 Prozent der Deutschen sind nach einer Studie bereit, Raubkopien auf ihren PC zu laden.
Die großen Musikkonzerne haben so ziemlich alle Mittel zur Begegnung der Krise ausgeschöpft: Eine Welle von Entlassungen hat das Problem ebenso wenig vermindert, wie verstärkter Output. Jetzt probiert es Marktführer Universal Music mit massiven Preissenkungen, um die Online-Nutzer wieder in die Läden zu locken. Nicht alle werden überleben, darin sind sich Branchenbeobachter einig. Besonders dünn ist die Luft für die börsennotierte und einzig konzernfreie EMI geworden. Sie muss dringend eine Lösung finden. Und deshalb wird auch wieder mit Hochdruck verhandelt. Nun hat sich gar so etwas wie ein Endspurt entwickelt: Alle Beteiligten sind sich in der Einschätzung einig, dass die Wettbewerbshüter in Brüssel und Washington wohl nur eine Fusion angesichts der Krise genehmigen und nicht mehrere.
Für die übrig bleibenden Konzerne bleibt dennoch Hoffnung: Zunehmend greifen in den Industrieländern neue Urheberrechtsbestimmungen, die illegale Downloads und massenhaftes Kopieren unter Strafe stellen. Und erste legale Projekte zum digitalen Vertrieb von Musikstücken haben Erfolg, wie Apples Online- Musikladen iTunes Music Store beweist.

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