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Musikindustrie verklagt Piraten jetzt auch in Deutschland

30.03.2004 | 15:12 Uhr |

Mit den ersten 68 Strafanzeigen gegen Musikanbieter in illegalen Tauschbörsen startet die Musikindustrie auch in Deutschland ihre juristische Offensive gegen Raubkopierer.

Wie erwartet nutzte die deutsche Landesgruppe der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) ihre heutige Pressekonferenz in Berlin, um ihre Strategie gegen für den Umsatzschwund im Musikgeschäft verantwortlich gemachte Musikkopierer zu erläutern. Die Phonowirtschaft könne "millionenfachen illegalen Musikangeboten" nicht mehr tatenlos gegenüber stehen, "während der Musikumsatz stark einbricht", erklärt der Verbandsvorsitzende Gerd Gebhard. Schon seit Jahren gehe die IFPI gegen illegale Musikangebote vor und habe mit ihren Maßnahemn für die Schließung zahlreicher Web- und FTP-Server gesorgt, jetzt wolle man direkt Teilnehmer von dezentralen Tauschbörsen belangen. In den vergangenen Monaten hatten Vertreter der IFPI die in Tauschbörsen-Clients integrierten Chat-Funktionen genutzt, um die Anwender zu warnen. Die ersten 68 Strafanzeigen hat die Hamburger Kanzlei Rasch im Namen der IFPI erstattet.

Nach einer empirischen Untersuchung der Professoren Felix Oberholzer (Harvard Business School) und Koleman Strumpf (University of North Carolina) hängt der Verkaufserfolg eines Albums jedoch nicht von dessen Verfügbarkeit in illegalen Kanälen ab, die straf- und zivilrechtliche Verfolgung von Tauschbörsenteilnehmern wäre demnach kein adäquates Mittel gegen den Umsatzschwund der Industrie. Als Basis der Untersuchungen von Coleman und Strumpf dienten die Verkaufszahlen von 500 populären Alben und deren "Erfolg" in illegalen Internetangeboten. Einen Auswirkung der Downloads auf die Verkäufe konnten die Forscher nicht nachweisen.

Info: IFPI , Studie von Oberholzer und Strumpf (PDF)

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